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Deutsche Ski-Sensation in Kitzbühel: Auch Schweinsteiger verneigt sich

Auch Schweinsteiger feiert Straßer

Linus Straßer triumphiert am Sonntag beim legendären Kitzbühel-Slalom, zu dem er eine besondere persönliche Verbindung hat. Vor dem Alpin-Ass von 1860 München verneigt sich neben Vorbild Felix Neureuther auch Bastian Schweinsteiger.
Auch Bastian Schweinsteiger verneigte sich am TV-Bildschirm vor Linus Straßer
Auch Bastian Schweinsteiger verneigte sich am TV-Bildschirm vor Linus Straßer
© X.com/BSchweinsteiger
Linus Straßer triumphiert am Sonntag beim legendären Kitzbühel-Slalom, zu dem er eine besondere persönliche Verbindung hat. Vor dem Alpin-Ass von 1860 München verneigt sich neben Vorbild Felix Neureuther auch Bastian Schweinsteiger.

Heimat mag ein weit gefächerter Begriff sein. Bei manch einem mag es eine Person sein, die das Gefühl von Geborgenheit vermittelt. Ein sich vertraut anmutendes Ambiente. Für Linus Straßer ist Heimat der Ganslernhang.

Auf der altehrwürdigen Kitzbüheler Slalomstrecke wurden schon die wildesten Ritte vollbracht. Am Sonntag war das Slalomgestänge im Tiroler Land für den 31 Jahre alten Münchner der Pfad zum Glück. Zum größten Coup seiner Karriere, bei dem unter anderem auch Fußball-Weltmeister Bastian Schweinsteiger mitjubelte.

Ski alpin: Linus Straßer wohnte zeitweise in Kitzbühel

Nicht nur gewann der Technik-Spezialist sein erst viertes Weltcup-Rennen. Nicht nur zum ersten Mal einen der prestigeträchtigen Läufe vor Promi-Kulisse mit Arnold Schwarzenegger und Co. Nein, Straßer siegte in Kitzbühel, wo er vor ziemlich genau 25 Jahren das Skifahren zwar nicht erlernte - und doch den Startpunkt für die Karriere im Leistungssport fand.

„Ich bin schon das ein oder andere Mal am Start gestanden und hatte ein Fragezeichen im Kopf, wie ich das angehe“, sagte Straßer einst in einem ZDF-Interview über seinen „Heimatberg“.

Mario Weinhandl, damals Trainer beim Kitzbüheler Ski-Club entdeckte Straßer beim „Carven am Ganslern“, wie er zuvor und danach nie mehr einen Rennläufer sah. So förderte er den Deutschen fortan, wurde später sein Privattrainer.

Schon der Ablauf als Kind gestaltete sich wiefolgt: Vom sportbegeisterten Papa von der Schule abgeholt werden, zum Skitraining nach Kitzbühel, das Wochenende im Ski-Club weilen - und zur neuen Woche wieder zum Lernen aufkreuzen.

Weil der Aufwand doch ein Großer war, entschied sich Straßer mit 15 Jahren zu einem folgenschweren Schritt: er trat der Ski-Abteilung von 1860 München dabei. Im blau eingefärbten Stadtgebiet Münchens gern gesehen, doch auch gratulierte Schweinsteiger am Sonntag, Vereinsikone des FC Bayern, per X (“Linus, du Maschine“).

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Von Schweinsteigers ebenfalls dem FC Bayern verbundenen Kumpel, Ex-Skirennläufer Felix Neureuther, konnte sich der acht Jahre jüngere Straßer im Laufe seiner Karriere einiges abschauen, unter anderem Kitzbühel-Siege.

Neureuther: „Kenn‘ den Kerl, seitdem er ein Bua ist“

Straßer ist der erst vierte Deutsche, der im Ski-Mekka einen Slalom-Sieg einfahren konnte, vorher gelang dies nur Felix‘ Papa Christian Neureuther (1979), Armin Bittner (1989) - und eben Felix Neureuther 2010 und 2014. Beim ersten Triumph fungierte der junge Straßer noch als Vorläufer.

Für Straßer, der sich selbst als zurückgezogenen Familienmenschen beschreibt, war es eine besondere Freude seinen großen Triumph dort zu feiern, wo auch Frau, Kind und andere Angehörige und Weggefährten vor Ort waren - wie auch Neureuther herausstrich.

„Ich kenn‘ den Kerl, seitdem er ein kleiner Bua ist und jetzt stehen wir da“, freute sich der Garmisch-Partenkirchner, indes als ARD-Experte tätig, im Interview sichtlich bewegt.

Straßers Karriere hat Ähnlichkeiten mit der von Neureuther: einige Höhen, viele Tiefen. So feierte er in seiner Debüt-Saison 2015 erste Weltcup-Punkte, 2017 den ersten Sieg bei einem City-Event in Stockholm.

Ski alpin: Erster Weltcup-Sieg 2017 - Olympia-Silber im Team 2022

Und doch ließ der erste „wirkliche“ Weltcup-Sieg bis zur Station in Zagreb 2021 auf sich warten. Doch auch die Lichtblicke waren vorhanden: Bronze im Team bei den Weltmeisterschaften 2021, Silber im Team bei den Olympischen Spielen 2022 - wo sich eine gar besondere Geschichte zutrug.

Noch in den Vorläufen des Parallel-Events war er nicht ins Ziel gekommen, fühlte sich unsicher - und gab so seinen Platz im Finallauf bereitwillig an Teamkollegen Julian Rauchfuss ab. So durften die Deutschen gleich zu fünft jubeln, auch weil Straßer Teamgeist bewies.

Nun, in Kitzbühel, sollte allerdings der größte Lichtblick der Karriere folgen: der vierte Weltcup-Sieg, der erste in der Heimat. „Das Besondere an dem Hang ist, du musst loslassen, es passieren lassen. Wenn du den zum Tanz aufforderst, den führst nicht du, sondern er führt dich“, beschrieb Straßer den Ganslern einst.

Am Sonntag ließ er es also geschehen. Der charismatische Oberbayer, der nicht gerne im Mittelpunkt steht, außer es sei „leistungstechnisch begründet“. Das war es mit dem Triumph allemal.