Was Klaus Bonsack geleistet hat, wirkt in der heutigen Welt des Rennrodelns beinahe unvorstellbar. Er gehörte zu den absoluten Spitzenathleten. Im Einsitzer und gleichzeitig auch im Doppelsitzer. Der in Waltershausen geborene Sportler, der für die DDR antrat, meisterte beide Disziplinen auf einem Niveau, das kaum jemand erreichte – und seine Erfolge waren beeindruckend.
Heute vor drei Jahren starb eine der größten Legenden des DDR-Wintersports
Einer der Größten seiner Zeit
Bonsack sammelte bei Olympischen Spielen, seit Rennrodeln 1964 erstmals Teil des Programms war, insgesamt vier Medaillen. Nach Silber im Einsitzer 1964 in Innsbruck gab es 1968 in Grenoble gemeinsam mit Thomas Köhler Gold im Doppelsitzer und dazu Bronze im Einsitzer. 1972 in Sapporo folgte noch eine weitere Bronzemedaille im Doppelsitzer an der Seite von Wolfram Fiedler.
Lange war Bonsack damit der einzige Rodler, der vier Medaillen bei drei Winterspielen hintereinander gewann. Dieses Alleinstellungsmerkmal übertraf erst das deutsche Erfolgsduo Tobias Wendl und Tobias Arlt. Von 2014 bis 2026 holten sie – mit der erst 2014 eingeführten Teamstaffel – acht Medaillen bei vier Olympia-Teilnahmen. Am Vermächtnis von Bonsack, der am 5. März 2023 verstarb, ändert aber auch das nichts.
Im Zentrum deutsch-deutscher Aufregung
Bonsack gehörte seinerzeit zu den größten Rodlern überhaupt – und damit zu den größten Sportlern des Landes. 1972 führte er die Mannschaft als Fahnenträger bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Sapporo ins Stadion, vier Jahre zuvor durfte er die DDR-Flagge bei der Schlussfeier tragen. Abseits von Olympia konnte Bonsack ebenso große Erfolge verbuchen: Zwischen 1963 und 1970 holte er sechs Medaillen bei Weltmeisterschaften.
Besonders in Erinnerung blieb Bonsack aber auch als Mitglied des ersten eigenständigen DDR-Teams bei Olympischen Spielen 1968, das sich vor allem mit Athletinnen und Athleten aus der Bundesrepublik Deutschland duellierte. Denn im Rodeln, der Sportart mit den größten Medaillenhoffnungen der DDR, kam es zu einem unrühmlichen Ende, das als „Kufenskandal von Grenoble“ in die Sportgeschichte einging.
Zunächst erfüllten Bonsack und Köhler mit Silber und Bronze die Erwartungen. Dann schien bei den Frauen alles auf einen noch größeren Erfolg hinauszulaufen. Nach zwei der vier Läufe führten Ortrun Enderlein und Anna-Maria Müller, Angela Knösel lag als Vierte knapp hinter der Italienerin Erika Lechner.
Für die entscheidenden Läufe beantragte der westdeutsche Mannschaftsleiter Richard Hartmann aber eine Kontrolle der Kufen-Temperatur, unter der Behauptung, dass die DDR-Rodlerinnen mit beheizten Kufen ins Rennen gegangen seien.
Das darauffolgende Urteil sorgte für einen handfesten Skandal und hallte noch lange nach: Alle drei DDR-Athletinnen wurden disqualifiziert, Lechner zur Siegerin erklärt, dahinter folgten Christa Schmuck und Angelika Dünhaupt aus der BRD. DDR-Offizielle sahen darin eine gezielte Aktion gegen die erstmals eigenständig antretende Mannschaft.
Bonsack ist Teil der Hall of Fame
Bonsack blieb dem Rennrodeln dennoch auch nach dem Ende seiner aktiven Karriere eng verbunden. Nach der politischen Wende zog er 1990 nach Österreich und feierte 1992 als Trainer bei den Olympischen Spielen in Albertville vier Medaillen mit seinen Schützlingen.
Von 1981 bis 1998 war er zudem in verschiedenen Funktionen für den Internationalen Rodelverband (FIL) tätig.
Sein Engagement im Verband war weitreichend: 1985 wurde Bonsack zum zweiten Vizepräsidenten, 1989 übernahm er das Amt des Vizepräsidenten für Technik, und 1994 leitete er als Vorsitzender die technische Kommission. 2004 nahm ihn die FIL als eines der ersten Mitglieder in die Hall of Fame auf.