Biathlon>

Biathlon-Weltcup in Östersund: Franziska Preuß auf den Spuren von Magdalena Neuner

Wo Preuß Neuner schon voraus ist

Franziska Preuß startet in Östersund hochmotiviert in den Winter. Einen sportlichen Makel hat sie noch zu tilgen. Im Privatleben setzt sie klare Prioritäten.
Als Aufsteigerin des Jahres bekam Biathletin Franziska Preuß im September die Goldene Henne, einen deutschen Publikums- und Medienpreis, verliehen
Als Aufsteigerin des Jahres bekam Biathletin Franziska Preuß im September die Goldene Henne, einen deutschen Publikums- und Medienpreis, verliehen
© DPA Picture-Alliance
Andreas Kloo
Franziska Preuß startet in Östersund hochmotiviert in den Winter. Einen sportlichen Makel hat sie noch zu tilgen. Im Privatleben setzt sie klare Prioritäten.

Wer wissen will, wie Biathletinnen ticken, muss fragen, was sie im Sommer gemacht haben.

Miriam Gössner und Laura Dahlmeier beispielsweise kletterten zusammen aufs Matterhorn. Franziska Preuß dagegen blieb auf dem Boden, in jeder Hinsicht.

Im vergangenen Winter feierte Preuß zwar ihre ersten großen Erfolge: Staffel-Gold und Silber im Massenstart bei der WM, dazu die kleine Weltcup-Kugel im Massenstart.

Doch von Starallüren ist bei ihr noch nichts zu spüren.

Noch immer das nette Mädchen von nebenan

Das zeigt eine Begegnung bei einem Sponsorentermin im Bierzelt in Erding.

Umringt von TV-Kameras und Fotografen erblickt Preuß ein ihr bekanntes Gesicht, eine Bedienung mit Masskrügen in der Hand. Sie läuft zu der jungen Dame hin und umarmt sie.

Wie sich herausstellt, ist es die Nachbarin aus ihrem Heimatdorf Albaching.

Für die Bedienung ist Preuß nicht die Top-Biathletin, sondern das nette Mädchen von nebenan.

Heimat als Kraftspender

Für Preuß sind solche Begegnungen im Sommer immens wichtig: "Mir tut es immer gut, wenn ich heimkomme zur Familie, mit meinen Freundinnen was mache", erzählt die Staffelweltmeisterin im Gespräch mit SPORT1.

"Wir sind auch nur Mädls und haben ein normales Leben. Mir ist das auch sehr wichtig, weiter ein normales Leben zu führen", betont sie.

Mit ihrer bodenständigen Art erinnert Preuß stark an ihre berühmte Vorgängerin Magdalena Neuner.

Parallelen zu Magdalena Neuer

Gerade im Sommer versucht sie sich neben den Trainingslagern auch Zeit zu nehmen für ihre Freundinnen.

Termine wie das Weinfest in Wasserburg am Inn im Juli, wo sie zur Schule ging, streicht sie sich deshalb rot im Kalender an.

Preuß scheint da sogar schon ein Stück weiter zu sein als Neuner im gleichen Alter.

Nach den ersten großen Erfolgen prasselte derart viel auf die heutige Rekordweltmeisterin ein, dass Neuner kurzzeitig überfordert war.

Traum vom ersten Weltcupsieg

Die öffentliche Aufmerksamkeit war so sprunghaft angestiegen, dass von einem normalen Leben keine Rede mehr sein konnte.

Das war auch einer der Gründe, warum Neuner ihre Karriere schon im Alter von 25 Jahren beendete. Sie wollte wieder ein normales Leben führen, wollte wieder das Mädchen von nebenan sein.

Sportlich hinkt der Vergleich zwischen Preuß und Neuner noch. Zwar hat Preuß nun auch ihre ersten großen Trophäen und Medaillen im Schrank stehen.

Ein Weltcupsieg blieb der Oberbayerin aber bislang verwehrt. Zwei zweite Plätze im Massenstart und ein dritter Platz in der Verfolgung waren bislang ihre besten Ergebnisse.

Saisonauftakt in Östersund

Vom Traum vom ersten Weltcupsieg will sich Preuß aber nicht unter Druck setzen lassen: "Ich habe einfach gelernt, wenn ich mir feste Ziele stecke, dann funktioniert es nicht", sagt sie.

Was nicht heißt, dass sie in diesem Winter nicht Gas geben will. Sofern sie sich von ihrer Erkältung erholt hat, startet sie am Donnerstag (17.15 Uhr im LIVETICKER) in die Saison.

"Ich bin noch motivierter, ich hatte so viele positive Erlebnisse, da merkt man dann, wofür man trainiert, wenn man ganz oben auf dem Podest steht", sagt sie zu ihrer Motivationslage.

Denn für einen Tag vom Mädchen von nebenan zur Heldin zu werden, ist auch kein schlechtes Gefühl.