Die deutschen Biathletinnen haben bei einem spannungsgeladenen Heim-Weltcup in Ruhpolding eine durchwachsene Staffel-Generalprobe für die Olympischen Spiele hingelegt. Das Quartett mit Vanessa Voigt, Julia Tannheimer, Janina Hettich-Walz und Franziska Preuß belegte beim furiosen Sieg der Norwegerinnen lediglich Rang sechs.
Bitterer Tiefschlag für Preuß vor Olympia: "Schon sehr, sehr bitter"
Preuß patzt: „Ist schon sehr bitter“
Die Chance auf das Heim-Podium verschoss ausgerechnet Schlussläuferin Preuß, die beim finalen Stehendanschlag in die Strafrunde musste.
Preuß hadert nach Strafrunde: „Tut mir wahnsinnig Leid“
Folgerichtig zeigte sich die Gesamtweltcup-Siegerin des Vorjahres im Ziel ziemlich zerknirscht. Insbesondere das Stehendschießen macht der Deutschen doch ein paar mehr Sorgen.
„Ich weiß, dass ich gerade meine Probleme habe und wollte unbedingt ein positives Ergebnis haben, weil ich mir viele Gedanken gemacht habe, was ich ändern kann. Dann ist es schon sehr, sehr bitter, wenn man vor dem Heim-Publikum in die Strafrunde abbiegen muss“, erklärte sie in einer Medienrunde unter anderem SPORT1.
Preuß hatte sich auch von ihren Gegnerinnen zu einem schnellen Schießen hinreißen lassen. „Es war so eine Geschwindigkeit im Schießen. Ich stell mich hin und neben mir höre ich es schon scheppern. Da weiß ich auch, dass ich nicht ewig rumzaubern kann, sonst sind die so oder so weg. So war es aber natürlich das bitterste Ergebnis“, analysierte sie.
Preuß verfehlte zunächst zwei der fünf Scheiben und konnte dann nur einen von drei Nachladern ins Ziel bringen.
„Das Problem sind die Nachlader. Ich habe das so ein bisschen im Kopf. Die fühlen sich an wie ein Gegner, dabei sind sie eine Hilfe. Sobald ich Nachlader brauche, entsteht so ein Tonus in meinem Körper und ich kann das nicht ablegen. Dann wackelt es nur noch. Ich habe etwas probiert mit Gewichtsverlagerung, aber das hat auch nichts geholfen. Dann steht man hilflos da und weiß, es wird echt schwierig. Das ist bitter!“,
Zwar müsse sie das Rennen „erstmal verdauen“, jedoch geht ist der Fokus schon bei den nächsten Wettbewerben.
„Es wäre schön, wenn ich wieder das Selbstvertrauen hätte, dass es am Schießstand kein Hexenwerk ist, sondern dass es mal wieder selbstverständlich ist - mit Gelassenheit und Überzeugung.
Entfesselnd laufende Kirkeeide holt Sieg für Norwegen: Frankreich patzt
Während dem deutschen Quartett am Ende knapp eine Minute auf das Treppchen fehlte, trumpfte die Norwegerin Maren Kirkeeide auf der Schlussrunde auf und fing die Italienerin Lisa Vitozzi auf der Zielgeraden noch ab.
„Schauen sie sich an, was hier passiert. Boah ist die Kirkeeide stark“, kommentierte Volker Grube den finalen Showdown. „Die schneidet ihr noch den Weg ab, da ist Vitozzi überhaupt nicht begeistert“, so der ZDF-Kommentator als die Norwegerin vor der Italienerin in den mittleren Sektor der Zielgeraden einbog.
Ein Regelverstoß lag aber nicht vor. „Unglaubliches Rennen von Kirkeeide. Das sind diese Wunder, die immer mal wieder passieren“, zeigte sich Grube begeistert.
Den dritten Platz sicherte sich die Staffel aus Schweden, die kurz auf der Schlussrunde in Person von Hanna Öberg noch an Frankreichs Julia Simon vorbeiziehen konnte. Ein bitterer Moment für die eigentlich favorisierten Bleues.
Starke Leistungen von Voigt und Tannheimer
Für das deutsche Quartett hatte der Tag eigentlich gut angefangen. Startläuferin Vanessa Voigt blieb auch bei ihrem dritten Staffel-Einsatz des Winters ohne Fehlschuss, übergab mit elf Sekunden Rückstand als Sechste.
Tannheimer machte trotz eines Liegend-Nachladers ein überragendes Rennen und schloss nach einem fehlerfreien Stehendschießen die Lücke nach ganz vorne.
„Ich wollte mich einfach auf die Scheiben konzentrieren und das links und rechts von mir ausblenden“, verriet sie im ZDF-Interview ihre Herangehensweise. „Ich habe mich gut gefühlt und wir hatten mega Ski“, richtete sie zudem ein Lob an die Techniker.
Doch Hettich-Walz verlor durch insgesamt vier Extra-Schüsse wieder etwas den Anschluss, übergab mit einem Rückstand von 13 Sekunden. „Das waren natürlich einige Nachlader zu viel“, zeigte sie sich selbstkritisch.
Preuß versagten dann im Sechskampf ums Podium beim letzten Schießen die Nerven.
Deutschland nach Vorjahres-Sieg geschlagen: Tannheimer bleibt optimistisch
Im Vorjahr hatte Deutschland in der Staffel von Ruhpolding in der Besetzung Stefanie Scherer, Selina Grotian, Sophia Schneider und Preuß noch einen Sieg gefeiert.
Dennoch macht die über weite Strecken gezeigte Leistung in der letzten Staffel vor den Winterspielen Mut. „Wenn wir alle abliefern, sind wir Kandidaten fürs Podium“, sagte Tannheimer: „Ich denke, da ist was drin.“
Nach dem Dämpfer jagt Preuß beim vorletzten Weltcup vor Olympia nun das erste Einzelpodest des Winters. Chancen dazu gibt es im Sprint am Freitag (14.30 Uhr) sowie in der Verfolgung am Sonntag (12.30 Uhr).
Die Männer um Philipp Nawrath greifen am Donnerstag (14.30 Uhr) mit ihrer Staffel beim Heimevent erstmals ins Renngeschehen ein, darauf folgen am Samstag (14.30 Uhr) ebenfalls der Sprint sowie zum Abschluss das Jagdrennen am Sonntag (15.00 Uhr/alles ZDF und Eurosport).