Im Eisschnelllauf-Zoff soll jetzt „Schluss mit lustig“ sein

von SID
Im Eisschnelllauf-Zoff soll jetzt „Schluss mit lustig“ sein

Der Streit um die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft gipfelt am Samstag in einer Mitgliederversammlung in Dresden. Doch wird Präsident Matthias Große dort wirklich abgewählt?

Das Schattenkabinett ist benannt, ein Herausforderer für Matthias Große gefunden – der Showdown im Zoff um die Deutsche Eisschnelllauf– und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) steht kurz bevor.

Der Landesverband Thüringen (TERV) will den umstrittenen Präsidenten nach den Querelen der vergangenen Monate mit aller Macht loswerden. Doch es scheint offen, ob Große bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung in Dresden tatsächlich abgewählt werden wird.

Eisschnelllauf-Streit: Wird Große gestürzt?

Vor dem mit Spannung erwarteten Verbandstag, den die DESG am Samstag in der Kunsthalle eines Vier-Sterne-Hotels unweit des Elbufers anberaumt hat, gibt sich der TERV fest entschlossen. „Natürlich geht es auch um Geld und Strukturen, aber ganz oben steht das Thema Verbandskultur. Aus meiner Sicht wird am Samstag darüber entschieden, ob wir so wie bisher weiter miteinander umgehen wollen. Oder ob wir es mal normal und menschlich versuchen wollen“, sagte TERV-Vizepräsident Peter Rüberg dem SID.

Seine Kandidaten brachte der TERV am Dienstag in einer Videokonferenz mit den Vertreterinnen und Vertretern der DESG-Mitgliedsverbände in Stellung. Im Falle einer Neuwahl des Präsidiums soll Andreas Minschke, Ministerialbeamter in Thüringen, als Präsident kandidieren. Für den Posten des Vizepräsidenten Eisschnelllauf ist Rüberg angedacht. Um das Amt des Schatzmeisters soll sich Alexander Altendorf-Schöpke bewerben.

Andreas Minschke steht als Nachfolger von Matthias Große parat
Andreas Minschke steht als Nachfolger von Matthias Große paratAndreas Minschke steht als Nachfolger von Matthias Große parat© IMAGO/foto2press

Zudem hält der TERV den Verbleib von Christoph Zepernick auf der Position des Vizepräsidenten Shorttrack für „notwendig“ – darauf wiederum reagierte am Mittwoch die DESG, in einer Verbandsmitteilung wurde Zepernick zitiert: Er habe „zu keinem Zeitpunkt“ seine Zustimmung „zu einer Zusammenarbeit mit den präsentierten Kandidaten gegeben“.

DEINE MEINUNG

Ein formaler Punkt ist heikel

Die Thüringer jedenfalls wollen nun mit einem „Zehn-Punkte-Startprogramm für die DESG“ überzeugen. „Diese Strukturfragen-Diskussion und der Umgang mit den Sportlern hat mich bewogen, mit meinen Freunden aus dem Thüringer Landesverband zu sagen, jetzt ist Schluss mit lustig, wir stellen den Kandidaten. Und da habe ich mich bereiterklärt“, sagte Minschke im Interview mit der ARD-Sportschau zu den Beweggründen seiner Kandidatur. Der Streit zwischen dem TERV und Aktiven auf der einen und der DESG-Spitze auf der anderen Seite dauert seit dem vergangenen Sommer an.

Im Kern geht es um die Schließung des Bundesstützpunkts in Erfurt. Eine neue Athletenvereinbarung sollte festschreiben, dass sich einige Top-Eisschnellläufer aus Thüringen, darunter auch der mehrmalige Junioren-Weltmeister Finn Sonnekalb, den anderen Stützpunkten in Inzell und Berlin anschließen. Jene hatten die Athleten „ausdrücklich unter Protest“ unterzeichnet. Hätten sie dies nicht getan, hätten sie Nachteile für Kaderstatus und Förderung befürchten müssen. „Wir haben hier einen Fundus an jungen Sportlerinnen und Sportlern. Denen müssen wir eine Perspektive geben. Wir können sie nicht von einem Verband, der als One-Man-Show geführt wird, erpressen lassen“, sagte Minschke.

Für das Anliegen der Thüringer, so Rüberg, habe er von den Mitgliedern „durchaus Verständnis und Zustimmung“ gespürt. Vor einer Neubesetzung stünde jedoch die Abwahl von Große und den übrigen Präsidiumsmitgliedern – und hier wird es heikel. Denn der Abwahlantrag des TERV gegen das Präsidium um Große steht aktuell nicht auf der Tagesordnung. Der TERV stellte folglich einen Eilantrag beim Amtsgericht Traunstein, um die Zulassung zu erwirken. So oder so entscheidet in letzter Konsequenz jedoch das Votum der Mitglieder, welche Anträge bei der Versammlung wirklich auch behandelt werden.