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Ski Alpin: Dave Ryding mit Sensation in Kitzbühel - Trainer mit Tränen-Kollaps im TV

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Ski Alpin: Dave Ryding mit Sensation in Kitzbühel - Trainer mit Tränen-Kollaps im TV

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Englische Sensation in Kitzbühel!

Englische Sensation in Kitzbühel!

Wahnsinns-Coup im österreichischen Alpin-Mekka. Dave Ryding feiert mit 35 Jahren den ersten Weltcup-Erfolg eines englischen Ski-Rennläufers und sorgt für ein Meer aus Emotionen.
Ein Mitglied des Trainerteams von Dave Ryding brach in Kitzbühel in Tränen aus
Ein Mitglied des Trainerteams von Dave Ryding brach in Kitzbühel in Tränen aus
© ARD
SID
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von SID

Linus Straßer legte den Kopf in den Nacken und schrie seinen Frust über diesen vermaledeiten Ganslernhang in das Schneetreiben von Kitzbühel. „Du Schweinsberg!“ Platz 14 beim Sensationssieg des Briten Dave Ryding beim Klassiker in der Gamsstadt - „ich bin zu sicher gefahren, habe zu viel gebremst“, klagte Straßer.

Im Zielraum haderte er noch lange mit seinem viel zu verhaltenen Auftritt auf dem „mit Abstand schwierigsten Hang im Weltcup“. Doch als Ryding durch den Flockenwirbel ins Tal tanzte, merkte auch der Münchner auf.

Der 35-Jährige aus dem nordenglischen Städtchen Chorley nutzte das Favoritensterben und fuhr als erster Brite in 45 Jahren Weltcup zum Sieg - und das am „heiligen Berg“ der Ski-Nation Österreich.

Ryding erster britischer Sieger

„Ich bin 35, habe nie aufgehört, es zu versuchen, jetzt habe ich es geschafft. Was für eine fantastische Reise - auch wenn es nicht immer in die richtige Richtung war“, sprach ein sichtlich bewegter Ryding ins ARD-Mikrofon. Und weiter: „Ich weiß überhaupt nicht, was ich sagen soll. Ich habe meine Stimme schon verloren.“

Ryding, der vor fünf Jahren in Kitz hinter dem rot-weiß-roten Nationalhelden Marcel Hirscher schon einmal Zweiter war und zwei weitere Podestplätze eingefahren hat, rührte mit seinem Husarenritt nicht nur seinen früheren Konkurrenten Felix Neureuther zu Tränen. „Ich habe ein bisschen Pippi in den Augen“, sagte der Experte, „das ist gewaltig und emotional.“

Rydings Trainer Jai Geyer warf sich weinend in den Schnee und schluchzte: „Er hat‘s geschafft! Ich kann es nicht glauben!“ 100.000 Euro Prämie und die goldene Gams gab es für den historischen Triumph, doch Ryding hatte ein Problem: Wo nur sollte er feiern? „Die Kneipen machen ja früh zu“, sagte er angesichts der Corona-Sperrstunde um 22 Uhr.

Dave Ryding feierte in Kitzbühel einen historischen Sieg
Dave Ryding feierte in Kitzbühel einen historischen Sieg

Deutsche Fahrer mit Problemen

Die deutschen Läufer hatten andere Sorgen. Von sechs Startern kam neben Straßer nur Anton Tremmel als 17. in die Punkte, doch auch er fuhr dort zu zaghaft: „Mir hat ein bisschen der Mut gefehlt“, gab er nach seinem besten Saisonergebnis zu. Dabei ist es ja „nichts Neues“, dass der Ganslernhang eine große Herausforderung darstellt, wie Alpinchef Wolfgang Maier meinte.

Kommen noch dichtes Schneetreiben und, wie diesmal im Finale, eine knifflige Kurssetzung hinzu, scheitern selbst die Top-Stars. Von den vier Besten nach dem ersten Lauf kam keiner in die Top 10, elf von 30 Finalisten schieden aus. Ryding fuhr von Platz sechs nach vorne und lag am Ende vor den Norwegern Lucas Braathen und Henrik Kristoffersen.

Straßer verbesserte sich um drei, Tremmel sogar um 13 Plätze. Beide einte die Erkenntnis, dass die jüngsten Ausfälle ihnen die Angriffslust genommen hatten. Manchmal, meinte Straßer, „muss man ein Rennen taktisch fahren und ein Resultat runterbringen“. Und so sei bei ihm „zu viel Hirn“ dabei gewesen.

Neureuther vermisste ein wenig „Renn-Cleverness“. Eine letzte Chance, sich diese vor Olympia in Peking (4. bis 20. Februar) zu erarbeiten, hat der 29-jährige Straßer am Dienstag beim „Night Race“ in Schladming.