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Eine deutsche Ski-Sensation aus dem Nichts

Eine deutsche Sensation aus dem Nichts

Heute vor sechs Jahren starb Heidi Biebl, die mit 19 zur ersten deutschen Abfahrts-Olympiasiegerin wurde. Materiell hatte sie davon nicht viel.
Heidi Biebl ein Jahr nach ihrem Olympiasieg 1960
Heidi Biebl ein Jahr nach ihrem Olympiasieg 1960
© IMAGO/Horstmüller
Heute vor sechs Jahren starb Heidi Biebl, die mit 19 zur ersten deutschen Abfahrts-Olympiasiegerin wurde. Materiell hatte sie davon nicht viel.

Der 20. Februar 1960 ist der Tag, der für immer mit Heidi Biebl in Verbindung gebracht werden wird.

Drei Tage nach ihrem 19. Geburtstag fuhr das junge Ski-Talent damals in Squaw Valley praktisch aus dem Nichts zum Olympiasieg in der Abfahrt.

Es war ein historischer Moment für die Wintersport-Nation: Vor Rosi Mittermaier, vor Marina Kiehl, vor Katja Seizinger war Biebl die Erste, die in dieser Disziplin olympisches Gold für Deutschland holte. Von einem Tag auf den anderen war Biebl - heute vor sechs Jahren verstorben - ein Star.

Heidi Biebl: Eine Olympia-Sensation aus dem Nichts

Biebl, geboren am 17. Februar 1941, wuchs im beschaulichen Oberstaufen im Allgäu in bescheidenen Verhältnissen auf. Ihren Vater verlor sie im Zweiten Weltkrieg, ihre Mutter brachte ihr das Skifahren bei, dem sie anfangs parallel zu ihrer Lehre in einer Skifabrik nachging.

„Ich musste mir vieles hart erkämpfen“, sagte sie vor ihrem 80. Geburtstag in einem Gespräch mit dem SID. Sie schlug den Rat aus, Abitur zu machen, weil sie darin eine zu große Ablenkung vom Sport sah.

Dass sie es bis zum Sensations-Gold schaffen würde, ahnte aber auch sie nicht - nach der Triumphfahrt von Squaw Valley wusste Biebl nicht, wie ihr geschah.

Die Hymne bei der Siegerehrung? „Ich habe die gar nicht gekannt“, erinnerte Biebl sich. Materiell hatte sie auch nicht viel von ihrem größten Erfolg. „Ich war einfach zu unerfahren und konnte die Medaille nicht vermarkten“, sagte sie bedauernd.

Biebl wurde von ihrer Skifirma eine Armbanduhr angeboten: „Aber ich hatte schon eine.“ Sie bekam stattdessen den Führerschein bezahlt.

Heidi Biebl hörte 1966 nach Streit früh auf

Bei Olympia 1964 in Innsbruck schaffte Biebl zwei vierte Plätze in der Abfahrt und im Slalom. Zwei Jahre später beendete sie ihre Karriere, nachdem sie wegen angeblich zu schlechter Trainingsleistungen nicht für die WM aufgestellt wurde - Meinungsverschiedenheiten mit dem DSV trugen ihren Teil zum unwürdigen Abgang bei: „Ich war zu undiplomatisch“, blickte Biebl zurück.

Nach der aktiven Karriere betrieb Biebl eine Ski-Schule und ein Hotel, war auch TV-Kommentatorin.

In ihren letzten Lebensjahren ging es Biebl nach einer Venenerkrankung gesundheitlich schlechter, am 20. Januar 2020 verstarb sie nach einer deswegen nötig gewordenen Operation.

Noch zu Lebzeiten - an Biebls 75. Geburtstag - wurde ihr Vermächtnis dauerhaft verewigt: Ihr Heimatort widmete ihr den Heidi-Biebl-Weg.