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Ein unvergessenes Idol - als Sportlerin und als Mensch

Ein unvergessenes Idol

Nicht nur durch die späte Krönung ihrer relativ kurzen Ski-Alpin-Karriere manövrierte sich „Gold-Rosi“ Rosi Mittermaier nachhaltig in die Herzen der Sportnation. Heute vor drei Jahren starb die Mutter von Felix Neureuther nach einer schweren Erkrankung.
Rosi Mittermaier gewann bei den Olympischen Spielen 1976 drei Medaillen
Rosi Mittermaier gewann bei den Olympischen Spielen 1976 drei Medaillen
© IMAGO/Sven Simon
Nicht nur durch die späte Krönung ihrer relativ kurzen Ski-Alpin-Karriere manövrierte sich „Gold-Rosi“ Rosi Mittermaier nachhaltig in die Herzen der Sportnation. Heute vor drei Jahren starb die Mutter von Felix Neureuther nach einer schweren Erkrankung.

Sie war eine deutsche Jahrhundert-Athletin, die erste Wintersportlerin, die in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen wurde. Sie zählte trotz ihrer kurzen Karriere zu den berühmtesten und beliebtesten deutschen Sportlerinnen überhaupt.

Nicht zuletzt wegen ihrer herzlichen Art war Ski-Alpin-Legende Rosi Mittermaier eine der populärsten Persönlichkeiten der Sportnation. Umso größer war nach ihrem Tod heute vor drei Jahren die Trauer um die Mutter von Felix Neureuther.

Rosi Mittermaier: Von der Ungekrönten zur „Gold-Rosi“

In ihrer sportlichen Laufbahn gewann die am 5. August 1950 in München geborene Mittermaier alles, was man im Ski-Sport gewinnen konnte.

Mittermaier, Tochter eines Kaufmanns und einer Köchin, wurde hineingeboren in eine Familie, die sich dem Skisport verschrieben hatte. Schon Mittermaiers neun Jahre ältere Schwester Heidi gewann mehrere deutsche Meistertitel und war WM- und Olympia-Teilnehmerin, wie später auch die drei Jahre nach Rosi geborene Evi Mittermaier.

Rosi Mittermaier - die auch eine Zwillingsschwester hatte, die aber bei der Geburt verstarb - entwickelte sich zum erfolgreichsten Mitglied der Ski-Familie - wenngleich es bis zu den ganz großen Triumphen eine Weile dauerte.

Olympia 1976 als Höhepunkt

Ihr Debüt in internationalen Wettbewerben feierte sie in der Saison 1966/67 und holte 1969 ihren ersten Weltcupsieg im Slalom. Auch anschließend gewann sie immer wieder Weltcuprennen, aber bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen fuhr sie regelmäßig an den Medaillen-Rängen vorbei. Sie habe immer wieder mit Konzentrationsschwächen zu kämpfen gehabt, gab Mittermaier nach ihrer Karriere zu.

Doch dann kam die Saison 1975/76, die für die damals 25-Jährige alles ändern sollte. Mittermaier gehörte mit 25 damals schon zum „alten Eisen“, den nächsten Schritt trauten ihr viele nicht mehr zu. Ein Umstand, der sie motivierte, es doch nochmal allen zu zeigen.

Erstmals in ihrer Karriere absolvierte Mittermaier - die selbst immer wieder betonte, dass verbissener Ehrgeiz ihr eigentlich immer fremd war - ein Sommertraining, um sich intensiver als gewohnt auf die Saison vorzubereiten. Es zahlte sich aus: Bei den Olympischen Spielen in Innsbruck gewann sie gleich die Goldmedaille in der Abfahrt, einer Disziplin, in der sie im Weltcup nie ein Rennen gewonnen hatte.

Dabei sollte es aber nicht bleiben. Auch im Slalom, ihrer Paradedisziplin, holte sie Gold und zusätzlich noch Silber im Riesenslalom. Nach diesem Erfolg wurde sie „Gold-Rosi“ getauft.

Damals zählten die Olympia-Medaillen gleichzeitig auch als WM-Medaillen, da die Olympiarennen zwischen 1948 und 1980 auch als Alpine Skiweltmeisterschaften galten. Dadurch gewann sie neben den automatischen Weltmeistertiteln in der Abfahrt und im Slalom sowie Silber im Riesenslalom auch noch zusätzlich den Titel in der nicht-olympischen Kombination, die sich aus den Ergebnissen der anderen drei Rennen zusammensetzte.

Mittermaier trat direkt nach ihrer besten Saison zurück

Für ihre besonderen Leistungen bei den Spielen durfte sie bei der Schlussfeier die deutsche Fahne tragen. Gleichauf mit der sowjetischen Skilangläuferin Raissa Smetanina hatte sie die erfolgreichste Medaillenbilanz aller Teilnehmer.

Einen Monat später krönte Mittermaier dann ihre Fabel-Saison und holte sich auch den Sieg im Gesamtweltcup. Zudem siegte sie auch im Slalomweltcup und im Kombinationsweltcup.

Spätestens jetzt war sie auf dem Höhepunkt ihres Schaffens angekommen. Doch statt jetzt nach weiteren Titeln zu streben, machte Mittermaier Schluss. Nur einen Monat nach dem Ende der Saison beendete sie ihre aktive Karriere. Insgesamt feierte sie zehn Siege und stand 41-mal auf dem Podest.

„So etwas wie die Miss Bundesrepublik“

Mittermaier wurde 1976 zur Sportlerin des Jahres gewählt und blieb trotz ihres frühen Rücktritts als populäre Sportpersönlichkeit präsent - durch TV- und Werbeauftritte und großes gesellschaftliches Engagement, oft im Verbund mit ihrem Ehemann und früheren Ski-Kollegen Christian Neureuther, den sie 1980 geheiratet hatte.

Ihre bodenständige, natürliche Art fernab aller Star-Allüren verschaffte Mittermaier dauerhaft große Sympathien. Reporter-Legende Herbert Riehl-Heyse umschrieb sie in der Süddeutschen Zeitung einst gar als „so etwas wie Miss Bundesrepublik“.

Mit Sohn Felix trat eines ihrer beiden Kinder auch in die großen Fußstapfen der Mutter und war lange Jahre Deutschlands bester Skifahrer. Mittermaier feuerte ihren Spross immer wieder an den Strecken an.

Tod Anfang 2023 nach schwerer Krebserkrankung

In ihrem letzten Lebensjahr erkrankte die vierfache Großmutter schwer an Krebs und starb am 4. Januar 2023 im Kreise ihrer Familie - eine Nachricht, die deutschlandweit für große Anteilnahme sorgte.

„Sie war nicht nur erfolgreiche Sportlerin, sondern Vorbild für alle von uns“, kondolierte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder: „Ihr Einsatz für ihre Mitmenschen, ihr großes Herz und ihre unvergessliche Zugewandtheit wird uns allen fehlen.“

Legenden-Kollege Markus Wasmeier ergänzte: „Wir haben einen fantastischen Menschen verloren. Rosi hatte ein Herz so groß wie ein Bus, sie war immer für jeden da - das war einzigartig. So einen Menschen findet man nicht wieder, sie hinterlässt eine riesige Lücke.“

Auch Laura Dahlmeier trauerte

Im SPORT1-Interview bekundete auch die inzwischen selbst tragisch verstorbene Biathlon-Legende Laura Dahlmeier, die wie Mittermaier in Garmisch-Partenkirchen gelebt hatte, ihre Betroffenheit: „Sie war ein toller, bodenständiger, lustiger, ehrlicher Mensch“, erinnerte sich Dahlmeier.

Mittermaiers Tod riss eine tiefe Lücke in die Familie Neureuther, die untereinander über die Generationen hinweg eng verbunden war und ist. „Wir sind eine Familie, die sich sehr, sehr nahesteht, Felix‘ Familie und meine Familie“, berichtete Felix Neureuthers Ehefrau Miriam Neureuther im Frühjahr 2024 bei SPORT1: „Wir haben alle sehr guten und sehr viel Kontakt miteinander, sehen uns eigentlich täglich.“

Rosi Mittermaier wird als Sportlerin und Mensch unvergessen bleiben.