Mit 38 Rennen bei den Männern und 37 Rennen bei den Frauen von Ende Oktober bis Ende März kommt der alpine Skiweltcup ohnehin schon üppig daher. Athleten, die in drei oder vier Disziplinen vertreten sind, erhalten kaum Regenerationsphasen.
Ski-Alpin: Weltcup vor krasser Revolution
Ski-Weltcup vor krasser Revolution
Offenbar plant die FIS jedoch, die Anzahl der Weltcups noch weiter zu erhöhen. „Das Ziel sind für die Frauen und Männer jeweils rund 45 bis 50 Saisonrennen, wenn es keinen Großanlass (WM oder Olympia) gibt“, erklärte FIS-Geschäftsführer Urs Lehmann im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Ab der Saison 2027/28 sollen die Veränderungen spürbar sein.
Dass Allrounder wie beispielsweise Emma Aicher, die alle Disziplinen fahren, so noch mehr an ihre Grenzen kommen würden, sieht er nicht als Problem an. „Wir müssen dabei vom Anspruch wegkommen, dass jede und jeder alle Rennen fährt“, machte Lehmann deutlich, der seinen Job als FIS-CEO erst vor 100 Tagen angetreten hatte.
Mehr Rennen geplant: Ski-Weltcup bald in Argentinien?
Doch wie möchte Lehmann überhaupt noch mehr Rennen im ohnehin schon engen Kalender unterbringen? „Andererseits soll der erste Teil der Saison verdichtet werden. Nach Sölden soll kein Loch von zwei rennfreien Wochen bestehen. Auch müssen wir die Rennen in den verschiedenen Disziplinen cleverer als zum Beispiel in dieser Saison verteilen“, schilderte er. Außerdem soll die Saison nach hinten um eine Woche verlängert werden.
Dies würde bedeuten, dass Weltcup-Orte gefunden werden müssen, die Anfang November oder Anfang April eine ausreichende Schneesicherheit garantieren. Eine Möglichkeit liege laut Lehmann in Argentinien, wo viele Nationen im Sommer zum Trainieren verweilen.
„Sie sehen das große Ganze nicht“
Lehmann verfolgt die Idee, dass der Skisport noch globaler und über die Wintermonate hinaus präsenter werden soll. „Alle, die fordern, dass es weniger Rennen geben soll, sehen das große Ganze nicht. Im Skirennsport wird acht Monate trainiert, aber nur während vier Monaten Rennen gefahren. Meine Vision - und da spreche ich nicht nur für den alpinen Bereich - ist, dass wir globaler werden. Der Wachstumsmarkt ist definitiv nicht in Europa, sondern in Asien und den USA“, führte er aus.
Sein Anspruch sei es, die veralteten Strukturen der FIS „so schnell wie möglich“ auf Vordermann zu bringen. Es müssen jedoch die nötigen Infrastrukturen geschaffen werden und letztlich vor allem die Athleten mitspielen, die in zahlreichen Wintersportarten ohnehin an der Belastungsgrenze agieren.