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Skispringen: Norwegen enttäuscht - Granerud und Co. nur Statisten

Norwegens Presse attackiert Stars

Eigentlich sind die norwegischen Skispringer das Maß der Dinge. Doch in der bisherigen Saison läuft es noch nicht rund. Symbol der Krise des kriselnde Top-Star.
Seit 1950 gibt es das Skifliegen. Bis heute übertreffen sich die Protagonisten mit ihren weiten Sprüngen. Rekorde wurden in all den Jahren immer wieder pulverisiert.
Eigentlich sind die norwegischen Skispringer das Maß der Dinge. Doch in der bisherigen Saison läuft es noch nicht rund. Symbol der Krise des kriselnde Top-Star.

Sieg bei der Vierschanzentournee und in der Raw Air Tour, Platz eins im Gesamtweltcup, Rang zwei in der Nationenwertung und WM-Silber - die vergangene Skisprung-Saison verlief für die norwegische Mannschaft fast perfekt.

Entsprechend groß waren die Ansprüche für die anstehende Saison. Eine Wiederholung wurde in der so erfolgsverwöhnten Wintersport-Nation fest angepeilt. Nach drei Springen ist die Stimmung allerdings im Keller.

„In den drei Wettkämpfen, die wir bisher hatten, habe ich den Kopf oft gegen die Wand geschlagen“, bilanzierte Halvor Egnar Granerud nach dem Springen in Lillehammer gegenüber dem Sender NRK.

Mit dieser Einschätzung dürfte er nicht alleine sein. Schließlich stehen für ihn und seine Teamkollegen lediglich zwei zehnte Plätze als Bestleistung zu Buche.

Schwache Norweger werden in der Heimat verspottet

Dementsprechend hart ging die norwegische Presse mit den Athleten ins Gericht. „Fiasko für Norwegen“ titelte das Dagbladet, „Norweger scheitern auf der Schanze“ schrieb die Verdens Gang.

Das ist wenig verwunderlich, denn hinter den Skandinaviern liegt der schlechteste Saisonauftakt seit 2014 in Willingen. Während damals Ole Marius Ingvaldsen als 18. die beste Platzierung gelang, schaffte es eben jener Granerud in finnischen Ruka immerhin auf Position 16.

„Ich mache mir keine Sorgen, aber ich bin enttäuscht“, meinte Nationaltrainer Alexander Stöckl bei Viaplay nach dem ersten Saisonauftritt seiner Schützlinge, von denen nur drei den Sprung unter die besten 30 schafften.

Norweger mit zu wenig Training „auf Schnee“?

Doch wirklich viel Besserung ist seither nicht eingetreten. Zwar qualifizierten sich in den zwei folgenden Springen immerhin vier seiner sechs Springer für den zweiten Durchgang, doch in der absoluten Spitze suchte man sie vergeblich.

So befindet sich Granerud als bester Norweger auf Rang 15 im Gesamtweltcup - sein Abstand auf den führenden Stefan Kraft aus Österreich beträgt bereits 243 Punkte.

Auch in der Nationenwertung liegen sie schon fast abgeschlagen hinter der Konkurrenz. Als Vierte haben sie über 550 Punkte Rückstand auf die zweitplatzierte Mannschaft aus Deutschland. „Ich habe keine Ahnung, woran es liegt“, sagte Johann Andre Forfang nach dem ersten Weltcup-Wochenende.

„Ich denke, sie brauchen mehr gute Wiederholungen auf Schnee“, meinte hingegen Silje Opseth. Eine Aussage, die verwundert - schließlich dürften die Springer aufgrund der geografischen Lage am ehesten auf dem weißen Untergrund trainiert haben.

Nach Platz 15: Experte kritisiert Granerud

Doch wirklich geholfen hat es nicht. Auch in der Heimat überzeugten sie zu selten. Lediglich Magnus Lindvik zeigte sich als Zehnter in Lillehammer verbessert, nachdem er in Finnland einmal den zweiten Durchgang verpasst hatte.

Mit Granerud als 15., Youngster Kristoffer Eriksen Sundal auf Rang 16 und Forfang auf Position 17 gelang es dem Team zudem erstmalig in dieser Saison, mit vier Springern unter die Top 20 zu kommen.

„Es fühlte sich an wie der erste gute Sprung des Winters“, zeigte sich Tournee-Sieger Granerud nach dem Satz über 98,5 Meter im zweiten Durchgang im NRK zufrieden, „ich konnte die Kraft auf die Kante des Sprungs legen und hatte eine gute Geschwindigkeit.“

Und dennoch: Wirklich gefährlich konnte er den Top-Leuten somit nicht werden. „Er liefert in diesen Tagen nicht seine Qualität ab“, kritisierte Skisprung-Experte Johan Remen.

Bitterer Abend für Tande

Richtig bitter verlief der Samstagabend in seiner Heimat hingegen für Daniel Andre Tande. Der Routinier des Teams verpasste erstmalig den zweiten Durchgang - und hatte dabei mächtig Pech mit den schwierigen Windbedingungen.

Entsprechend sauer war er nach dem Springen. „Ich bin verzweifelt und frustriert. Bei den Bedingungen, unter denen ich von der Schanze geschickt werde, ist das nicht möglich“, polterte der 29-Jährige im Anschluss und ergänzte: „Als ich von der Schanze sprang, fühlte es sich an, als würde etwas meine vorderen Skier packen.“

Dabei wollte er im 200. Wettkampf seiner Karriere eigentlich wieder vorne angreifen.

So aber wurde Tande aufgrund seines Absturz einmal mehr zum Sinnbild der Krise in der norwegischen Mannschaft. Das Potential ist zweifelsohne vorhanden, nur abgerufen wird es bisher zu selten.