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Skiflug-WM: Riesen-Aufregung um Dominator

„Noch nie erlebt“: Absurde Szenen

Vor dem Sprung von Marius Lindvik im Team-Wettbewerb bei der Skiflug-WM rutschen beide Ski des Slowenen unkontrolliert die Schanze herunter.
Beim Skispringen leben die Athleten den Traum vom Fliegen - insbesondere auf den ganz großen Schanzen. Inzwischen sind Sprünge auf weit über 200 Meter möglich. SPORT1 zeigt die Entwicklung des Weltrekords.
Vor dem Sprung von Marius Lindvik im Team-Wettbewerb bei der Skiflug-WM rutschen beide Ski des Slowenen unkontrolliert die Schanze herunter.

Ein durch die Luft fliegender Ski des neuen Einzel-Weltmeisters Domen Prevc hat Titelverteidiger Slowenien bei der Skiflug-WM in Oberstdorf die Siegchance im Teamwettbewerb gekostet.

Vor dem Sprung des Norwegers Marius Lindvik rutschten beide Ski des Slowenen unkontrolliert die Schanze herunter, einer flog sogar etwa 50 Meter durch die Luft und stoppte erst im Auslauf.

„Und jetzt? Ach du je. Schockmoment“, reagierte ARD-Kommentator Tom Bartels geschockt. Experte Sven Hannawald ergänzte: „Da kommt ein Ski geflogen. War der vielleicht sogar von Domen?“

Wenig später war sich Hannawald dann sicher, dass es die Skier des Skisprung-Dominators waren: „Der kam von hinten und hat sich irgendwie gelegt. Es gibt Bilder, die gibt es nicht.“

Skispringen: Prevc darf im ersten Durchgang nicht antreten

„Man ist fast schon fassungslos. Das habe ich in all den Jahren Skispringen noch nie gesehen. Wir wissen nicht, ob er es selber verschuldet hat, aber wenn er es selbst vermasselt hat: Ist es dann überhaupt in Ordnung, wenn er springt?“, fragte sich Kommentator Bartels.

Getroffen wurde niemand. Wenig später stand dann aber fest, dass Prevc den Fehler selbst verschuldet hatte. Er durfte danach nicht springen. Das slowenische Team hatte den Ski in Windeseile wieder nach oben gebracht, doch dort wurde Prevc ein Start verweigert, weil er nicht rechtzeitig zu seinem Sprung angetreten war.

Als die Slowenen die Ersatz-Skier hoch auf die Schanze gebracht hatten, war die Zeit schon abgelaufen. Deshalb war ein Start im ersten Durchgang nicht mehr möglich.

Ein FIS-Mitarbeiter hatte mit einer Handbewegung deutlich angezeigt: Du springst nicht mehr. Als die slowenische Mannschaft diskutieren wollte, rief er lautstark: „Nein, nein, nein.“

Raimund scherzt: Habe ich als Kind erlebt

Der Gewinner der Vierschanzentournee, der am Samstag Gold im Einzel gewonnen hatte, sank enttäuscht in seinen Stuhl. Der angestrebte WM-Titel im Team war für die Slowenen futsch.

Wie verrückt die Situation war, machte nach dem Springen auch Philipp Raimund im Gespräch mit SPORT1 deutlich: „Ich habe sowas einmal miterlebt, da war ich allerdings ungefähr zwölf und da hat keines der Kinder wirklich Kontrolle über die eigenen Skier, weil sie zu schwer sind. So ist mir das noch nie passiert.“

„Die Skier habe ich eigentlich immer bei mir und gebe ich ungerne ab. Dass das passiert, ist verrückt. Das kommt auf jeden Fall auf meine Top-3-Liste von den verrücktesten Dingen, die ich beim Skispringen erlebt habe“, sagte Raimund lachend.

„Ich habe so etwas noch nie erlebt“

Für Prevc war die Situation im Moment nicht sonderlich lustig. Statt um Gold zu springen, platzte sogar der Traum von einer WM-Medaille.

„Es gibt auch keine Ausnahmeregelung für den Skiflug-Weltmeister. Gestern bist du noch der gefeierte Held und heute sorgt deine Trotteligkeit dafür, dass die Hoffnung der Nation und der ganzen Mannschaft vorbei ist“, bilanzierte Kommentator Bartels.

„Ich habe so etwas noch nie erlebt. Es war Eigenverschuldung, es gibt ganz klare Regeln“, sagte Andreas Bauer, der im Weltverband FIS Mitglied der Materialkommission ist, in der ARD: „Es gibt oben eine Kontrollbox, dort hätte er die Ski reinstellen können. Er hätte sie auch einem Mitarbeiter geben können, aber er hat sie angelehnt. Bei dem Schneefall ist es glitschig, dann haben sie sich selbständig gemacht.“

Prevc darf im zweiten Durchgang springen

Kurios: Am zweiten Durchgang durfte Prevc dann dennoch teilnehmen, weil das slowenische Team auch mit nur drei Sprüngen unter die ersten Acht kam.

„Genau, es werden die ersten drei Springer gewertet. Damit ist Slowenien auf Platz acht. Von daher dürfen sie am zweiten Durchgang teilnehmen“, erklärte Bauer: „Er darf im zweiten Durchgang ganz normal starten. Wenn man zu spät kommt, bekommt man auch keine Gelbe Karte.“

Im zweiten Durchgang segelte Prevc auf 228,5 Meter. Sein erster Sprung wurde aber als DNS (nicht angetreten) mit null Punkten gewertet.

Obwohl Slowenien nur sieben statt acht Sprüngen in der Wertung hatte, wurde das Team am Ende Sechster punktgleich mit der Schweiz und vor Polen. Gold ging an Japan vor Österreich und Norwegen. Deutschland wurde Vierter.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)