Für Skispringer Andreas Wellinger endete die Weltcup-Saison im März 2026 als bester Deutscher nur auf Rang 25 der Gesamtwertung – ein enttäuschendes Ergebnis für den Deutschen Skiverband (DSV), der insgesamt einen schwachen Winter erlebte.
Skispringen - Andreas Wellinger offenbart: "Viele enttäuschende Momente"
Wellinger spricht über schwere Zeit
Mit seinem perfekten Sprung im slowenischen Planica sorgte Wellinger Ende März immerhin für einen Lichtblick. In diesen Tagen ist zwar noch offiziell Sommerpause, doch Wellinger arbeitet bereits mit Hochdruck daran, in der neuen Saison konkurrenzfähiger zu sein.
Im Interview mit SPORT1 erklärte der 30-Jährige am Rande des Wings For Life World Runs, wieso er im vergangenen Jahr nur selten Spaß am Skispringen hatte, was sich diese Saison ändern muss und wie er die Personal-Posse um Ex-Bundestrainer Stefan Horngacher mitbekam.
Neuer Bundestrainer: „Eine sehr gute Entscheidung“
SPORT1: Im Deutschen Skiverband beginnt dann ein neues Kapitel – Andreas Mitter wird neuer Skisprung-Bundestrainer. Was zeichnet ihn aus?
Wellinger: Der Andi ist vom Typ her schon mal ganz anders als der Stef (Stefan Horngacher, Ex-Bundestrainer; Anm. d. Red.). Für mich ist es eine sehr gute Entscheidung, weil Andi unser Heimtrainer war. Er kennt das System, wie wir uns als Athleten über die Jahre weiterentwickelt haben. Die Vorfreude ist in allen Bereichen groß: bei ihm, bei allen anderen Trainern, bei uns Sportlern. Jetzt ist ein neuer Weg, jetzt gehen wir den und wollen ihn bestmöglich bestreiten. Wir haben wie jedes Jahr große Herausforderungen vor uns. Wir werden schauen, wie sich Andi als neuer Bundestrainer schlägt.
SPORT1: Der vergangene Winter hatte einige Höhepunkte wie Philipp Raimunds Olympische Goldmedaille oder Ihr perfekter Sprung in Planica. Dennoch überwogen die enttäuschenden Ergebnisse. Was wird sich daran im kommenden Winter ändern?
Wellinger: Tatsächlich waren im vergangenen Winter viele enttäuschende Momente dabei – wie oft stand ich im zweiten Durchgang nur als Zuschauer an der Schanze … Ich habe es aber im Laufe des Winters ganz gut geschafft, mich weiterzuentwickeln. Und das wird die große Aufgabe sein, dass ich das diesen Sommer schneller, früher und besser hinkriege. Wenn es im Herbst Richtung Auftakt geht, will ich mit meiner körperlichen Verfassung, mit meiner Sprungform und meinem Material so aufgestellt sein, dass ich nicht erst im Februar wieder konkurrenzfähig bin.
Wellinger offenbart: Spaß am Skispringen fehlte
SPORT1: Form ist ein gutes Stichwort – die war bei Ihnen in der vergangenen Saison eher inkonstant. Was sind Ihre persönlichen Ziele für den kommenden Winter?
Wellinger: Dass ich einfach auf einem höheren Niveau springe. Dass ich es stabilisiere, so wie es die letzten sechs Wochen im Weltcup war, als ich konstant unter die besten zehn gesprungen bin. Das ist die Herausforderung, dass ich das von Anfang an wieder hinkriege. So habe ich Spaß am Skispringen und ich weiß: Ich bin nah dran, kann an Feinheiten schrauben und muss nicht so einen großen Schritt aufholen.
SPORT1: Heißt das, Sie hatten im vergangenen Winter keinen Spaß am Skispringen?
Wellinger: (schmunzelt) Teilweise nicht so wirklich. Grundsätzlich habe ich immer Spaß am Skispringen, aber es macht halt mehr Spaß, wenn man weiter fliegt und dadurch weiter vorne dabei ist.
Ski-Ass von Kompany beeindruckt
SPORT1: Ex-Bundestrainer Stefan Horngacher ist nach einem ziemlichen Hin und Her zum polnischen Skiverband gewechselt. Wie haben Sie diese Posse mitbekommen? Hatten Sie Kontakt zu ihm?
Wellinger: Tatsächlich nicht mehr. Wir haben mit ihm nach der Planica-Skiflugwoche seinen Abschied gefeiert und noch mal sacken lassen, was er mit uns in den vergangenen Jahren erleben durfte. Dann habe ich schon gehört, dass er nach Polen gehen soll oder will. Anschließend hat Adam (Malysz; Anm.d. Red.) seinen Posten niedergelegt oder wurde gegangen, das weiß ich nicht genau. Da habe ich nur in den Medien ein bisschen mitgelesen – da wird es sicher viele Geschichte geben, die kenne ich aber nicht.
SPORT1: Sie gelten auch als großer Fan des FC Bayern, waren bei der jüngsten Meisterfeier im Stadion. Was hat Bayern-Coach Vincent Kompany in Ihren Augen anders oder besser gemacht – auch in Bezug auf die Stimmung im Verein?
Wellinger: Von außen betrachtet, schafft er es extrem gut, die Mannschaft bei Laune zu halten. Jeder Spieler weiß, dass es honoriert wird, wenn er hart arbeitet, sich im Training anbietet und das in die Spiele überträgt. Egal zu welchem Zeitpunkt in den 90 Minuten: Die Mannschaft hat Bock, die wollen bis zum letzten Moment.