Kein Geringerer als Dwayne „The Rock“ Johnson soll ein Fan von ihm sein. Andere sind eher irritiert, dass WWE ihn verpflichtet hat - unter ihnen angeblich auch Akteure hinter den Kulissen der Liga.
Dieses WWE-Debüt war ein recht kapitaler Fehlstart
Dieses WWE-Debüt war ein Fehlstart
Wrestling-Kultstar Danhausen hat am Wochenende sein Überraschungsdebüt bei der größten Showkampf-Liga der Welt gefeiert. Optimal verlaufen ist es nicht, es gab Buhrufe, als sein Auftritt bei der Veranstaltung No Escape (Elimination Chamber) endete - wobei Fans streiten, ob die Zuschauer vor Ort nichts mit ihm anfangen konnten oder eher die Inszenierung missglückt war.
Sicher ist: An der unorthodoxen Kunstfigur scheiden sich die Geister - und noch ist nicht abzusehen, ob er bei WWE den Erfolg hat, der ihm bei Konkurrent AEW nicht beschieden war.
WWE verpflichtet Kultstar Danhausen
Der am 17. August 1990 in Detroit geborene Donovan Danhausen, Schüler der Independent-Wrestler Truth Martini und Jimmy Jacobs, hat sich seit seinem Ringdebüt 2013 schrittweise zu einer einzigartigen Erscheinung der Szene entwickelt.
Die ursprünglich als düsterer Charakter konzipierte Rolle nahm Fahrt auf, als Danhausen stattdessen einen komödiantischen Pfad einnahm. Danhausen kam zum Schluss, dass sein an Stummfilm-Horrorklassiker wie Nosferatu angelehnter und mit albtraumhaften Mini-Clips im Stil von David Lynch vorgestelltes Gimmick zu speziell war - und schuf stattdessen einen burlesken Clown mit pseudo-deutschem Akzent (“very nice, very evil“, „Love that Danhausen or be cursed“), der in seiner Mixtur aus Horror und Comedy eher ein Charakter aus den Filmen von Tim Burton sein könnte.
Danhausen beschreibt sein Alter Ego immer wieder gern als „Conan O‘Brien, der von einem Dämon besessen ist“. Über die Grundidee amüsierte sich auch der echte O‘Brien - bekannt als Comedian, Late-Night-Talker und Autor diverser legendärer Simpsons-Folgen - in einer Podcast-Begegnung mit seinem Nacheiferer sichtlich.
Selbst die New York Times wurde hellhörig
Neben O‘Brien und den Simpsons nannte Danhausen auch Comedy-Horrorfiguren wie Beetlejuice, Elvira - Mistress of the Dark, die komödiantischeren Versionen des Jokers aus Batman und den Mörder-Hippie Chop Top aus Texas Chain Saw Massacre 2 als Inspirationen.
Auch der in Amerika sehr populäre Pee Wee Herman zählt zu Danhausens Einflüssen. Wie Herman tanzte Danhausen in seinen Independent-Matches immer wieder zu dem Evergreen „Tequila” der Band The Champs auf dem Ringrand - und verteilte dabei Tritte an die unter ihm stehenden Gegner.
Weitere skurrile Markenzeichen Danhausens: Eine ins Absurde übersteigerte Abneigung gegen Schimpfwörter und eine Dose mit gezogenen Zähnen, die er seinen Kontrahenten in den Mund stopft, um sie zu verwirren und anzuekeln.
Danhausen steigerte seine Popularität durch ebenso gekonnte wie gewitzte Auftritte in allen denkbaren Social-Media-Kanälen, zu seinem Universum gehören auch eine selbst produzierte Online-Kochshow (“Dining with Danhausen“) und eine eigene Kaffeemarke (“Danhausen Coffeehausen“).
Vielleicht auch weil dieses Drumherum auch in der Corona-Zeit ungebrochen funktionierte, explodierte zu Beginn der Pandemie Danhausens Popularität und Reichweite. Anfang 2022 nahm ihn die zweitgrößte US-Liga AEW unter Vertrag, im Jahr darauf wurde sogar die New York Times auf das Phänomen aufmerksam und widmete ihm ein Porträt mit dem Titel „Der seltsamste Star des Wrestling“.
Engagement bei AEW eher ein Missverständnis
So erfolgreich wie erhofft verlief Danhausens AEW-Engagement nicht, der spezielle Charme der Figur fand in der Promotion nie so recht seine Nische. Verletzungsrückschläge und angeblich auch laut geäußerter Frust hinter den Kulissen taten ihr Übriges, dass Danhausen in der Liga von Tony Khan sein Glück nicht fand. Als Danhausens Vertrag kürzlich auslief, hatten beide Seiten kein Interesse an einer Verlängerung.
Dass stattdessen nun WWE zuschlägt, erstaunt einige Branchenkenner: Der schmächtige Danhausen hat weder die Statur noch das herausragende Talent im Ring, die für eine WWE-Karriere eigentlich Grundvoraussetzung sind. Und wie die Branchenmedien Fightful und Wrestling Observer übereinstimmend berichten, gibt es auch innerhalb von WWE geteilte Meinungen darüber, ob man Danhausen hätte verpflichten sollen oder nicht.
Die Befürworter haben sich durchgesetzt (dem Observer zufolge ist unter anderem der bei WWE-Mutterfirma TKO im Board of Directors sitzende Megastar Johnson angetan von Danhausen), doch das Debüt am Wochenende war ein recht kapitaler Fehlstart.
Buhrufe nach Debüt
Die über Wochen aufgebaute Inszenierung mit einem an WWE gelieferten Paket, als dessen Inhalt sich Danhausen am Samstag entpuppte, erntete nicht ganz die gewünschten Reaktionen. Am Ende von Danhausens kurzem Auftritt gab es Buhrufe. Entweder hatten die Fans vor Ort einen größeren Star erwartet - oder sie waren enttäuscht, dass nach seinem Einzug nicht mehr passierte.
In der Ära des als enorm impulsiv und launisch bekannten Ex-Bosses Vince McMahon hätte Danhausen wohl schon jetzt schlechte Karten, was den weiteren Karriereweg angeht.
„Triple H“ Paul Levesque, McMahons Nachfolger als Chefdirigent, ist als geduldiger bekannt - der Glaube an Potenzial und Vermarktbarkeit des besonderen Charakters scheint bei ihm auch größer zu sein als die Skepsis.