Bei WWE war er einst auserkoren, als Nachfolger der Überfigur Hulk Hogan aufgebaut zu werden. Bei Konkurrent WCW besiegte er ihn später – genau heute vor 29 Jahren – in einem großen Match und entthronte ihn als Champion.
Wie ein berühmter Rivale Hulk Hogans tief fiel
Wie ein Wrestling-Idol tief fiel
„The Total Package“ Lex Luger war in den Neunzigern einer der größten Stars der Wrestling-Welt, ein Kindheitsheld für viele Fans von damals. Umso bitterer waren die traurigen Schlagzeilen, die er nach dem Höhepunkt seiner Karriere schrieb.
Dem Aufstieg zum Showkampf-Heroen folgte ein tiefer Fall: Luger verfiel den Drogen, landete im Gefängnis, lud moralische Mitschuld am Tod seiner früheren Lebensgefährtin Elizabeth auf sich, entfremdete sich von seinen Kindern und kämpft seit vielen Jahren einen harten Kampf gegen schwere körperliche Gebrechen.
Die Leidensgeschichte des inzwischen 68-Jährigen bewegt bis heute viele Fans, die ihr Idol von einst nicht vergessen haben.
Lex Lugers Aufstieg zum WWE-Idol
Der am 2. Juni 1958 in Buffalo geborene Lawrence Wendell Pfohl, der seinen Künstlernamen an Superman-Gegenspieler Lex Luthor anlehnte, war vor seiner Ringkarriere ein vielversprechender Offensive Lineman im Football. Er stand zwischen 1982 und 1983 auch unter Vertrag bei den Green Bay Packers – für die er jedoch nie ein Spiel bestritt.
Erfolgreicher war er, als er unter der Anleitung von Hogans früherem Trainer Hiro Matsuda zum Wrestling umsattelte: Er machte sich zunächst einen Namen in der Wrestling-Szene in Florida, wo er mit seinem Muskel-Look schnell zum Blickfang wurde.
Luger wechselte 1987 zu den Jim Crockett Promotions, aus denen später WCW hervorgehen sollte und erzielte erste große Erfolge: Er bestritt große Matches mit seinen langjährigen Weggefährten und Freunde „Nature Boy“ Ric Flair und Sting. Er wurde Mitglied der legendären Gruppierung „The Four Horsemen“, in der Wrestling-Welt das „Stable“ schlechthin. 1991 stieg das „Total Package“ mit einem Sieg über Barry Windham erstmals zum World Champion auf.
Großer Auftritt auf einem Flugzeugträger
Zu Beginn des Jahres 1993 debütierte Luger bei der damaligen WWF, zunächst als selbstverliebter Bösewicht mit dem Beinamen „The Narcissist“.
Nachdem Hogan die WWF verließ (und auch dessen designierter Erbe The Ultimate Warrior sich mit der Liga verkracht hatte), sollte Lugers große Stunde schlagen: Er wurde mit gewaltigem Aufwand neu erfunden als „Made in the USA“ Lex Luger, als amerikanischer Super-Patriot – in der Hoffnung, dass er zu einem ähnlich großen Star wie Hogan reifen würde.
Am Nationalfeiertag 4. Juli inszenierte die WWF eine große Show auf dem Flugzeugträger USS Intrepid: Champion und Hogan-Bezwinger Yokozuna – dargestellt als antiamerikanischer Oberschurke – forderte Wrestler-Kollegen und auch Vertreter anderer Sportarten heraus, ihm einen Bodyslam zu verpassen.
Nach und nach scheiterten alle an dem Versuch, den 180 Kilo schweren Samoaner von den Füßen zu holen, ehe Luger in einem filmreifen Auftritt mit einem Hubschrauber an Deck landete und den Giganten zu Boden warf.
Luger begann fortan, sich nur noch in den Nationalfarben zu kleiden, tourte gar mit einem Bus namens „Lex Express“ durchs Land – als wäre er ein Präsidentschaftskandidat, kein Showfighter.
Karriere-Höhepunkt gegen Hulk Hogan bei WCW
Beim SummerSlam 1993 kam es zum großen Duell mit Yokozuna, das Luger durch Auszählen gewann. Die Rivalität ging weiter bis zur zehnten Ausgabe von WrestleMania im Frühjahr 1994, wo Luger letztlich von seinem alten Rivalen „Mr. Perfect“ um den Titel betrogen wurde – den Yokozuna (sechs Jahre später tragisch früh verstorben) dann am selben Abend an Bret Hart verlor.
WWE krönte Luger letztlich nie zum Champion, er kam als Publikumsliebling letztlich nicht ganz so gut an wie erhofft, Zuletzt war Luger bei der damaligen WWF als Tag-Team-Partner des ebenfalls früh verstorbenen British Bulldog zu sehen.
Seine Rückkehr zu WCW 1995 lief erfolgreicher: Lugers Überraschungsauftritt nach einem Nacht- und Nebel-Wechsel krönte die erste Ausgabe der TV-Show Monday Nitro und blieb in Erinnerung als erster großer Moment des „Monday Night War“ gegen das WWF-Flaggschiff RAW.
Luger spielte eine wichtige Rolle in der großen Erfolgsstory um Hogans New World Order (nWo), durfte ihn am 4. August 1997 auch kurz als Champion entthronen.
Bei WCW blieb Luger bis zuletzt in prominenter Rolle aktiv – verschwand dann aber aus dem Blickfeld, als die Liga im Jahr 2001 ihre Pforten schließen musste. Bald darauf folgten die persönlichen Dramen.
Freundin Miss Elizabeth starb an Überdosis
„Es gab da eine Leere, die ich füllen wollte“, blickte Luger vor einigen Jahren in einem Interview auf seinen damaligen Lebenswandel zurück: „Ich hatte nie genug Geld, nie genug Frauen, nie genug Party. Ich bin auf ziemlich dunklen Pfaden unterwegs gewesen.“
Luger entfremdete sich damals von seiner langjährigen Frau Peggy und den beiden gemeinsamen Kindern, die bis heute den Kontakt zu ihrem Vater meiden. „Ihr Leben war dramatisch beeinträchtigt, ich war nicht der Ehemann und Vater, der ich hätte sein sollen“, räumte Luger im vergangenen Jahr geknickt ein.
Lugers neue Beziehung mit Wrestling-Kollegin Elizabeth – Ex-Ehefrau des „Macho Man“ Randy Savage und in den Achtzigern der bekannteste weibliche Star der WWF – rückte dann auf tragische Weise in den Fokus des öffentlichen Interesses.
Elizabeth starb am 1. Mai 2003 im Alter von nur 42 Jahren an einer Überdosis Pillen und Alkohol. In den beiden Wochen zuvor war Luger zweimal verhaftet worden: Einmal wegen des dringenden Verdachts häuslicher Gewalt (die Polizei hatte mehrere Gesichtsverletzungen bei Elizabeth festgestellt), einmal wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss mit Elizabeth als Beifahrerin.
Die Polizei fand nach ihrem Tod nicht weniger als 13 verschiedene illegale Drogen in ihrem gemeinsamen Haus. Luger war unter anderem als Steroidnutzer entlarvt worden, was er zuvor abgestritten hatte. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, musste später wegen eines Verstoßes gegen die Auflagen vier Monate im Gefängnis.
Wegen Elizabeths Tod macht er sich bis heute Vorwürfe: „Ihr kleines Herz und ihr Körper haben nicht ausgehalten, was ich getan habe“, sagte er ESPN.
Langer Kampf mit schweren Lähmungen
Über seinen Absturz fand Luger zum christlichen Glauben, der aber weiter auf die Probe gestellt werden sollte: Im Jahr 2007 erlitt er einen Rückenmarksinfarkt, einen Nervenschaden, der schwere Lähmungserscheinungen zur Folge hatte.
Luger ist inzwischen körperlich ausgezehrt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Mit Hilfe seines früheren Wrestler-Kollegen Diamond Dallas Page, der sich inzwischen als Yoga- und Lebenshilfe-Guru einen Namen gemacht hat, kämpft Luger allerdings mit zähem Eifer darum, einen Teil seiner verlorenen Bewegungsfähigkeit zurückzuerlangen.
Im vergangenen Jahr erfreute die Nachricht, dass Luger zumindest wieder kurzzeitig auf zwei Beinen stehen kann, viele Anhänger von einst. Auch eine späte Aufnahme in die WWE Hall of Fame und eine dritte Ehe hellten Lugers Leben auf.
Das gestörte Verhältnis zu seinen beiden erwachsenen Kindern hat Luger jedoch nicht reparieren können. „Ich hoffe, dass ich eines Tages ein Verhältnis zu ihnen aufbauen kann“, erklärte Luger im vergangenen Jahr in einem Online-Video: „Und wenn nicht, hoffe ich, sie im Himmel wiederzusehen.“