Die irre Geschichte des eingeölten Fahnenträgers
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Olympia-Exot Pita Taufatofua sorgt bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele wie bereits in Rio 2016 für einen der glänzenden Höhepunkte.

Er hat es wieder getan: Mit freiem Oberkörper, Baströckchen und Sandalen hat Olympia-Exot Pita Taufatofua auch der eisigen Kälte in Südkorea getrotzt - und bei den Winterspielen von Pyeongchang für ein erstes Highlight gesorgt. Der Fahnenträger aus Tonga wiederholte bei der Eröffnungsfeier am Freitag seinen Auftritt von Rio 2016, der ihn weltberühmt gemacht hatte - wenngleich es in Brasilien deutlich wärmer war.

Wie vor eineinhalb Jahren erschien Taufatofua mit geölter Brust, sichtbar stolz trug der "Coconut-Fighter" die rote Fahne seines Landes mit dem roten Kreuz auf weißem Grund in der Ecke. Unter dem Jubel des Publikums führte er sogar ein kleines Tänzchen auf. 

Dabei hatte er im SPORT1-Interview noch angekündigt, sich dick einzupacken: "Es ist zu kalt. Minus 18, minus 20 Grad? Ich spüre schon alles unter 15 Grad plus. Unser Ziel ist es, dass ich bis zu meinem Rennen noch am Leben bin."

"Wollte den schwierigsten Sport für mich"

Nach seinem Einsatz als Taekwondo-Kämpfer vor zwei Jahren versucht sich Taufatofua diesmal im Langlauf: "Ich wollte den schwierigsten Sport für mich finden. Etwas, das überhaupt nichts damit zu tun hatte, was ich vorher gemacht hatte."

Im baden-württembergischen Pfullendorf bereitete er sich mithilfe des deutschen Trainers Thomas Jacob auf das Projekt Olympia vor.

"Ich habe gesagt: 'Coach, ich habe kein Geld, ich kann dir kein Geld geben. Aber ich verspreche dir: In einem Jahr wirst du bei den Olympischen Spielen ins Stadion einmarschieren." (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan)

Dieses Versprechen machte Taufatofua am Freitag nach einer wahren Odyssee nun wahr.

Mitte Januar verpasste er die Qualifikations-Rennen im kroatischen Ravna Gora, weil er auf dem Flughafen in Istanbul strandete. "Dann habe ich von diesem letzten Rennen am Polarkreis gehört", erzählte der 34-Jährige. Nach zwei Tagen Schneesturm schlug er sich nach Isafjordur im äußersten Nordwesten Islands durch - und setzte ganz auf Gottes Hilfe.

Für SPORT1 berichtet Jonas Nohe von den Olympischen Winterspielen aus Pyeongchang
Für SPORT1 berichtet Jonas Nohe von den Olympischen Winterspielen aus Pyeongchang © SPORT1-Grafik: Getty Images/SPORT1

Wunder erfüllt sich

"Am letzten Tag, am Ende der Welt, habe ich vor dem Rennen ein Gebet gesprochen. Und dann ist ein Wunder geschehen", sagte Taufatofua. Der Außenseiter wurde über zehn Kilometer Sechster (von acht Startern) und holte die letzten noch fehlenden FIS-Punkte. "Tonga fährt zu Olympia, Baby!", brüllte er. (SERVICE: Der Medaillenspiegel bei Olympia)

In Pyeongchang will der Exot zumindest nicht Letzter werden. Seinen einzigen Taekwondo-Kampf in Rio hatte er schließlich verloren. Seine Chancen über 15 km sind gering, aber was kümmert das einen Mann, der als Sozialarbeiter obdachlosen Kindern half und es zu Olympischen Sommer- wie Winterspielen geschafft hat?

"Ich habe kein magisches Talent, keine besondere Technik. Aber wenn ich eines habe, dann Glaube. Ich glaube an den großen Mann da oben", sagte Taufatofua: "Ich bin in den vergangenen Wochen Berge hinunter gepurzelt und oft von der Strecke abgekommen. Aber wenn man Ziele hat und dafür kämpft, dann schafft man alles."

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