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Auf der 20. Etappe verteidigt Egan Bernal erfolgreich das Gelbe Trikot. Emanuel Buchmann wird als Vierter nach Paris rollen und ist geradezu euphorisch über den Erfolg.

Egan Bernal ist am Monsteranstieg von Val Thorens in den siebten Radsport-Himmel geflogen und so gut wie am Ziel seiner Träume angelangt, Emanuel Buchmann krönte eine herausragende Tour de France mit dem Sprung auf Platz vier: Mit nur 22 Jahren hat der kolumbianische Youngster Bernal auf der letzten Alpen-Etappe den ersten Sieg eines Südamerikaners beim wichtigsten Rennen der Welt praktisch perfekt gemacht, dem erneut bärenstarken Buchmann fehlten letztlich nur 25 Sekunden zum Podest. 

"Platz vier ist geil, ein absolutes Traumergebnis", sagte Buchmann, der sich gleich nach dem Ziel ein Küsschen von Freundin Claudia abholte: "Bernal hat den Toursieg verdient, er war der Stärkste."

Nibali am stärksten am Berg

Beim Sieg des italienischen Altstars Vincenzo Nibali bei der auf 59,5 km verkürzten finalen Kletterpartie auf 2365 m Meereshöhe fuhr Bernal mit 17 Sekunden Rückstand als Vierter Hand in Hand mit Ineos-Teamkollege und Titelverteidiger Geraint Thomas über die Ziellinie, gefährliche Attacken musste er nicht mehr parieren.

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Bora-Kapitän Buchmann, der kurz vor dem Ziel noch einen Angriff versuchte, folgte wenig später als Tagessiebter (+0:23 Minuten) und rückte in der Gesamtwertung noch einen Rang vor. Besser als der 26 Jahre alte Ravensburger schnitten aus deutscher Sicht bei der Tour nur Jan Ullrich als einziger Sieger (1997) und fünfmaliger Zweiter sowie Kurt Stöpel (1932) und Andreas Klöden (2004, 2006) ebenfalls mit zweiten Plätzen ab.

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Bernal nimmt nach gut 3237,8 km 1:11 Minuten Vorsprung auf Thomas auf die verbleibenden 128 km bis Paris und kann das letzte Teilstück zu den Champs-Elysees bei einem Gläschen Schampus genießen - das Gelbe Trikot wird traditionell zum Abschluss nicht mehr attackiert. Als Dritter wird der Niederländer Steven Kruijswijk (Lotto-Visma/+1:31) auf dem Podest stehen.

Alaphilippe fällt vom Podest

Der französische Publikumsliebling Julian Alaphilippe, insgesamt 15 Tage in Gelb und erst am Freitag von Bernal auf Rang zwei verdrängt, war in seinem verzweifelten Kampf ums Podium chancenlos und fiel noch hinter Buchmann auf Platz fünf (+3:45) zurück.

Auch am Tag nach dem spektakulären Abbruch der Etappe nach Tignes am Freitag, als bei Bernals Fahrt ins Gelbe Trikot Hagelsturm und eine Schlammlawine für ein vorzeitiges Ende vor der Bergankunft gesorgt hatten, hatten die Naturgewalten die Tour fest im Griff. Aufgrund von unpassierbaren Straßen waren die geplanten 130 km auf nicht einmal Hälfte verkürzt worden. Die Hauptschwierigkeit, der 33,4 km Schlussanstieg in den höchsten Skiort Europas, blieb aber unangetastet - und wurde schließlich bei bestem Wetter absolviert.

Auf der kurzen, topfebenen Anfahrt vom Startort Albertville zum Fuß des Anstiegs kontrollierte Bernals Ineos-Team das durchaus hohe Tempo, die Favoriten hielten noch die Füße still. Zu Beginn der Kletterpartie verschärfte zunächst Kruijswijks Jumbo-Mannschaft das Tempo, ein gnadenloses Ausscheidungsfahren begann.

Bernal als drittjüngster Tour-Sieger aller Zeiten

Als erster Podiumsanwärter streckte Alaphilippe die Segel. Der Franzose fiel nach tapferem Kampf rund 13 km vor dem Ziel zurück. Danach blieb das Tempo hoch, keiner der Konkurrenten war jedoch gut genug, um Bernal und dem starken Ineos-Team noch einmal gefährlich zu werden.

Bernal wird somit am Sonntag mit 22 Jahren und 192 Tagen zum drittjüngsten Tour-Sieger der Geschichte und zum jüngsten seit 110 Jahren werden. Jünger waren in grauer Radsport-Vorzeit nur der Franzose Henri Cornet 1904 (19 Jahre, 352 Tage) und der Luxemburger Francois Faber 1909 (22 Jahre, 187 Tage).

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Zudem holt Bernal als erster Fahrer bei einer Tour das Gelbe Trikot, das Bergtrikot und das Weiße Trikot für den besten Jungprofi. Die Gelb-Berg-Kombination gelang Bernal als erst fünften Fahrer nach Gino Bartali, Fausto Coppi, Eddy Merckx und Christopher Froome.

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