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Tour de France: Vor 30 Jahren - Sekunden-Duell zwischen LeMond und Fignon
Acht Sekunden entschieden bei der Tour 1989 über Triumph und Tragödie © Getty Images
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München - Am 23. Juni 1989 liefern sich Greg LeMond und Laurent Fignon bei der Tour de France einen packenden Sekunden-Krimi, der bis heute unerreicht ist.

Greg LeMond bangte im Ziel, als Laurent Fignon über die Champs Élysées düste. Die Sekunden verrannen.

Der US-Amerikaner LeMond wusste: Wenn Fignon die Zeit von 27:47 Minuten überschreitet, würde das zu einer entscheidenden Verschiebung in der Gesamtwertung führen. Dann hätte LeMond die Tour de France gewonnen und nicht sein Konkurrent aus Frankreich.

Fignon näherte sich dem Zielstrich. Noch 200 Meter. Auf der Uhr stand: 27:41 Minuten. Noch 100 Meter. Zwischenzeit: 27:49 Minuten. LeMond realisierte, dass er es doch noch geschafft hatte. Er jubelte, umarmte seine Nebenleute.

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Fignon kam derweil im Ziel an – acht Sekunden zu spät. Der Geschlagene brach zusammen, kauerte auf dem Asphalt und vergoss bittere Tränen. Und mit Fignon weinte Frankreich, die so stolze Radsport-Nation.

Dieses Einzelzeitfahren am 23. Juli 1989, bildete den finalen Akt einer epischen Rundfahrt. Diese bestimmten zwei Sportler, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. (SERVICE: Die Gesamtwertung der Tour de France)

Nickelbrille als Markenzeichen von Fignon

Da war zum einen Fignon. Der Pariser galt in der Radsport-Szene als Professor. Das lag auch an seinem Aussehen. Die langen blonden Haare und die Nickelbrille waren Fignons Markenzeichen. Nach dem Abitur begann er ein Studium mit dem Titel "Die Wissenschaft von der Struktur der Materie". Fignon verlor aber früh die Lust an Vorlesungen, an Klausuren und startete seine Profikarriere als Radfahrer.

Eine weise Entscheidung: 1983 nahm Fignon erstmals an der Tour de France teil. Nach der 17. Etappe schlüpfte er ins Gelbe Trikot und verteidigte es bei zum Schluss. 22 Jahre war Fignon gerade einmal alt, als er in seiner Geburtsstadt ganz oben auf dem Siegerpodest stand. Im folgenden Jahr konnte er seinen Erfolg wiederholen.

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Die Franzosen dominierten zu dieser Zeit das berühmteste Radrennen der Welt. Der große Bernard Hinault holte 1985 seinen fünften Gesamtsieg. Bei dieser Rundfahrt strampelte sich auch erstmals Greg LeMond in den Vordergrund. Er brachte die USA auf die Radsport-Landkarte. Mit LeMonds erstem Tour-Sieg im Jahr 1986 erhielt der Radsport in den Vereinigten Staaten einen deutlichen Popularitätsschub.

LeMond bei Truthahnjagd mit Schrotflinte abgeschossen

Dem Sonnyboy aus Kalifornien schien die Zukunft zu gehören. Doch dann machte LeMond einen folgenreichen Ausflug. Mit seinem Schwager begab sich der Radprofi im Frühjahr 1987 auf Truthahnjagd.

Es kam zu einer verhängnisvollen Verwechslung. Der Schwager hielt LeMond für einen Truthahn, nahm das Gewehr in Anschlag und feuerte eine Schrotladung ab. 60 Geschosse trafen den Hobbyjäger. Zwei Millimeter unter LeMonds Herzen blieben zwei Kugeln stecken.

"Als das Blut mir damals mit jedem Herzschlag in 30 Zentimeter hohen Fontänen aus vielen Löchern im Rücken schoss und ich kaum noch atmen konnte, weil meine rechte Lunge zusammengefallen war, habe ich an meinen Tod geglaubt", beschrieb er den Unfall später in einem Spiegel-Interview.

Dreikampf bei Tour mit LeMond, Fignon, Delgado

LeMond überlebte und trat Monate später wieder in die Pedale. Schon 1989 ging er erneut bei der Tour de France an den Start. Bei der 76. Auflage der Rundfahrt kristallisierte sich bald ein Trio mit Siegchancen heraus.

Neben Fignon und LeMond lag auch der Spanier Pedro Delgado gut im Rennen. Er rechnete sich lange Zeit Chancen aus, seinen Vorjahreserfolg zu wiederholen.

Doch als es am 23. Juli in Versailles das Einzelzeitfahren begann, war aus dem Dreikampf ein Zweikampf geworden. Delgado war abgehängt. Fignon musste nun nur die 50 Sekunden Vorsprung auf LeMond ins Ziel retten.

Dass es zur spannendsten Entscheidung der Tour-de-France-Geschichte kam, lag auch an einem ungewöhnlichen Etappenplan. Heute gibt es zum Abschluss der Rundfahrt nur eine Art Ehrenrunde. Attacken auf das Gelbe Trikot sind am letzten Tour-Sonntag verboten. Der Gesamtführende gönnt sich auf dem Weg nach Paris schonmal ein Glas Champagner.

Doch 1989 war alles anders. Zum Abschluss gab es den Kampf gegen die Uhr – ein Einzelzeitfahren über 25,5 Kilometer. Fignon war zuversichtlich, das Gelbe Trikot bis zum Schluss zu verteidigen. Allerdings beeinträchtigte ihn eine wunde Stelle am Gesäß. "Es schmerzt wie die Hölle, aber danach habe ich es vergessen", beschrieb Fignon seine Gedanken vor dem Start später in seiner Biografie.

LeMond mit Triathlon-Lenker und Tropfenhelm

LeMond hatte für das Zeitfahren sein Material angepasst. Er benutzte einen Triathlon-Lenker, der ihm half, eine strömungsgünstigere Position auf dem Rad einzunehmen. Zudem trug LeMond einen Tropfenhelm.

Fignon hatte auf so eine Kopfbedeckung verzichtet. Er band sich die langen Haare lediglich mit einem Band zum Pferdeschwanz zusammen. Vermutlich hatte LeMond mit seiner Tüftelei die entscheidenden Sekunden rausgeholt. 1990 holte er sich noch einmal den Gesamtsieg, diesmal blieb das große Drama aus.

Fignon musste mit einem Makel leben. Er war der Mann, der die Tour de France auf den letzten Metern verloren hatte. Als Fignon darauf angesprochen wurde, blaffte er nur zurück: "Nein, ich bin der Mann, der sie zweimal gewonnen hat!"

2010 starb der Franzose im Alter von 50 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs. LeMond würdigte seinem großen Rivalen damals: "Er und ich - wir haben Sportgeschichte geschrieben. Wir haben gezeigt, warum wir alle den Sport so lieben. Und das kann uns niemand mehr nehmen."

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