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Günther Bosch war bis 1987 Trainer von Boris Becker
Günther Bosch war bis 1987 Trainer von Boris Becker © Imago
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München - Günther Bosch führte Boris Becker zu den Wimbledon-Siegen 1985 und 1986. Weil Becker jedoch ein Problem sah, folgte die Trennung von dem Rumänen.

Günther Bosch kommt von seiner Leidenschaft nicht los, auch nicht im hohen Alter.

"Ich sehe mir alles über Tennis an, egal, auf welchem Kontinent gerade gespielt wird. Ich lese alles und höre alles. Tagtäglich - und auch nachts", sagte der langjährige Wegbegleiter von Boris Becker der Nachrichtenagentur SID, als er im Februar 2017 80 Jahre alt wurde: "Ich verfolge die Matches am Computer."

Was ebenfalls noch merkliche Spuren hinterließ: die Trennung von dem Mann, den er zum deutschen Tennis-Phänomen gemacht hatte.

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Günther Bosch war Weggefährte von Ion Tiriac

Bosch, geboren am 1. März 1937 im siebenbürgischen Kronstadt als Teil der deutschsprachigen Minderheit, war zu aktiven Zeiten Teil des rumänischen Davis-Cup-Teams, an der Seite von Topstar Ilie Nastase und Ion Tiriac - dem Mann, der später für Becker des Geschäftliche erledigen sollte.

1974, mitten im Kalten Krieg, hatte Bosch ein Jugendturnier in Saarbrücken zur Flucht in den Westen genutzt, machte im deutschen Tennis Karriere, wurde Bundestrainer - aber das Beste sollte noch kommen: 1982 hatte Bosch auf Wunsch von Karl-Heinz und Elvira Becker die individuelle Betreuung ihres Sohnes übernommen.

Fortan sei das Leben zu einem täglichen Kampf geworden, blickte der Mann, den Becker "Güntzi" nannte, später zurück: "Man musste Boris von morgens bis abends von allem überzeugen. Boris war kein Trainings-Weltmeister."

Was dabei herauskam, ist bekannt: Bosch führte Becker zum legendären Wimbledon-Triumph 1985 und auch zur Titelverteidigung 1986. "Es hat außer ihm nie einen mit diesem unglaublichen Willen, dieser Leidensfähigkeit und dieser grenzenlosen Liebe zum Spiel gegeben", sagte der "Mann, der meine Mutter war" (Becker über Bosch).

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Boris Becker fand Erfolgstrainer überfürsorglich

Die Aussage war nicht nur als Kompliment gemeint: Nach dem Achtelfinal-Aus bei den Australian Open 1987 trennte sich Becker von seinem Förderer, den er als überfürsorglich empfand.

"Ich brauche einen Trainer, der nicht Tag und Nacht auf mich aufpasst", sagte Becker - der danach den Australier Bob Brett anheuerte, später unter anderem auch Niki Pilic, Eric Jelen und Mike DePalmer.

Der ausgebootete Bosch fand andere Beschäftigungen, als Kommentator, Kolumnist, Trainer und Leiter einer nach ihm bekannten Tennis-Akademie.

Die Trennung nahm ihn dennoch mit, auch viele Jahre danach noch. Dennoch gab der nun in Berlin lebende Bosch schließlich an, seinen Frieden damit gemacht zu haben: "Ich weiß, was ich für seinen Erfolg geleistet habe. Darauf bin ich stolz."

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