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2018 French Open - Day Nine
2018 French Open - Day Nine © Getty Images
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München und Paris - Diego Schwartzman mischt die French Open auf. Doch soweit wäre es beinahe gar nicht gekommen. Die Gründe dafür liegen in der Vergangenheit seiner Familie.

Am Mittwoch trifft Rafael Nadal bei den French Open erneut auf einen Mann mit deutschklingendem Namen.

Nach Maximilian Marterer fordert Diego Sebastian Schwartzman im Viertelfinale den Sand-König heraus. Doch auch wenn der Name anderes vermuten lässt – Schwartzman stammt aus Argentinien, genauer aus Buenos Aires (SPIELPLAN: French Open).

Dorthin hat es die Familie des Weltranglistenzwölften vor Generationen verschlagen. Der Grund dafür ist allerdings tragisch: Der Hitler-Terror.

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Die Familie seiner Mutter Silvana kommt aus Russland, die Familie von Vater Ricardo aus Polen. "Aber ältere Generationen meiner Familie müssen wohl aus Deutschland gewesen sein", erklärte er der Bild.

Urgroßmutter war auf dem Weg ins KZ

Argentinien galt als beliebtes Fluchtziel. Doch nicht nur Kriegsverbrecher verschlug es damals dorthin. "Es kamen viele, viele Deutsche in dieser Zeit nach Argentinien, auch viele Juden. Es kamen nicht nur Nazis", so der Tennisprofi. Unter ihnen waren auch Schwartzmans Ur-Großeltern.

Dass Urenkel Diego drei Generationen später eine Karriere als Tennis-Profi einschlagen und aktuell sogar erstmals ins Viertelfinale der French Open vorstoßen konnte, gleicht einem Wunder.

Denn seine Ur-Großmutter mütterlicherseits hätte den Krieg um ein Haar nicht überlebt. "Sie wurde deportiert, war schon im Zug ins KZ. Wie durch ein Wunder konnte Sie aus dem Waggon entkommen", beschreibt er seine dramatische Familiengeschichte.

Star der jüdischen Gemeinde in Argentinien

Schwartzman steht zu seinem jüdischen Glauben. Auch wenn er selbst nie auf einer hebräischen Schule war, versuche er immer die jüdischen Feiertage – selbst auf der Pro-Tour - einzuhalten, erklärte er im vergangenen Jahr im Gespräch mit der Jewish Telegraphic Agency. Und der 25-Jährige ist damit nicht allein. Auch Dudi Sela und Jonathan Erlich sind jüdische Tennisprofis, zu beiden pflegt er eine enge Freundschaft.

Schwartzman selbst kam im Alter von sieben Jahren zum Tennis. Seit 2013 spielt er regelmäßig auf der ATP-Tour. Seine Spielweise erinnert viele an den Spanier David Ferrer. Wie dieser muss auch er aufgrund seiner geringen Körpergröße (1,70 m) härter für seine Punkte arbeiten als viele Kollegen, alles in seine Schläge hineinlegen, um Tempo zu machen.

Doch der Argentinier ist längst in der Weltspitze angekommen. Seine Erfolge in der jüngsten Vergangenheit, darunter zwei Turniersiege, haben ihn zum großen Star innerhalb der jüdischen Gemeinde in seinem Heimatland werden lassen. Die Leute erkennen ihn auf der Straße, drücken ihm die Daumen. Auch bei Roland Garros ist er nach den ersten vier Runden zum Publikumsliebling avanciert.

Gerade sein Comeback im Achtelfinale gegen den 33 Zentimeter größeren Aufschlagriesen Kevin Anderson aus Südafrika, der die ersten beiden Sätze klar und deutlich mit 6:1 und 6:2 für sich entschieden und später sogar zum Match aufgeschlagen hatte, ließ Schwartzman die Herzen der französischen Fans zufliegen.

Mit dem dramatischen 1:6, 2:6, 7:5, 7:6, 6:2 hatte der Argentinier seinen Ruf als unermüdlicher Kämpfer mit dem Herz am rechten Fleck wieder einmal bestätigt.

Traum vom ersten Grand-Slam-Titel

Nicht Schwartzmans erster großer Sieg: Im Februar triumphierte er bei den Rio Open, feierte seinen zweiten ATP-Turniersieg nach Istanbul 2016, wo er immerhin den amtierenden World-Tour-Finals-Champion Grigor Dimitrow schlug. Auf Grand-Slam-Ebene steht als sein bestes Ergebnis allerdings das Viertelfinale bei den US Open im vergangenen Jahr zu Buche.

Sollte er sein Match gegen Rafael Nadal gewinnen, würde er folglich seinen größten Erfolg feiern. Und das traut sich Schwartzmann zu. Nach seinem Achtelfinalsieg gegen Anderson prophezeite der Underdog lächelnd: "Habt ihr David und Goliath gelesen?"

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