Mythos Wimbledon: Die wichtigsten Fakten
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Angelique Kerber und Julia Görges erreichen in Wimbledon das Halbfinale. Das erste deutsche Endspiel im Tennis-Mekka seit 1931 scheint greifbar.

Die deutsche Tennis-Geschichte ist um ein historisches Kapitel reicher, der Traum vom deutschen Wimbledon-Endspiel lebt: Angelique Kerber und Julia Görges haben beim Rasen-Klassiker in London als erstes deutsches Frauen-Duo seit 87 Jahren das Halbfinale erreicht und dürfen weiter auf ein direktes Duell um den Grand-Slam-Titel hoffen. Der erste deutsche Wimbledon-Sieg nach Steffi Grafs letztem Titelgewinn 1996 ist zum Greifen nah.

Nachdem Kerber am Dienstag ihr am Ende packendes Viertelfinal-Duell mit der Russin Daria Kassatkina 6:3, 7:5 gewonnen hatte, zog Görges durch ein 3:6, 7:5, 6:1 gegen Kiki Bertens (Niederlande) nach

Zwei deutsche Halbfinalistinnen bei einem Grand-Slam-Turnier hatte es in der 50-jährigen Geschichte des Profitennis nur 1990 bei den Australian Open und 1993 bei den French Open gegeben. In Wimbledon war dies in 134 Jahren nur 1931 der Fall, als Cilly Aussem und Hilde Krahwinkel sogar das Endspiel bestritten. Nun könnte sich die Geschichte wiederholen. 

Rittner ist begeistert

"Das ist unglaublich geil! Am Donnerstag wird es ein großartiger Tag für das deutsche Tennis. Ich bin stolz auf die Mädels. Alleine die Aussicht auf ein deutsches Finale ist großartig", sagte Barbara Rittner, Head of Women's Tennis im DTB: "Jetzt ist alles möglich."

Nachdem sie eineinhalb Stunden von der linken in die rechte Ecke des Platzes gehetzt war, stand Kerber im Moment des Erfolgs gegen Kassatkina wie festgefroren da. Mit einer furiosen Energieleistung hatte die Kielerin soeben ihr drittes Wimbledon-Halbfinale erreicht, genoss nun still den Augenblick, ehe sie einen gellenden Freudenschrei losließ.

Auf und neben dem Platz: Kerber so erfolgreich wie nie

"Ich habe versucht, das Match in meine Hände zu nehmen und mich an mein Limit zu pushen", sagte Kerber: "Es war ein Match auf hohem Niveau."

Rund eineinhalb Stunden später schlug Görges nach ihrem verwandelten Matchball die Hände vors Gesicht und atmete sichtlich bewegt durch.

Görges: "Es ist unglaublich"

"Es ist unglaublich. Ich weiß nicht, was ich sagen soll", lautete ihr erster Kommentar. Kurz danach aber ergänzte Görges: "Ich habe versucht, ruhig zu bleiben, und um jeden Punkt gekämpft."

Am Donnerstag bekommt es Görges nun mit Superstar Serena Williams (Nr. 25) zu tun, die trotz des ersten Satzverlustes im Turnierverlauf die Italienerin Camila Giorgi 3:6, 6:3, 6:4 bezwang.

Bei den French Open hatte Görges gegen die US-Amerikanerin in Runde drei deutlich verloren. Auch in den beiden vorangegangenen Duellen ging sie als Verliererin vom Platz.

Jetzt will Görges Gelegenheit beim Schopfe greifen: "Es ist eine große Chance, gegen Serena hier spielen zu dürfen. Jedes Spiel beginnt bei Null."

Kerber sieht sich nicht in Favoritenrolle

Die zweimalige Grand-Slam-Siegerin Kerber spielt gegen Jelena Ostapenko (Lettland/Nr. 12) um den Einzug in ihr zweites Wimbledon-Endspiel nach 2016. "Es ist egal, wer die Gegnerin ist. Jede, die im Halbfinale steht, hat das verdient", sagte sie: "Ich sehe mich nicht als eine Favoritin." 

Ostapenko ist nach einer längeren Schwächephase rechtzeitig zum dritten Grand-Slam-Turnier des Jahres wieder in Form gekommen. Das sie eine Spielerin für die großen Turniere ist, bewies sie im vergangenen Jahr mit dem sensationellen Sieg bei den French Open.

Kerber hatte gegen Kassatkina furios begonnen. Mutig, variantenreich und vor allem nahezu ohne Fehler diktierte die Kielerin auf dem nicht ganz vollbesetzten Centre Court das Geschehen. Bis zum Ende des ersten Satzes unterliefen ihr nur zwei sogenannte "Unforced Errors" - gegenüber derer 13 bei Kassatkina.

"Ich bin eine Künstlerin. Ich bin nicht langweilig, nicht im Leben und nicht auf dem Platz", hatte die Russin vor dem Match gesagt. Doch mit ihrem zwar fraglos attraktiven, aber eben auch hochriskanten Spiel verpokerte sie sich diesmal.

Kerber nutzt siebten Matchball

Nach einem Ass und einer im Sprung die Linie entlang geprügelten Rückhand schien sich Kassatkina ins Match zu arbeiten. Nur um dann mit zwei Doppelfehlern erneut ihren Aufschlag und damit den Satz herzuschenken. 

Auch im zweiten Durchgang zahlte sich Kerbers geduldige Defensiv-Leistung mit Attacken in den entscheidenden Momenten voll aus. Kassatkina leistete sich weitere 20 der sogenannten "Unforced Errors" und insgesamt sieben Doppelfehler. Erst in der nervenaufreibenden Schlussphase hatte auch Kerber einige Probleme, vergab ihre ersten sechs Matchbälle - und durfte am Ende doch jubeln.

Görges hatte gegen derweil Bertens, mit der sie gut befreundet ist und regelmäßig im Doppel an den Start geht, in einem ausgeglichenen Satz als erste bei ihrem Aufschlag gewackelt. Das Break zum 3:5 entschied letztlich den Durchgang. Im zweiten Durchgang biss sich Görges zurück ins Match. Im Entscheidungsdurchgang ging sie schließlich schnell mit 4:1 in Führung und bewies am Ende wie Kerber Nervenstärke.

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