Millman-Märchen: Das ist der Federer-Bezwinger
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München - John Millman sorgt mit seinem Coup im Achtelfinale der US Open gegen Roger Federer für Aufsehen. Dabei hatte der Australier schon an ein Karriere-Ende gedacht.

Als John Millman um kurz vor 1 Uhr in der Nacht den größten Erfolg seiner Karriere perfekt machte, starrte er ungläubig gen Himmel.

"Ich kann es kaum glauben, Roger ist einer meiner Helden, er hatte heute sicher nicht seinen besten Tag, aber das nehme ich mit", erklärte der Australier seine ungewohnte Reaktion nach dem Viersatz-Sieg über Tennis-Superstar Roger Federer.

Doch mit dem Sieg über den Maestro hat sich die aktuelle Nummer 55 der Welt, Spitzname: "Mailman", auf einen Schlag ins Licht der Öffentlichkeit gespielt (US Open im LIVETICKER).

Coup gegen Federer: OP's bremsten Millman aus

Dabei schien die Karriere des 29-Jährigen schon mehrmals vorbei zu sein.

Zwei Schulter-Operationen und ein Leisten-Eingriff ließen ihn an der Fortsetzung seiner Laufbahn zweifeln.

2008 hatte Millman seine Profi-Karriere gestartet, doch fünf Jahre lang versuchte er vergeblich sich für ein Grand-Slam-Turnier zu qualifizieren.

2011 wollte er es trotz Schulterverletzung durch die Wimbledon-Qualifikation schaffen - er scheiterte in der ersten Runde.

Milman ließ sich operieren und dachte ans Aufhören. Seine Fans, die in seiner Heimatstadt Brisbane damals schon zahlreich waren, motivierten ihn zum Weitermachen.

Milman in Weltrangliste abgestürzt auf Position 1193

Er kämpfte sich zurück und schaffte es 2013 tatsächlich erstmals ins Hauptfeld der Australian Open - ehe ihn eine erneute Schulter-Verletzung stoppte.

Wieder Operation, wieder lange Pause, in der Weltrangliste abgestürzt auf Rang 1193.

Milman ließ sich davon nicht unterkriegen und startete 2014 ein weiteres Comeback. Über Challenger-Turniere arbeitete er sich nach oben.

Und wurde nun vier Jahre später in einer für ihn unvergesslichen New Yorker Nacht für all seine Leiden endlich belohnt.

In der kommenden Woche ist er bereits mindestens die Nummer 37. So weit oben war er im Ranking noch nie zu finden gewesen.

Mit dem unterlegenen Federer verbindet den Australier eine besondere Beziehung.

Vor Wimbledon trainierten sie gemeinsam in der Schweiz, und beim Turnier in Millmans Heimatstadt Brisbane hatte der Australier den Maestro bereits am Rande einer Niederlage. "Ich bin ein großer Fan von John. Vielleicht kennen ihn nicht so viele Leute, aber er ist ein harter Arbeiter. Diese Jungs verdienen den größten Respekt von uns Top-Spielern", adelte Federer den Australier im Vorfeld des Duells - und dürfte sich nun bestätigt sehen.

Millman stellt Rekord auf

Mit dem Einzug ins Viertelfinale hat Millman bereits 475.000 Dollar Preisgeld kassiert - so viel wie noch nie in seiner Karriere, die bereits im Jahr 2008 auf der ATP-Tour startete.

Bis dato konnte der Australier, der Fan des FC Liverpool ist, nur auf der Challenger Tour 16 Turniersiege feiern. Doch einen Rekord hat er trotzdem aufgestellt. Bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 schlug er den Litauer Ricardas Berankis glatt mit 6:0, 6:0 und verpasste damit als erster Spieler bei Olympia seinem Gegner eine "Brille".

In New York ist die nächste Aufgabe ungleich härter: Mit Novak Djokovic wartet der ehemalige Weltranglistenerste und aktuelle Wimbledonsieger auf den Australier. Das bislang einzige Match der beiden war auch eine einseitige Angelegenheit, allerdings für den Serben: Beim Turnier im Londoner Queens Club gewann Djokovic mit 6:2 und 6:1.

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