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Matthias Becker, stellvertretender Chefredakteur Digital, hält etwas mehr Zuneigung für Novak Djokovic für angebracht
Matthias Becker, stellvertretender Chefredakteur Digital, hält etwas mehr Zuneigung für Novak Djokovic für angebracht © SPORT1 / Getty Images
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Novak Djokovic gewinnt zum fünften Mal Wimbledon. Es ist an der Zeit, ihm dafür mehr als nur Respekt zu zollen. Der SPORT1-Kommentar von Matthias Becker.

Ich gebe es zu: Ich hätte mich mehr über den Ausgang dieses epischen Wimbledon-Finals gefreut, wenn Roger Federer einen seiner beiden Matchbälle genutzt hätte.

Federers mühelose Eleganz, sein Wille zur Offensive, sein Stil auf und neben dem Court faszinieren mich wie so viele. Auf die Frage, wer der größte Tennisspieler aller Zeiten ist, kann es für mich nur eine Antwort geben.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass der nun fünfmalige Wimbledon-Champion Novak Djokovic deutlich mehr Liebe verdient hätte. Der Serbe hat 16 Grand-Slam-Titel gewonnen. Angesichts seiner gerade mal 32 Jahre ist es keine zu gewagte Prognose, wenn man vorhersagt, dass er den Rekordhalter Federer (20 Majors) einholen oder überholen wird.

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Djokovics Spielstil ist nicht jedermanns Sache. Doch wie er es immer wieder schafft, sich mit dem Rücken zur Wand in den wichtigsten Situationen zu befreien, ist genauso bemerkenswert wie Federers Eleganz.

Und trotzdem bekommt Djokovic eben höchstens Respekt, keine Liebe. Egal ob er in den großen Finals gegen Federer, Rafael Nadal oder einst gegen Andy Murray antrat – die Mehrheit der Fans war meistens gegen ihn.

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Dabei hat Djokovic nichts falsch gemacht. Er hat den Sport gemeinsam mit Nadal und Federer auf ein neues Level gehoben. Er ist ein tadelloser Sportsmann, engagiert sich sozial und lebt ein skandalfreies Leben.

Und doch gab es in diesem epischen Finale am Sonntag bei seinen Punkten meist verhaltenen Applaus, bei Federers Punkten frenetischen Jubel. Wenn Djokovic auf dem Weg zur Trophäe beide Mittelfinger in die Luft gestreckt hätte, hätte man es ihm kaum übelnehmen können.

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Immer wieder Mal nahm der Djoker diese Ungerechtigkeit in früheren Jahren zum Anlass, sich mit dem Publikum anzulegen oder provokant zu jubeln. An diesem Sonntag war die Geduld, mit der er sie ertrug, fast so bemerkenswert wie seine Schläge.

Vier Major-Titel trennen den Serben nun noch von Federer. Körperlich macht er nicht den Eindruck, als würde er in Kürze seine Karriere beenden müssen. Es wäre wohl der verdiente Ausgleich für eine Karriere im Schatten von „Fedal“ wenn in wenigen Jahren der Grand-Slam-Rekord weder Federer noch Nadal gehört – sondern dem Entfesselungskünstler aus Belgrad.

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