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Martina Navratilova, Serena Williams und Chris Evert (v.l.n.r.) stehen zusammen für unglaubliche 16 Titel bei den US open
Martina Navratilova, Serena Williams und Chris Evert (v.l.n.r.) stehen zusammen für unglaubliche 16 Titel bei den US open © Getty Images
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Die US Open gehören zu den vier Grand Slam-Turnieren und sind somit immer ein Highlight des Tenniskalenders. SPORT1 zeigt die Siegerinnen seit der Open Era.

Die US Open (offiziell: United States Tennis Championships) sind das zweitälteste Grand Slam-Turnier. Lediglich Wimbledon hat schon einige Jahre früher die ersten Wettbewerbe ausgespielt. Allerdings sind die US Open das einzige Grand Slam-Turnier, das auch während der Weltkriege ausgetragen wurde. Damit fand das Turnier seit seiner Gründung jedes Jahr statt.

Die US Open haben eine bewegte Vergangenheit hinter sich. In der Anfangszeit fanden die Herrenwettbewerbe unter dem Namen U.S. National Championship von 1881 bis 1914 in Newport (Rhode Island) statt. Heute wird dort das ATP-Turnier von Newport ausgespielt.

Die Damen hingegen spielten ab 1887 im Philadelphia Cricket Club. Erst mit dem Umzug in den West Side Tennis Club in Forest Hills in Queens (New York) wurden die Damen- und Herrenwettbewerbe zusammengelegt. 1978 zog man dann in das USTA Billie Jean King National Tennis Center, wo das Louis Armstrong Stadium als Center Court diente. 1997 zog man in das neu errichtete Arthur Ashe Stadium um.

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Mit 22.547 Sitzplätzen ist das Stadion das mit Abstand größte Tennisstadion der Welt.

Die lange Suche nach dem Belag

Wie bei den Wimbledon Championships wurden auch die US Open zu Beginn auf Rasen ausgetragen. Diese Tradition hielt sich über lange Jahre. Aber 1975 entschieden sich die Verantwortlichen, von Rasen auf Sand zu wechseln. Dieser Belag konnte aber nicht überzeugen, weswegen das Experiment nach drei Jahren wieder beendet wurde.

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Seit 1978 wird auf Hartplatz gespielt. Damit sind die US Open das einzige Grand Slam-Turnier, das bereits auf drei verschiedenen Belagen ausgespielt wurde.

Die US Open: Super-Saturday und Finale am Montag

Traditionell war der letzte Samstag immer für die beiden Herren-Halbfinale und das Damen-Finale eingeplant - der Super-Saturday. Das Herren-Finale war als krönender Abschluss für den Sonntag eingeplant.

Allerdings spielten die Witterungsverhältnisse nicht immer mit. Da jedoch aufgrund des engen Terminplans kaum Lücken für Verschiebungen zu finden waren, machte sich das immer sehr schnell bei der Austragung des Herren-Finales bemerkbar.

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Dieser Umstand und die Forderung der Männer, beide Finals um je einen Tag zu verschieben, sorgten dafür, dass das Herrenfinale fix auf den Montag verschoben wurde und das Damenfinale nun ebenfalls prominent als einziges Spiel am Sonntag ausgetragen wird.

Diese Entscheidung führte zum Ende des beliebten Super-Saturday.

US-Amerikanerinnen dominieren

Doch auch ohne Super-Saturday genießt das Turnier immer noch einen hervorragenden Ruf und bringt jedes Jahr die besten Spielerinnen zusammen.

Die Siegerliste des Turniers liest sich wie das Who is Who der internationalen Tenniswelt. Dabei dominieren in den Rekordlisten vor allem die US-Amerikanerinnen. Aber auch ein deutscher Superstar ließ es sich nehmen, diesem Turnier seinen Stempel aufzudrücken.

SPORT1 stellt die häufigsten US-Open-Siegerinnen (vier Titel und mehr) seit Beginn der Open Era im Jahr 1968 vor:

6 Siege: Chris Evert - Ein Kreis schließt sich

US Open-Siege: 1975, 1976, 1977, 1978, 1980, 1982

Kein Name ist so eng mit den US Open verbunden wie Chris Evert (zwischenzeitlich auch Chris Evert-Lloyd). Zwar muss sich die US-Amerikanerin den Titel der Rekordsiegerin seit 2014 mit Serena Williams teilen - und könnte ihn sogar noch ganz an ihre Landsfrau verlieren.

Dennoch wird sie immer einen besonderen Platz in der Turniergeschicht einnehmen. Im Alter von gerade einmal 16 Jahren verblüffte die junge Evert eine ganze Nation. Experten waren auf das junge Talent schon im September 1970 aufmerksam geworden, als sie bei einem Turnier in Charlotte die 24-malige Grand Slam-Siegerin Margaret Court bezwang.

Dem breiten Publikum wurde sie aber erst bei den US Open 1971 ein Begriff. Durch ihren Triumph bei den US-Jugendmeisterschaften durfte sie aufgrund einer Einladung des nationalen Verbandes an den US Open teilnehmen und holte fast zum großen Coup bei ihrem Grand Slam-Debüt aus.

Nach Siegen über Edda Buding, Mary-Ann Eisel, die an Nummer 5 gesetzte Französin Françoise Dürr sowie deren Landsfrau Lesley Hunt kam es im Halbfinale zum Aufeinandertreffen mit der späteren Siegerin Billie Jean King, die sie vor einigen Monaten schon geschlagen hatte.

Diese frühere Niederlage sorgte dafür, dass King ihre junge Landsfrau nicht unterschätze und mit 6:3, 6:2 gewinnen konnte. Dennoch war Evert mit 16 Jahren, 8 Monaten und 20 Tagen die bis dato jüngste Spielerin, die ins Halbfinale der US Open vordringen konnte. Für sie selbst war es auch ein Meilenstein in ihrer Karriere. "Die US Open waren sozusagen mein großer Durchbruch. Zum ersten Mal wurde ich nicht nur mit Tennis, sondern auch mit der Art Leben, die ich führen wollte, konfrontiert", sagte sie im Rückblick auf diesen Erfolg.

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18 Jahre, sechs US Open-Titel und viele weitere Erfolge später sollte sich dann der Kreis auch wieder bei den US Open schließen. 1989 traf sie im Achtelfinale auf die 15-jährige Monica Seles. Nun war sie die Altmeisterin, die es mit einem jungen, aufstrebenden Talent zu tun bekam. Aber wie King, konnte auch sie der Jugend trotzen und erteilte der Jugoslawin mit 6:2, 6:0 eine Lehrstunde.

Doch im Viertelfinale musste sie ebenfalls nach zwei Sätzen gegen Zina Garrison die Segel streichen. Direkt im Anschluss an die Partie trat die 34-Jährige vom Tennis zurück. Sie verabschiedete sich an dem Ort von der großen Tenniswelt, an dem ihr kometenhafter Aufstieg begonnen hatte.

6 Siege: Serena Williams - Die jüngere Schwester

US Open-Siege: 1999, 2002, 2008, 2012, 2013, 2014

1997 drang die damals 17-jährige Venus Williams überraschend bis ins Finale der US Open vor, wo sie erst von Martina Hingis gestoppt werden konnte. Aber die Fachwelt war sich einig, dass Venus im Laufe der nächsten zwei Jahre ihren ersten Grand Slam-Titel holen würde.

2014 holte Serena Williams (M.) ihren sechsten und bislang letzten Titel bei den US Open und zog damit mit Rekordhalterin Chris Evert (r.) gleich. Martina Navrátilová (l.) kommt auf vier Titel
2014 holte Serena Williams (M.) ihren sechsten und bislang letzten Titel bei den US Open und zog damit mit Rekordhalterin Chris Evert (r.) gleich. Martina Navrátilová (l.) kommt auf vier Titel © Getty Images

Aber es sollte ihre jüngere Schwester Serena werden, die den ersten Grand Slam-Erfolg im Hause Williams feiern konnte. 1999 stürmte sie regelrecht ins Finale und ließ sich auch von großen Namen nicht beirren. In der dritten Runde schaltete sie die die spätere dreimalige US Open-Siegerin Kim Clijsters aus.

Im Achtelfinale bezwang sie Conchita Martínez in drei Sätzen, um dann im Viertelfinale Monica Seles ebenfalls in drei Sätzen niederzukämpfen. Im Halbfinale schaltete sie ihre Landsfrau Lindsay Davenport aus und wurde dafür mit dem Finaleinzug belohnt.

Dort traf sie ausgerechnet auf Martina Hingis, die ihrer Schwester zwei Jahre zuvor den Titel verweigert und sie in diesem Jahr schon wieder im Halbfinale bezwungen hatte. Aber die jüngere Williams sollte nun eine zu große Herausforderung für die Schweizerin werden.

Glatt in zwei Sätzen sicherte sich Serena den Titel. Vor allem der erste Satz war mit 6:3 eine wahre Demonstration ihres Könnens. "Ich war mental einfach voll da in diesem Moment", sagte sie im Rückblick auf diesen Erfolg.

Damals konnte noch niemand wissen, dass sie nach Erfolgen mit Chris Evert gleichziehen würde. Aber dass Serena Williams weitere Spuren bei den US Open hinterlassen würde, war schon klar zu erkennen.

5 Siege: Steffi Graf - Die Unbezwingbare

US Open-Siege: 1988, 1989, 1993, 1995, 1996

1988 - es war das Jahr, das Steffi Graf unsterblich machen sollte. Sie hatte bereits bei den Australien Open triumphiert und konnte auch die French Open und Wimbledon für sich entscheiden.

Nun fragten sich alle: Würde sie auch die US Open gewinnen und damit als dritte Frau den Grand Slam schaffen? Bisher konnten nur Don Budge, Maureen Connolly, Rod Laver und Margaret Court alle vier Grand Slam-Turniere binnen eines Jahres gewinnen. In der Open Era wäre es sogar erst das dritte Mal, dass dieses Kunststück gelänge.

1988 war Steffi Graf nicht zu schlagen. Bei den US Open machte sie den Grand Slam perfekt - später folgte noch der Golden Slam
1988 war Steffi Graf nicht zu schlagen. Bei den US Open machte sie den Grand Slam perfekt - später folgte noch der Golden Slam © Getty Images

Dementsprechend groß war auch die mediale Aufmerksamkeit und das Interesse der Zuschauer an der jungen Deutschen, die sich mit gerade einmal 19 Jahren aufschwang, den Tennis-Olymp zu erobern.

Doch trotz dieses Drucks erwies sich Graf als völlig unbeeindruckt von der historischen Chance. Bis ins Finale gab sie keinen einzigen Satz und gerade einmal 13 Spiele ab. Zwar profitierte sie im Halbfinale von der krankheitsbedingten Aufgabe Chris Everts, aber in ihrer überragenden Form wäre auch die Altmeisterin wohl nicht in der Lage gewesen, ihr Paroli zu bieten.

Damit kam es zu dem sehnlichst herbeigewünschten Finale. Das Arthur Ashe Stadium war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Alle wollten miterleben, wie sich Steffi Graf unsterblich machte.

Zu Beginn lief auch alles nach Plan. Gegen Gabriela Sabatini holte sich die junge Deutsche den ersten Satz mit 6:3. Doch die Argentinierin war nicht nur als Komparsin angetreten. Sie kämpfte sich in das Spiel zurück und holte Satz zwei mit 6:3. Nun musste Satz drei die Entscheidung bringen und das Publikum fragte sich, wie Graf diesen ersten Satzverlust im Turnier verarbeiten würde.

Sie tat es in ihrer unbeschreiblichen Art und Weise. Im dritten Satz explodierte die Mannheimerin geradezu und ließ ihrer Kontrahentin mit ihrer explosiven Vorhand und schnellen Beinarbeit nicht mal mehr den Hauch einer Chance. Mit 6:1 überrollte sie Sabatini regelrecht und war mit 19 Jahren in den Geschichtsbüchern des Tennissports verewigt.

Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand ahnen, dass sie selbst diesen historischen Erfolg noch übertrumpfen könnte. Aber bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul holte sie auch noch Gold im Dameneinzel und erfand damit den Golden Slam. Eine Leistung, die vor und nach ihr noch niemand wiederholen konnte.

4 Siege: Martina Navrátilová - Die Triple-Siegerin

US Open-Siege: 1983, 1984, 1986, 1987

Für viele Experten ist Martina Navrátilová die vielleicht beste Tennisspielerin aller Zeiten. Ihre 18 Grand Slam-Titel und 332 Wochen als Weltranglistenerste sind auf jeden Fall gewichtige Argumente in dieser Diskussion.

1987 war ihr Jahr: Mit den Erfolgen im Einzel, Doppel und Mixed machte sie das historische Triple bei den US Open perfekt
1987 war ihr Jahr: Mit den Erfolgen im Einzel, Doppel und Mixed machte sie das historische Triple bei den US Open perfekt © Getty Images

Aber egal, ob sie nun die beste Spielerin aller Zeiten ist oder nicht, einen unbestrittenen Höhepunkt ihrer Karriere setzte sie bei den US Open 1987. Die 30-Jährige krönte sich gegen Steffi Graf im Finale zur Siegerin im Einzel der Damen. Nach dem hart erkämpften 7:6 im ersten Satz, ließ sie ihrer Konkurrentin in Satz zwei nicht mal mehr den Hauch einer Chance. 6:1 stand es am Ende und die gebürtige Tschechoslowakin holte sich zum vierten und letzten Mal den Titel in Flushing Meadows.

Aber damit hatte sie noch lange nicht genug. Nur einen Tag später triumphierte sie mit ihrer Partnerin Pam Shriver auch im Damendoppel-Wettbewerb. Nach einem verlorenen ersten Satz und einem 1:4-Rückstand in Satz zwei drehten sie das Match gegen Liz Smylie und Kathy Jordan noch und Navrátilová konnte ihren zweiten US Open-Titel in diesem Jahr feiern.

Aber aller guten Dinge sind drei. Daher marschierte sie auch im Mixed-Wettbewerb mit dem Spanier Emilio Sanchez ins Finale. Dort musste sie erneut einen harten Fight gegen das amerikanische Team Betsy Nagelsen/Paul Annacone überstehen. 6:4, 6:7, 7:6 stand es nach einem nervenaufreibenden Schlagabtausch.

Damit hatte Martina Navrátilová eindeutig für das Highlight der 100. Ausgabe der US Open gesorgt und dieser Rekord ist bis heute nicht wiederholt worden.

Liste aller Sieger der US Open seit 1968

1968: Virginia Wade (Großbritannien)
1969: Margaret Smith Court (Australien)
1970: Margaret Smith Court (Australien)
1971: Billie Jean King (USA)
1972: Billie Jean King (USA)
1973: Margaret Smith Court (Australien)
1974: Billie Jean King (USA)
1975: Chris Evert (USA)
1976: Chris Evert (USA)
1977: Chris Evert (USA)
1978: Chris Evert (USA)
1979: Tracy Austin (USA)
1980: Chris Evert-Lloyd (USA)
1981: Tracy Austin (USA)
1982: Chris Evert-Lloyd (USA)
1983: Martina Navrátilová (USA)
1984: Martina Navrátilová (USA)
1985: Hana Mandlíková (Tschechien)
1986: Martina Navrátilová (USA)
1987: Martina Navrátilová (USA)
1988: Steffi Graf (Deutschland)
1989: Steffi Graf (Deutschland)
1990: Gabriela Sabatini (Argentinien)
1991: Monica Seles (Jugoslawien)
1992: Monica Seles Jugoslawien
1993: Steffi Graf (Deutschland)
1994: Arantxa Sánchez Vicario (Spanien)
1995: Steffi Graf (Deutschland)
1996: Steffi Graf (Deutschland)
1997: Martina Hingis ( Schweiz)
1998: Lindsay Davenport ( USA)
1999: Serena Williams (USA)
2000: Venus Williams (USA)
2001: Venus Williams (USA)
2002: Serena Williams (USA)
2003: Justine Henin-Hardenne ( elgien)
2004: Swetlana Kuznetsowa (Russland)
2005: Kim Clijsters (Belgien)
2006: Maria Scharapowa (Russland)
2007: Justine Henin (Belgien)
2008: Serena Williams (USA)
2009: Kim Clijsters (Belgien)
2010: Kim Clijsters (Belgien)
2011: Samantha Stosur (Australien)
2012: Serena Williams (USA)
2013: Serena Williams (USA)
2014: Serena Williams (USA)
2015: Flavia Pennetta (Italien)
2016: Angelique Kerber (Deutschland)
2017: Sloane Stephens (USA)
2018: Naomi Osaka (Japan)

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