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Angelique Kerber fühlt sich auch auf Rasen wohl
Angelique Kerber fühlt sich auch auf Rasen wohl © Getty Images
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München und Berlin - Bis 2008 war Berlin Heimat der German Open, bei denen auch Steffi Graf den Durchbruch schaffte. Nun plant die Hauptstadt ihr Tennis-Comeback. Mit einem Rasenturnier.

Seit über zehn Jahren ist Berlin mehr oder weniger von der Landkarte der internationalen Tennisszene verschwunden. Bis 2008 richtete der LTTC Rot-Weiß Berlin die renommierten German Open aus, ehe das seit 1979 ausgetragene Sandplatz-Turnier aufgrund finanzieller Probleme das Aus ereilte.

Nun plant die Hauptstadt die große Rückkehr in den Tenniszirkus - und das mit einem Paukenschlag.

Denn ab 2020 will Berlin ein WTA-Rasenturnier ausrichten. Dann sollen Angelique Kerber, Serena Williams und weitere Superstars den Klub im Stadtteil Grunewald beehren, um sich dort die Form für das Grand-Slam-Turnier in Wimbledon zu holen. Vom Lawn-Tennis-Turnier-Club in Berlin in den All England Lawn Tennis and Croquet Club nach London. 

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Wird Berlin also zum neuen Rasen-Mekka im Tennis? Die Chancen dafür stehen zumindest nicht schlecht. 

Berlin soll Lizenz der Mallorca Open bekommen 

Die Lizenz für ein solches Event auf der Damentour der Tennisprofis könnte von der spanischen Urlaubsinsel Mallorca nach Deutschland wandern. Seit 2016 finden dort ab Mitte Juni die Mallorca Open statt, ein Rasenturnier.

Turnierdirektor ist kein Geringerer als Toni Nadal. Der Onkel und ehemalige Trainer von Sandplatzkönig Rafael Nadal führte seinen Neffen einst in die Weltspitze und formte ihn zu einem der besten Spieler aller Zeiten, ehe er sich als dessen Trainer zurückzog. 

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Doch das Turnier im Country Club Santa Ponsa entwickelte sich in den letzten vier Jahren nicht wie gewünscht. Der Veranstalter, die "Emotion Management GmbH" um CEO Edwin Weindorfer, ist unzufrieden mit dem Event und will einen Standortwechsel.

Weindorfer ist auch für das ATP-Rasenturnier in Stuttgart verantwortlich und hat zudem mit seiner Vermarktungsagentur die Lizenz für das ATP-Turnier in Wien inne. Der Österreicher sagte im Juni der dpa: "Wir sind seit Monaten in Gesprächen mit Vertretern des Clubs, mit der WTA und mit Wimbledon. Berlin ist ein absolut interessanter Kandidat."    

Stadt Berlin unterstützt Pläne - aber nicht finanziell   

Und auch von Seiten der Berliner Politik gibt es Unterstützung für das Projekt. "Berlin hat großes Interesse daran, nach vielen Jahren wieder Austragungsort für ein hochkarätiges, internationales Tennisturnier zu werden. Solch eine Veranstaltung würde als Großevent das Portfolio der Sportmetropole Berlin bereichern", äußerte sich ein Sprecher der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport gegenüber SPORT1.

Auch die Wahl des Bodenbelags stößt dort auf Zustimmung: "Ein Damenwettbewerb als unmittelbare Vorbereitung auf das prestigeträchtigste Rasentennisturnier der Welt in Wimbledon bekommt man nicht alle Tage."  

Inwieweit es auch finanzielle Unterstützung seitens der Stadt für das WTA-Turnier geben wird, ist dagegen noch unklar. Hier ist die Behörde eher zurückhaltend. "Die Gespräche, ob die Durchführung eines solchen Turniers in Berlin möglich ist und welche Konditionen daran geknüpft werden, sind derzeit im Gange. Eine finanzielle Bezuschussung des Veranstaltungsbudgets ist seitens des Landes Berlin derzeit nicht vorgesehen", so der Senatsverwaltungssprecher weiter.

Es werde allerdings geprüft, inwieweit man sich organisatorisch und infrastrukturell beteiligen könnte.

Steffi Graf feierte in Berlin ihren Durchbruch 

Auch dem ausrichtenden Klub LTTC Rot-Weiß Berlin würde ein WTA-Turnier neuen Glanz verleihen. Allerdings müssten die Vereinsmitglieder der Umstellung von Sand auf Rasen noch zustimmen.

Nachdem der Klub - auch durch jahrelange Misswirtschaft - in der vergangenen Dekade in arge Geldnöte geriet, die Mitgliederzahlen rapide sanken und dem Mitte der 90er Jahre auf 7000 Zuschauerplätze ausgebauten Steffi-Graf-Stadion der Zerfall drohte, brachte der Berliner Ex-Davis-Cup-Spieler Markus Zoecke den strauchelnden Verein wieder nach oben.

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Anfang Oktober 2013 installierte Zoecke seine Tennisakademie bei Rot-Weiß und ist seitdem geblieben. Als Club- und Sportdirektor leitet er die Geschicke des LTTC. Auch Top-Talent Rudolf Molleker nahm Zoecke im Grunewald unter seine Fittiche. 

Auf SPORT1-Nachfrage wollte Zoecke sich noch nicht äußern und verwies darauf, dass nichts offiziell verkündbar sei.   

Und doch spricht einiges dafür, dass nach längerer Pause schon bald wieder Weltklasse-Damentennis beim LTTC Rot-Weiß geboten wird. An gleicher Stelle feierte übrigens eine gewisse Steffi Graf ihren Durchbruch. Mit erst 16 Jahren besiegte die Deutsche im Endspiel der German Open 1986 die damalige Weltranglistenerste Martina Navratilova. Es war der Start einer unglaublichen Karriere.

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