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Erst Steffi Graf (l.) konnte die Dominanz von Martina Navratilova brechen
Erst Steffi Graf (l.) konnte die Dominanz von Martina Navratilova brechen © Imago
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München - Martina Navratilova beendete heute vor 26 Jahren ihre Karriere - scheinbar. Bis heute hält sie unzählige Rekorde und ist eine präsente Figur geblieben.

Es war spät geworden in New York, der Abend des 15. November 1994 neigte sich dem Ende entgegen. Martina Navratilova wäre gerne in die Nacht verschwunden, um diesen denkwürdigen Tag in aller Ruhe ausklingen zu lassen.

Die Reporter aber, sie ließen sie einfach nicht gehen. Zu viele Fragen waren noch offen, zu wenige Anekdoten erzählt - und wer wusste schon, wie es nun ohne sie weitergeht?

Mehr als zwei Jahrzehnte lang hatte Navratilova den Tennissport geprägt, ehe sie mit 38 Jahren ihr vermeintlich letztes Einzelmatch auf der Profitour bestritt - das dann auch noch nicht das Ende sein sollte.

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Martina Navratilova "hat das Tennis revolutioniert"

17.131 Zuschauer, darunter ihre Eltern, verfolgten damals die scheinbare Abschiedspartie gegen Gabriela Sabatini im Madison Square Garden, sahen Navratilova zu, wie sie unentwegt ans Netz stürmte und feierten sie trotz der 4:6, 2:6-Niederlage.

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Ob sie sich ihren Abschied so erträumt hatte, damals als junges Mädchen in der Tschechoslowakei, wollte jemand wissen. "Nein", antwortete Navratilova, "damals wusste ich nicht, dass es überhaupt einen Madison Square Garden gibt." Die legendäre Arena an der Pennsylvania Station in Manhattan sollte sie erst später kennenlernen, als sie begann, die Tenniswelt auf den Kopf zu stellen.

167 Turniersiege im Einzel, 177 im Doppel, neun Einzelsiege in Wimbledon, 21 Jahre in Folge, in denen sie stets einen Titel gewann: All diese Navratilova-Rekorde sind bis heute unübertroffen. Auch mit ihren 18 Grand-Slam-Siegen insgesamt und ihren 332 Wochen auf Platz 1 der Weltrangliste (nur Steffi Graf regierte länger) ist sie in den ewigen Rankings weit vorn.

Martina Navratilova 1978 beim ersten ihrer neun Siege in Wimbledon
Martina Navratilova 1978 beim ersten ihrer neun Siege in Wimbledon © Imago

"Sie hat das Spiel revolutioniert", sagte Navratilovas einstige Erzrivalin Chris Evert. Derart austrainiert, offensiv und erfolgreich hatte noch keine Frau Tennis gespielt.

Outing als lesbisch geschah unfreiwillig

Angriffslustig ging sie auch außerhalb des Platzes zu Werke, etwa bei manch deplatzierten privaten Fragen.

Ob ihr Erfolg etwas mit ihrer Homosexualität zu tun hätte, fragte etwa einer der Reporter in New York. "Glaubst du etwa, der Ball hat Angst vor mir, weil ich lesbisch bin?", antwortete Navratilova genervt: "Ich wusste nicht einmal, dass ich lesbisch bin, als ich angefangen habe. Mein Gott!"

Nach ihrem erzwungenen Outing - ein US-Journalist hatte Navratilovas Geheimnis 1981 veröffentlicht, obwohl sie ihn um Verschwiegenheit gebeten hatte - hatte sie sich bei dem Thema Schlagfertigkeit angewöhnt.

Bis heute präsent - jetzt auch als Serienstar

Navratilovas große Zeit endete in den Neunzigern, Steffi Graf brach ihre Vorherrschaft gebrochen, Monica Seles erhöhte - bevor das Messer-Attentat von Günter Parche sie aus der Bahn warf - das Tempo von der Grundlinie ein weiteres Mal. Den letzten ihrer Wimbledonsiege feierte Navratilova 1990. Dass sie 1994 noch einmal auf dem Heiligen Rasen das Finale erreichte, erstaunte sie selbst mehr als die Zuschauer.

Sechs Jahre später kehrte sie erfolgreich im Doppel und Mixed zurück, 2002 spielte sie nach einer verlorenen Wette auch wieder Einzel. Erst 2006, nach einem letzten Mixed-Titel mit Bob Bryan bei den US Open, war endgültig Schluss, kurz vor ihrem 50. Geburtstag.

Martina Navratilova mit Partnerin Julia Lemigova bei der Premiere von "The Politician"
Martina Navratilova mit Partnerin Julia Lemigova bei der Premiere von "The Politician" © Imago

Als öffentliche Figur präsent geblieben ist sie bis heute: Navratilova trat als TV-Expertin in Erscheinung, als politische Aktivistin und auch als Schauspielerin. Zuletzt wirkte sie in der satirischen, von Netflix produzierten Serie "The Politician" mit, als Pferdetrainerin und Liebhaberin der von Gwyneth Paltrow gespielten Mutter der Titelfigur.

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Mit Sportinformationsdienst (SID)

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