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München - Ein Transfer von Timo Werner zum FC Bayern gilt fast schon als beschlossene Sache. Die Frage ist: Kann er dem Rekordmeister überhaupt helfen?

Es war bis dato das "größte Spiel ihrer Karriere". Endspiel um die deutsche Meisterschaft der U17 im Jahr 2012. VfB Stuttgart gegen Hertha BSC. Joshua Kimmich und Timo Werner gemeinsam in der Startelf.

Am Ende stand eine 0:2-Niederlage, auch, weil "Timo und ich die Chancen der Reihe nach verballert haben", wie Kimmich später erzählt.

Seit sie 13 Jahre alt sind, kennen sie sich, heute sind beide in der Nationalmannschaft angekommen. Das Standing könnte jedoch unterschiedlicher kaum sein.

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Werner mit Problemen im Nationalteam

Während Kimmich lautstark und gestenreich unaufhaltsam Richtung Führungsspieler strebt, ist Werner einer der ersten Verlierer des neuen Länderspieljahres.

Der Torschützenkönig des Confed Cup steckt im Formtief, gegen die Niederlande saß er 90 Minuten auf der Bank. Seit dem letzten Hinrundenspiel, als die Diskussionen um seine sportliche Zukunft so richtig Fahrt aufnahmen, hat Werner nur ein Tor erzielt.

Dennoch deutet vieles darauf hin, dass die beiden ehemaligen Stuttgarter in naher Zukunft beim besten Klubs Deutschlands wieder vereint sein werden. Lediglich die Ablösesumme scheint noch offen.

Doch während Kimmich auch in München bereits als künftiger Kapitän gehandelt wird, stellt sich bei Werner die Frage, ob er überhaupt zum FC Bayern passt.

Lewandowski blockiert Sturmspitze

Der 23-Jährige ist Mittelstürmer, dort sieht er sich selbst und fühlt sich nach eigener Aussage auch am wohlsten. 27 Pflichtspiele hat er für RB Leipzig in dieser Saison absolviert (14 Tore, drei Vorlagen), 25 Mal lief er im Sturmzentrum auf.

Das Problem: Bei den Bayern ist dieser Platz mit Robert Lewandowski besetzt. Dem Mann, der bereits drei Mal Torschützenkönig in der Bundesliga wurde, den Karl-Heinz Rummenigge in eine Kategorie mit Gerd Müller einordnet - und der so gut wie nie verletzt ist.

Die logische Schlussfolgerung ist, dass Werner bei den Bayern auf die Außenpositionen ausweichen müsste.

Werner über Außen?

Gänzlich neu wäre das nicht, auch unter Joachim Löw beackerte er im Nationalteam bereits die jeweiligen Flügel.

Ohnehin interpretiert Werner sein Spiel anders als ein klassischer Torjäger. "Ich bin ein Spieler, der ungern einfach in der Mitte rumsteht und wartet - ich suche auch gerne meine Wege nach außen und schaffe mir Platz", beschreibt er seinen Stil.

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Große Konkurrenz auf dem Flügel

Platz im Bayern-Kader gibt es aber auch auf dieser Planstelle nur bedingt. Mit Kingsley Coman und Serge Gnabry haben die Münchner Robbery der Zukunft schon gefunden. Alphonso Davies ist ebenfalls schon da. Dazu soll nach wie vor Callum Hudson-Odoi kommen. Auch Nicolas Pepe wird hoch gehandelt.

Alles Spieler aus der Kategorie Tempodribbler, die im Fußball der Neuzeit so eminent wichtig sind. Werner hat zwar auch eine Menge Tempo, von einem Messi-esquen Dribbler ist er angesichts nicht ganz so ausgeprägter technischer Fähigkeiten allerdings doch ein gutes Stück entfernt.

Wird Bayern für Werner also zwangsläufig zur Sackgasse?

Kovac wäre Werners Hoffnung

Nicht, wenn es Niko Kovac in der zweiten Saison gelingt, das umzusetzen, wovon er aufgrund der sportlichen Situation Abstand nehmen musste.

Der neue Trainer war mit dem klaren Ziel angetreten, den Münchnern mehr taktische Flexibilität einzuimpfen und verschiedene Systeme spielen zu können.

Unter anderem eine Dreier- beziehungsweise Fünferkette, die er in Frankfurt favorisiert hatte. Zumeist schickte er sein Team dort im 3-5-2 oder 3-4-1-2 auf den Rasen.

In 30 von 34 Spielen agierten die Hessen ohne Viererkette - stattdessen aber mit zwei Spitzen. So, wie es Werner schon aus Leipzig kennt.

Auch ein 3-4-2-1 wäre denkbar, Werner könnte dabei hinter Lewandowski eine der Halbpositionen übernehmen. Werner und Lewandowski also, statt Werner oder Lewandowski.

Werner ideal für Bayerns neuen Stil?

Zudem ist bei Kovac eine schrittweise Abkehr vom über Jahre in München implementierten dominanten Ballbesitzspiel zu erkennen. Insbesondere gegen Liverpool, aber auch in der Bundesliga wurde das das eine oder andere Mal deutlich.

Kovac bevorzugt ein schnelles Umschaltspiel aus einer defensiveren Position heraus, um Platz für Konter in die Tiefe zu haben. Ähnlich wie Frankreich bei der WM - und wie gemacht für Werner.

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"Bayern spielt nicht immer druckvoll nach vorne. Sie lassen sich ja auch mal zurückfallen. Und dann ist Werner schon ein sehr, sehr guter Spieler im Umschaltspiel", sagte Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel kürzlich im CHECK24 Doppelpass.

"Er ist der wohl beste deutsche Stürmer, und der FC Bayern verpflichtet immer sehr sehr gute deutsche Spitzenkräfte. Ich glaube, egal in welchem System Niko spielen wird, Timo Werner wird immer seinen Platz finden."

Oder wie es Joshua Kimmich mal beschrieb: "Timo Werner ist eine absolute Waffe!"

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