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München - Achraf Hakimi wird den BVB Richtung Mailand verlassen. Dabei hätten die Westfalen den Rechtsverteidiger wohl unter Marktwert bekommen. SPORT1 erklärt die Hintergründe.

Zwei Jahre lang ist Achraf Hakimi die rechte Seite von Borussia Dortmund auf und ab gesprintet. 

Gelegentliche Unsicherheiten in der Rückwärtsbewegung kompensierte der Marokkaner durch seinen unbändigen Offensivdrang. Zwölf Treffer und 17 Torvorbereitungen stehen seitdem auf seinem Tableau, dank seiner Geschwindigkeit verkörpert der 21-Jährige den Prototypen des modernen Außenverteidigers.

Für die BVB-Fans heißt es nun aber Abschied zu nehmen, das wurde am Freitag bekannt. Zwar steht die offizielle Verkündung noch aus, doch SPORT1 kann die Meldungen bestätigen, die in italienischen Medien kursieren: Hakimi wird zu Inter Mailand wechseln - dem Vernehmen nach für 40 Millionen Euro.

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40 Millionen für einen Spieler, der laut transfermarkt.de 54 Millionen wert ist?

"Wissen, was wir bei Hakimi machen können - und was nicht"

Was auf den ersten Blick wie ein echtes Schnäppchen aussieht, dürfte der erste Hinweis auf die viel diskutierte Transfermarkt-Begradigung in der Coronazeit sein. 

Der CHECK24 Doppelpass mit BVB-Boss Hans-Joachim Watzke am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1 

Die Westfalen hätten dank eines Matching Rights zwar die Möglichkeit gehabt, Hakimi für die gleiche Summe zu verpflichten, doch die Verantwortlichen winkten ab. 

Dass der Rechtsverteidiger, den der BVB für zwei Jahre von Real Madrid ausgeliehen hatte, weiterhin in Dortmund bleibt, genoss spätestens nach der Verpflichtung von Thomas Meunier nicht mehr höchste Priorität. 

"Wir wissen, was wir im Fall Hakimi machen können und was wir nicht machen können", sagte Sportdirektor Michael Zorc bei SPORT1. "Wir sind in engem Kontakt mit Real Madrid. Für ein paar Tage ist er ja noch unser Spieler." 

Inter profitiert von den Icardi-Millionen 

Beim Wunsch der Borussia, den Nationalspieler Marokkos noch ein weiteres Jahr auszuleihen, senkte Real den Daumen - und bei Inters 40-Millionen-Angebot konnte und wollte der BVB nicht mithalten. Nach SPORT1-Informationen hätten die Schwarzgelben maximal die Hälfte bezahlt - eben, weil die finanzielle Lage durch Corona derzeit nicht mehr zulässt. 

Dass Inter, in der Hand des chinesischen Einzelhandelsriesen Suning Commerce, die 40 Millionen Euro dennoch problemlos nach Madrid überweisen kann, liegt an zwei Faktoren. Einerseits haben die Nerazzurri dank der 50-Millionen-Ablöse von Mauro Icardi genügend Puffer zur Verfügung - andererseits profitieren italienische Klubs von einem Gesetz, das es ihnen ermöglicht, Zugänge aus dem Ausland mit Steuervergünstigungen unter Vertrag zu nehmen. 

Was Hakimi draufhat, konnten die Mailänder zu ihrem Leidwesen hautnah erleben: Ausgerechnet der Noch-Borusse schoss seinen künftigen Verein in der aktuellen Champions League aus dem Wettbewerb. Dank seines Doppelpacks feierte der BVB einen 3:2-Sieg im entscheidenden Vorrunden-Spiel in Dortmund. 

Dass es beim Bundesligazweiten durch den bevorstehenden Abgang zu einen Leistungsabfall kommen wird, ist indes nicht zu erwarten - schließlich hatte Zorc schon vorgesorgt. Dank Meuniers ablösefreiem Wechsel von Paris Saint-Germain zur Borussia hat Cheftrainer Lucien Favre auch in der kommenden Saison einen internationalen Topstar auf der rechten Abwehrseite zur Verfügung.  

Morey und Piszczek als Alternative

Zudem entwickelte sich der 20 Jahre alte Mateu Morey in der ablaufenden Saison zu einer echten Alternative. Offenbar ist sich die Dortmunder Vereinsspitze darüber einig, dass man mit der Kombination aus einem erfahrenen Spieler mit internationaler Klasse wie Meunier und dem hochtalentierten Spanier für die Zukunft bestens aufgestellt ist.

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Zudem steht auch noch Oldie Lukasz Piszczek für ein weiteres Jahr zur Verfügung. 

Primär setzt der BVB allerdings auf die Dienste von Neuzugang Meunier. Die Hoffnung ist groß, dass der Belgier seine Schnelligkeitsdefizite gegenüber Hakimi durch die größere Erfahrung wettmacht. Und dass die BVB-Fans dem künftigen Inter-Star nicht doch noch ein paar Tränen nachweinen müssen. 

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