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München - Die finanziellen Auswirkungen der Pandemie lassen die Vereine in diesem Transfersommer sparen. Das hat zur Folge, dass bestimmte Spieler unverkäuflich werden.

Die Corona-Krise hat nicht nur die Spielpläne der europäischen Fußballligen durcheinander gewirbelt, sondern auch den Transfermarkt.

Aufgrund der sinkenden Einnahmen durch leere Stadien sowie wegfallende Sponsorengelder ist bei den meisten Vereinen momentan trotz laufender Sommer-Transferperiode sparen angesagt.

Die Folge: Spieler wie Gareth Bale, den Real Madrid gerne abgeben würde, oder Harry Kane, der wohl gerne den nächsten Karriereschritt machen würde, müssen bis auf Weiteres bei ihren Vereinen ausharren. Zum Unmut des Vereins, wie im Falle von Bale, oder des Spielers, wie im Falle von Kane.

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Eine Ausnahme stellt diesen Sommer Alexis Sanchez dar. Der Chilene, der aufgrund seines astronomischen Gehalts (soll bei 18,2 Millionen Pfund gelegen haben) beim FC Arsenal als nicht vermittelbar galt, hat bei Inter Mailand ein neues Zuhause gefunden. Nicht unwahrscheinlich jedoch, dass der Sanchez-Transfer eine Ausnahme bleibt. SPORT1 präsentiert die Unverkäuflichen.

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Gareth Bale (Real Madrid):

Für rund 100 Millionen Euro wechselte Bale im Sommer 2013 zu den Königlichen. Nach erfolgreichen Anfangsjahren in der spanischen Hauptstadt unterschrieb Bale 2016 einen neuen langfristigen Vertrag bis 2022. Der Vertrag soll inklusive Bonuszahlungen mit knapp 170 Millionen Euro dotiert sein. Allein Bales Jahresgehalt soll bei 15 Millionen Euro liegen. Ziemlich viel Geld für einen Reservespieler.

Denn der Waliser spielt spätestens seit der Saison 2019/20 kaum mehr eine Rolle beim spanischen Meister. Aufgrund von anhaltenden Spannungen mit Real-Trainer Zidane kam der Waliser in dieser Saison nur in 16 Liga-Spielen zum Einsatz. Statt durch Topleistungen sorgte Bale immer wieder durch Fehltritte abseits des Platzes für negative Schlagzeilen.

Beispiel gefällig? Beim Ligaspiel gegen den FC Granada stellte sich Bale auf der Tribüne schlafend nachdem er erfahren hatte, dass er nicht zum Einsatz komme würde. 

Mesut Özil (FC Arsenal):

Wie Bale wechselte auch Özil im Sommer 2013 letzmals seinen Verein. Damals kehrte er Real Madrid den Rücken und schloss sich dem FC Arsenal an. Bei den Gunners trumpfte Özil zu Beginn groß auf. Kein Spieler in der Premier-League-Geschichte brauchte weniger Spiele, um 50 Torvorlagen zu geben. Gemeinsam mit Alexis Sanchez gewann Özil 2014, 2015 und 2017 den FA Cup.

In der Folgezeit geriet Özil immer häufiger in die Kritik. Immer wieder wurde dem Weltmeister vorgeworfen, kein "Big-Game-Player" zu sein. Özil sei in den großen Spielen nicht zur Stelle, so der Konsens der englischen Medien. Trotzdem verlängerte der FC Arsenal 2018 seinen Vertrag um drei weitere Jahre. Rückblickend betrachtet ein Fehler.

Denn wie Sanchez zuletzt bei Manchester United soll auch Özil umgerechnet rund 20 Millionen Euro allein an fixem Jahresgehalt bekommen. Kein Wunder also, dass der ehemalige Nationalspieler einem Wechsel in diesem Sommer einen Riegel vorschiebt. Und dass obwohl Özil sowohl unter Unai Emery als auch Mikel Arteta keine Rolle spielte. Beim FA-Cup-Finale gegen Chelsea stand der 31-Jährige nicht einmal im Kader.

Neymar (Paris Saint-Germain):

2017 wechselte Neymar für etwa 220 Millionen Euro vom FC Barcelona zu PSG. Gekommen, um mit den Parisern die Champions League zu gewinnen, schieden die Franzosen jedoch in den ersten drei Saisons mit Neymar jeweils bereits im Achtelfinale aus. Auch wenn es dieses Jahr besser aussieht (PSG steht nach einem 2:0 im Rückspiel gegen Dortmund im Viertelfinale), soll Neymar bereit sein, seine Segel in Paris wieder zu streichen.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll Neymar weiter an einer Rückkehr zum FC Barcelona interessiert sein. Sein ehemaliger Teamkollege Luis Suarez sprach sich jüngst für eine Verpflichtung des Brasilianers aus: "Ich denke, dass alle großen Spieler willkommen sind, und jeder weiß, was für ein Spieler Ney ist." Das Problem: Barca kann sich Neymar momentan wohl nicht leisten.

Um den Brasilianer in dieser Transferperiode loseisen zu können, müsste man einen hohen dreistelligen Millionenbetrag hinblättern. Viel Geld, das der FC Barcelona nach den Verpflichtungen von Coutinho und Griezmann in den letzten Jahren nicht hat. Hinzu kommt, dass Neymar momentan jährlich satte 36,8 Millionen Euro bei PSG verdienen soll.

2022 läuft der Vertrag des Brasilianers aus. Ein Wechsel 2021 gilt als deutlich wahrscheinlicher. Denn dann wäre PSG gezwungen, Neymar zu verkaufen, um noch eine Ablösesumme für den Angreifer zu bekommen.

Antoine Griezmann (FC Barcelona):

Der Weltmeister von 2018 wechselte im Sommer vergangenen Jahres zu den Katalanen, wurde in seiner ersten Saison beim FC Barcelona jedoch noch nicht glücklich. Für 120 Millionen Euro von Atlético Madrid gekommen, kam Griezmann sowohl unter Ernesto Valverde als auch Quique Setién immer wieder auf dem Flügel zum Einsatz.

Auf dieser Position wusste der Franzose jedoch nur selten zu überzeugen, wirkte in manchen Spielen wie ein Fremdkörper. Das hat auch der derzeitige Barca-Trainer erkannt. "Es ist schwierig ihn aufzustellen, ohne die Mannschaft zu destabilisieren", sagte Setién. Mit nur neun Toren in 35 Liga-Einsätzen blieb Griezmann bislang hinter den hohen Erwartungen der Fans zurück.

Angesichts des Vertrags bis 2024 steht Barca nicht unter Zugzwang, den Franzosen wieder verkaufen zu müssen. Gleichzeitig erschwert dies aber auch eine mögliche Veräußerung. Denn dass ein Verein während der Corona-Krise bereit ist, einen dreistelligen Millionenbereich für einen 29-Jährigen auf den Tisch zu legen, ist kaum vorstellbar.

Kepa Arrizabalaga (FC Chelsea):

In die Kategorie "Missverständnis" ist Chelsea-Torwart Kepa Arrizabalaga einzuordnen. Im Sommer 2018 für 80 Millionen Euro von Athletic Bilbao gekommen, wusste der Spanier auf der Insel nie dauerhaft zu überzeugen. Nach mehreren Patzern in dieser Saison wurde er für den Saisonendspurt gar von Trainer Frank Lampard auf die Bank gesetzt.

Im FA-Cup-Finale musste Kepa Oldie Willy Caballero den Vortritt lassen. Ein klares Zeichen von Lampard an den Spanier, dessen Zukunft beim FC Chelsea fraglicher denn je ist.

Medienberichten zufolge soll Lampard bereits eine Liste an potenziellen Nachfolgern erstellt haben, im Falle eines Verkaufs des Torhüters. Und das, obwohl Kepa noch bis 2025 bei den Blues unter Vertrag steht. Unklar ist, ob die Blues einen neuen Torhüter verpflichten werden, falls Kepa bleibt. Nach dessen schwacher Saison dürfte es dem Londoner Klub jedoch nicht leicht fallen, den Spanier ohne allzu großen Verlust wieder zu verkaufen.

Harry Kane (Tottenham Hotspur):

Seit 2011 im Verein, ist Harry Kane auf dem besten Wege, eine Klublegende bei den Spurs zu werden. Doch der Engländer hat andere Pläne. Denn obwohl es für die Spurs auch dank Kane in den letzten Jahren gut lief, gewannen sie auch in der abgelaufenen Saison keinen nennenswerten Titel. Deshalb soll Harry Kane an einem Wechsel zu einem Topklub mit Titelambitionen interessiert sein.

Bereits in den vergangen beiden Jahren soll Real Madrid seine Fühler nach dem Stürmer ausgestreckt haben. Nun ist wohl auch der Spieler bereit, die Spurs zu verlassen.

Kane befindet sich mit seinen 27 Jahren im besten Fußballer-Alter, hat noch dazu in den letzten Jahren sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene überzeugt. Doch dies macht ihn alles andere als erschwinglich, selbst für Europas Fußball-Elite.

Hinzu kommt, dass Kane noch bis 2024 vertraglich an die Spurs gebunden ist und diese nicht beabsichtigen, den Stürmer zu verkaufen. Sollten die Spurs wider Erwarten tatsächlich ein lukratives Angebot für den Stürmer erreichen, dürfte Kane schwer zu halten sein. Denn dessen Wechselwunsch wird sich durch das Verpassen der Champions-League-Qualifikation noch einmal verstärkt haben.

Philippe Coutinho (FC Barcelona):

Der zweite Barca-Spieler in der Liste teilt ein ähnliches Schicksal wie Griezmann. Ebenso für eine Ablöse jenseits der dreistelligen Millionenmarke verpflichtet, konnte Coutinho sein Preisschild bislang nicht rechtfertigen. Nach einer enttäuschenden Debüt-Saison war der Brasilianer in der abgelaufenen Saison an den FC Bayern ausgeliehen.

Beim Rekordmeister wusste der 28-Jährige zwar phasenweise zu überzeugen, angesichts der vereinbarten Kaufoption in Höhe von 120 Millionen Euro nahm der FC Bayern jedoch Abstand von einer Verpflichtung des offensiven Mittelfeldspielers. Sein Jahresgehalt, das bei rund 13 Millionen Euro netto liegen soll, könnte zudem weitere potenzielle Abnehmer abschrecken.

Inzwischen soll der FC Arsenal an einem Kauf interessiert sein. Wie der Independent berichtet, steht sogar ein Deal im Raum, der die Gunners lediglich neun Millionen Pfund (10 Millionen Euro) kosten würde.

David de Gea (Manchester United):

David de Gea galt vor nicht all zu langer Zeit als bester Torhüter der Welt. Doch spätestens im Laufe dieser Saison hat der Spanier diesen Status gänzlich verloren.

Über viele Jahre hinweg als sicherer Rückhalt von den United-Fans gefeiert, schlichen sich in den vergangenen beiden Jahren bei de Gea verstärkt Fehler in sein Spiel ein. Immer wieder hatte er bei Schüssen in Richtung seines Torwartecks das Nachsehen. Daher ist der 29-Jährige nicht mehr unumstritten bei den Fans der Red Devils.

Zum wackligen Stuhl de Geas trägt außerdem bei, dass mit dem zuletzt an Sheffield United verliehenen Dean Henderson ein potenzieller Nachfolger im Kader der Red Devils steht, der seine Klasse in der abgelaufenen Saison eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Interessenten könnten jedoch angesichts eines Jahresgehalts von schätzungsweise 10,4 Millionen Pfund sowie einem bis 2023 gültigen Vertrag von einer Verpflichtung des Spaniers absehen. 

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