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Kailua-Kona und München - Jan Frodeno gelingt beim Ironman auf Hawaii ein märchenhaftes Comeback. Zwei Ex-Triathleten erklären, was hinter dem Erfolg und der deutschen Dominanz steckt.

Als Jan Frodeno auf dem Ali'i Drive mit letzter Kraft die Arme ausbreitete und seine Freude herausschrie, war klar: Der König von Hawaii kommt auch in diesem Jahr aus Deutschland.

"Ich habe hier schon tolle und auch schon ganz schwere Tage erlebt. Aber so einen Tag habe ich mir immer gewünscht", sagte der 38-Jährige.

Er hatte beim Wimbledon des Triathlons das Zielband nach 7:51:13 Stunden in die Hände genommen und die 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen damit so schnell wie noch kein anderer Mensch zuvor überwunden.

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Verletzungen prägten Frodeno

"Er ist so dominant", schwärmt Ex-Triathlet Normann Stadler im Interview mit SPORT1. "Er ist schon ewig dabei - und wo er antritt, ist er eigentlich ungeschlagen."

Dass er auch tatsächlich antritt, stand aber immer wieder in den Sternen. Denn zu starten war Frodeno nicht immer möglich. Das lag stets an Verletzungen, die sich gerade in den letzten Jahren häuften und immer hartnäckiger wurden.

Auch im letzten Jahr hatte er bei der Weltmeisterschaft nur zusehen können. Auf Krücken verfolgte er an der Seitenlinie, wie Patrick Lange den Streckenrekord aufstellte, den Frodeno jetzt gebrochen hat.

Jan Frodeno feiert nach dem Einlauf ins Ziel
Jan Frodeno feiert nach dem Einlauf ins Ziel © Getty Images

Ein unglaubliches Comeback, das er auch seiner Ehefrau Emma zu verdanken hat. Die Australierin war ebenfalls Triathletin und unterstützt ihren Gatten, wo sie nur kann. "Sie bilden gemeinsam mit den professionellen Betreuern ein eingespieltes Team", verrät Stadler.

Frodeno "hat keine Schwächen"

Seine historische Leistung ist mit dem Hintergrund der vielen Verletzungen noch beeindruckender. "Nach den letzten zwei Jahren stand für ihn ganz viel auf dem Spiel", betont Stadler. "Er hat womöglich schon daran gedacht, aufzuhören und zurückzutreten."

Doch Frodeno ist ein Kämpfer: "Man hat gesehen, dass er noch brennt und sein Körper es noch drauf hat. Jetzt hat er es allen gezeigt", meint der 46-Jährige.

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Das Rezept, das Frodeno zu dieser Höchstleistung brachte, ist ebenso einfach wie außergewöhnlich: "Jan hat keine Schwäche. Vom Schwimmen übers Radfahren bis zum Laufen. Er ist mit seiner Schwimmgruppe ja auch fast einen Rekord geschwommen", schwärmt Stadler, der 2004 und 2006 selbst auf Hawaii triumphierte.

Deutsche Dominanz auf Hawaii

Frodeno ist dieses Kunststück nach 2015 und 2016 nun zum dritten Mal gelungen. Damit hat er die deutsche Dominanz auf der Inselkette im Pazifischen Ozean untermauert.

Sebastian Kienle hatte die Siegesserie im Jahr 2014 angestoßen, in den letzten beiden Jahren hatte Lange auf Hawaii gewonnen, der dieses Mal fiebergeschwächt aufgeben musste.

So beeindruckend die Leistungen der Deutschen schon in den letzten Jahren waren, mittlerweile werden sie fast unheimlich.

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Denn der erfolgreichste Tag der deutschen Ironman-Geschichte hatte neben Frodenos Sieg auch noch den Erfolg von Anne Haug zu bieten. Erstmalig in der Geschichte sicherten sich damit zwei deutsche Athleten den Sieg in Kailuna-Kona.

Wenn es nach Stadler geht, ist der historische Tag auch wegen der deutschen Mentalität zustande gekommen: "Wir haben diese deutschen Tugenden, wir können uns quälen, anstrengen und hart arbeiten."

Triathlon ist Tradition

Die großen Erfolge geben dem Sport in Deutschland zunehmend neue Begeisterung, die Aufmerksamkeit für den Ironman ist aber schon seit Jahren da.

"Der große Punkt ist die Tradition. Wir haben so viele gute Trainer und Athleten und wir haben inzwischen auch eine große mediale Berichterstattung", meint Faris Al-Sultan im Interview mit SPORT1. Auch der 41-Jährige ist ein ehemaliger deutscher Triathlet, der auf Hawaii gewonnen hat.

"Der Triathlon-Sport ist in Deutschland sowas von gesetzt", betont Stadler.

Es ist eine Tradition entstanden, die echten Typen zu verdanken ist. Typen wie Stadler, Al-Sultan, Kienle und Lange. Und eben Frodeno sowie Haug. "Der Sport steht und fällt mit Gesichtern", glaubt Stadler.

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Mit Frodeno könnte eines der Gesichter bald verschwinden, immerhin sind 38 Jahre für einen Leistungssportler nicht nur eine Zahl. "Kein einziger Athlet kann über einen langen Zeitraum Rennen auf so einem Niveau machen", weiß Al-Sultan aus Erfahrung. "Das geht einfach nicht."

Frodeno-Zukunft offen

Ob Frodeno die Triathlon-Bühne nach seinem großen Comeback verlässt, ist offen.

"Es würden sich bestimmt viele freuen, wenn er aufhört", meint Stadler mit Blick auf die Konkurrenz lachend. "Aber ich glaube, er hat einfach noch zu viel Spaß am Sport."

Und zudem hätte der König von Hawaii im nächsten Jahr noch einen Titel zu verteidigen.

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