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München - Jahrelang wurden die Cleveland Browns nur verspottet. Der neue General Manager krempelt erfolgreich um. Mit Baker Mayfield und Odell Beckham ist alles möglich.

Als Fan der Cleveland Browns braucht man ein ganz dickes Fell.

Kaum ein Twitter-User oder Comedian, der keinen lockeren Spruch über die fast schon sprichwörtliche Unfähigkeit des NFL-Traditionsteams auf Lager hatte.

Den Spott erarbeiteten sich die Browns allerdings sehr hart. Zwischen 2003 und 2017 schafften sie es ganze zweimal, eine Saison mit weniger als zehn Niederlagen zu beenden. Der letzte Playoff-Sieg 1994 ging noch auf das Konto von Coach Bill Belichick. Coach Hue Jackson schaffte es 2016 und 2017 sogar gerade einmal, ein Spiel von 32 zu gewinnen.

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Doch plötzlich ist alles anders. Spätestens mit dem Monster-Trade von Megastar Odell Beckham jr. sind die Browns das It-Team der NFL und werden von den Zockern in Las Vegas als Super-Bowl-Kandidat gehandelt. Dieser Umschwung ist vor allem einem Mann zu verdanken.

Browns-Star: "John Dorsey ist ein Genie"

"John Dorsey ist offiziell ein Genie", twitterte Clevelands Defensive Back Damarious Randall. Dorsey ist der seit 2017 amtierende General Manager der Browns.

Der Ex-Spieler lernte bei den Green Bay Packers seit 1991 das Gewinner-Gen kennen und wie man ein Siegerteam aufbaut. Bei den Chiefs zum ersten Mal in der Verantwortung lief für ihn noch nicht alles rund, aber in Cleveland hat er bisher ein glückliches Händchen.

Er schaffte es, den vorhandenen talentierten Spielern wie David Njoku oder Myles Garrett noch mehr Potenzial hinzuzufügen und gleichzeitig der gesamten Franchise eine ganz neue Mentalität einzuimpfen.

Mayfield, Chubb, Landry als Volltreffer

Dafür war vor allem Quarterback Baker Mayfield verantwortlich. Der Spielmacher galt vor dem Draft 2018 keinesfalls als sicherer erster Pick, aber Dorsey schlug bei dem Gewinnertyp mit der feurigen Persönlichkeit zu.

Vor allem nach der Entlassung von Hue Jackson, der zunächst noch Tyrod Taylor den Vorzug gegeben hatte, starteten die Browns durch. Rookie Nick Chubb drehte nach dem Trade von Carlos Hyde nach Jacksonville richtig auf.

Receiver Jarvis Landry kam aus Miami, den gefloppten Spielmacher DeShone Kizer schickte er nach Green Bay und bekam dafür jenen Randall. Auch die anderen Draftpicks wie Denzel Ward waren deutliche Verstärkungen.

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Kitchens bringt Offense in die Spur 

Auch die Entscheidung für Defensivspezialist Gregg Williams als Head Coach und Freddie Kitchens als Offensive Coordinator waren goldrichtig. Unter diesem Duo gewannen die Browns fünf der letzten acht Spiele - so viele wie zuvor in drei kompletten Saisons nicht. Kitchens ist jetzt der Boss und bekommt mit Beckham eine weitere Waffe.

"Freddie war für uns die richtige Entscheidung. Er hat sein ganzes Leben dem Football gewidmet, er ist ein Anführer, integer und immer offen für neue Ideen. Er hat eine große Vision für dieses Team", lobt Dorsey.

Browns im "Win Now"-Modus

Mit Beckham und Defensive Tackle Sheldon Richardson (kommt aus Minnesota) schalten die Browns von Neuafbau in den "Win Now"-Modus.

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Die Offense sieht richtig explosiv aus. Beckham bildet mit Landry, seinem College-Teamkollegen aus LSU-Tagen, ein fantastisches Duo. Gemeinsam mit Mayfield trainierten sie bereits 2018 im Sommer in Kalifornien.

Ihr früherer Receiver-Coach Adam Henry macht diesen Job jetzt auch bei den Browns. Diese Beziehungen sollten OBJ den Abschied aus der Metropole New York etwas versüßen, auch wenn Cleveland dieser Glamour-Faktor natürlich abgeht.

Nur Patriots und Chiefs größere Super-Bowl-Favoriten

Dazu kommen Chubb, Duke Johnson, der starke junge Tight End Njoku und der in Kansas City wegen seines Ausrasters gegenüber einer Frau gefeuerte Kareem Hunt.

Die Verteidigung wurde neben Richardson auch noch mit Olivier Vernon (ebenfalls von den Giants) verstärkt. Die Defensive Line dürfte der Konkurrenz den Angstschweiß auf die Stirn treiben.

Aktuell gibt Las Vegas nur den Patriots und Chiefs in der AFC bessere Super-Bowl-Chancen.

AFC North blutet aus

In der AFC North ist das jahrelange Kellerkind ohnehin plötzlich der Topfavorit. Platzhirsch Pittsburgh hat Antonio Brown und Le'Veon Bell verloren, den Baltimore Ravens sind trotz der Zugänge Earl Thomas und Mark Ingram scharenweise Free Agents weggelaufen und die Bengals? Nun ja…

Die Vorgänge bei der Konkurrenz blieben Dorsey natürlich nicht verborgen, auch deshalb greift er zu den aggressiven Moves und verpulvert einige Draftpicks.

Das und ein oftmals nicht ganz einfacher Typ wie Beckham stellen natürlich auch ein Risiko dar, aber Dorsey weiß, dass Cleveland - nicht zuletzt nach LeBron James' zweitem Abschied vom Basketball-Team der Cavaliers - eine Football-Euphorie entwickelt.

Nur ein paar Kilometer entfernt in Canton entstand einst das Spiel. Die Menschen leben Football und sind endlich wieder stolz auf ihre Brownies. Gelacht wird aktuell nur in Cleveland.

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