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Immer mehr NFL-Profis treten in den Streik
Immer mehr NFL-Profis treten in den Streik © SPORT1-Montage:Veith Nurtsch/Getty Images/iStock
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München - Le'Veon Bell hat es mit seinem Streik vorgemacht. Als Ergebnis bekommt er einen Mega-Vertrag. Nun wollen auch andere Spieler am finanziellen Erfolg der NFL teilhaben.

Zumindest Le'Veon Bell ist wieder da.

Nachdem der Star-Running-Back die komplette Saison 2018 bestreikte, gaben ihm die New York Jets den erhofften Mega-Deal, allerdings setzt sich der Trend fort.

Aktuell sind es gleich sechs NFL-Stars, die den Vorbereitungsstart bestreiken - zwar sind ihre Situationen unterschiedlich zu bewerten, aber vor allem geht es um eins: Geld.

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2021 droht ein Lockout

Rookie-Verträge bevorteilen aktuell extrem die Teams, das ist schon seit längerem ein Dorn im Auge der Spieler und ihrer Gewerkschaft. Die aktuelle Streikflut - 2018 tauchten auch Aaron Donald, Khalil Mack und Earl Thomas nicht zum Vorbereitungsstart auf – ist dabei der Vorbote einer drohenden Eskalation für die NFL 2021: ein Generalstreik der Spieler beziehungsweise ein Lockout wie 2011.

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"Wir sind nicht besorgt. Es wird passieren, da machen sich alle Spieler keine Illusionen", sagte Cornerback Richard Sherman bereits im vergangenen Jahr.

Die Spieler sind es einfach leid, dass die NFL die ganze Macht besitzt und aus ihrer Sicht willkürliche Entscheidungen trifft. Man kann fast von einer Art Erweckung sprechen, die bereits mit Colin Kaepernicks Hymnenprotest begann und sich nun in den Streiks absoluter Topstars erneut zeigt.

Spieler fordern Mitspracherecht

"Es ist definitiv so, dass die Spieler mehr Macht und Mitspracherecht wollen - wie sie das auch sollten. Durch Colin oder mündige Spieler wie Sherman haben sie in den vergangenen Jahren auch ihre Stimme gefunden. Sie sehen, wie es in der NBA läuft und nutzen ihre Möglichkeiten", sagte ein Teamscout bei SPORT1, der wegen des sensiblen Themas nicht genannt werden möchte.

Tatsächlich gehen im Football Geld und Macht Hand in Hand. In der NBA haben die Spieler seit jeher deutlich mehr Einfluss auf die Geschicke. Die Gewerkschaft ist mächtig, entsprechend lukrativer sind die Verträge, obwohl die NFL – Sponsoren, Fernsehgelder, TV-Quoten, Fanartikel usw. - die deutlich erfolgreichere Liga ist - inzwischen auch weltweit.

Owner haben die Macht

In der NFL sind hingegen die Besitzer traditionell am Drücker. Der aktuelle Tarifvertrag ("CBA") aus dem August 2011 läuft noch bis einschließlich der Saison 2020. Die Liga würde nur allzu gern bereits vor dem Start dieser Spielzeit einen neuen Deal abschließen, die Fronten sind jedoch verhärtet.

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Die Machtfülle von Commissioner Roger Goodell in disziplinarischen Dingen (Stichwort Willkür bei Fällen wie Ezekiel Elliott, Tom Brady oder nun Tyreek Hill) ist einer der zentralen Punkte.

Aber auch die Verteilung der Einnahmen ist ein Schlüsselthema. Die Spieler wollen deutlich mehr als die aktuellen maximal 48,5 Prozent, außerdem geht es um Garantiegehälter und eben jene Rookie-Verträge, die früher frei ausgehandelt wurden, aber im aktuellen CBA standardisiert nach Draft-Position festgelegt sind, auch der Franchise Tag ist ein Thema - womit wir wieder bei den Streiks oder Holdouts wären.

Gordon in der Zwickmühle

Im Gegensatz zu Bell, der bereits zweimal mit dem Tag (einjährige Teamoption für einen Spieler des Kaders) belegt worden war, geht es bei Defensive End Yannick Ngakoue (Jaguars) und den beiden Star-RBs Ezekiel Elliott und Melvin Gordon um ihre Rookie-Deals.

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Vor allem Gordon scheint entschlossen, Bells Beispiel zu folgen. "Ich werde tun, was ich tun muss", sagte er zuletzt.

Während Bell 2018 auf insgesamt 14,5 Millionen Dollar verzichtete, würde Gordon für die komplette Saison 5,6 Millionen einbüßen plus die Strafen, die das Team für Nichterscheinen verhängen kann (maximal 40.000 Dollar pro verpasstem Vorbereitungstag).

Schielt Elliott auf Free Agency?

Gordons Problem: Setzt er die gesamte Saison aus, hat er quasi das Jahr nicht stattgefunden und das letzte Vertragsjahr seines Rookie-Kontraktes würde 2020 gelten. Er wäre also in der gleichen Situation wie jetzt - mit einem Jahr fehlender Spielpraxis.

Ein wenig anders sieht es bei Elliott aus. Er steht noch bis 2020 unter Vertrag und muss bis zum 6. August erscheinen, sonst hat er keine vier NFL-Jahre auf dem Buckel und könnte 2021 kein Free Agent werden.

Außerdem bekommt er 2020 anständige neun Millionen Dollar, es geht also eher darum, ein Zeichen zu setzen und sich für einen Mega-Zahltag in Stellung zu bringen.

Spieler fordern marktgerechte Verträge

Niemand hat in den vergangenen drei Jahren mehr Pässe gefangen als Michael Thomas - sein Gehalt in der kommenden Saison? Lächerliche 1,15 Millionen Dollar. Er will der erste Receiver mit 20 Millionen pro Jahr werden - eine Einigung ist wahrscheinlich.

Die Veteranen Jadeveon Clowney (Texans) und Trent Williams (Redskins) wollen ebenfalls marktgerecht bezahlt werden und einen neuen langfristigen Deal mit mehr Sicherheit. Bei Williams spielt zudem ein Disput mit der medizinischen Abteilung eine Rolle.

Die Fälle sind unterschiedlich, aber es ist klar, dass ein Machtkampf mit den Besitzern und der NFL tobt. Angesichts des hohen Gesundheitsrisikos und der gewaltigen Einnahmen ist die Forderung absolut nachvollziehbar.

Neue Regelungen nötig

Die aktuellen Streiks und das generelle Aufbegehren waren angesichts der feudalen Strukturen der Liga längst überfällig.

Die Eigentümer täten gut daran, den Spielern ein wenig entgegenzukommen, sonst droht 2021 ein Stillstand, der sie wesentlich teurer zu stehen kommen würde.

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