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Michael Dickson von den Seattle Seahawks beim Punt
Michael Dickson löste den langjährigen Seahawks-Punter Jon Ryan ab © Getty Images
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München und Seattle - Michael Dickson beweist bei den Seahawks: Nicht nur Amerikaner können Football. Bei SPORT1 erklärt er seinen Aufstieg und wie er dem Coach einen Herzinfarkt verpassen könnte.

Die NFL treibt seit Jahren ihre Internationalisierung voran. Trotzdem sind die Stars der Liga nach wie vor fast ausnahmslos US-Amerikaner.

Allerdings gibt es auch ein positives Gegenbeispiel: Mit Michael Dickson von den Seattle Seahawks ist ein Australier nach nur einer Saison der beste Spieler auf seiner Position des Punters.

Als erster Rookie-Punter seit 1985 wurde er 2018 zum Pro Bowl eingeladen, mit seinem entscheidenden Lauf gegen Detroit erreichte der 23-Jährige bereits Kultstatus.

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Im exklusiven Gespräch mit SPORT1 erklärt Dickson, warum Australien eine Nation der Punter ist, spricht über den Kulturschock bei der Ankunft in Texas, Star-Quarterback Russell Wilson und erklärt, wie er Seahawks-Coach Pete Carroll einen Herzinfarkt verpassen könnte.

Dickson: Texas war ein Kulturschock

SPORT1: Mr. Dickson, wie landet ein junger Aussie Rules Football-Spieler aus Sydney in der NFL?

Michael Dickson: In unserem Football wird der Ball ja auch aus der Hand gekickt – wie beim Punt. Ich hatte wirklich viel Power. Es gab ein Tryout für American Football. Es war eigentlich ein Witz, aber ich kam danach mit einem Punting-Coach in Australien in Kontakt, trainierte zwei Monate lang mit ihm. Die Universität von Texas sah Videos von meinen Kicks im Park, lud mich zu einem Besuch ein und bot mir dann ein Stipendium als Punter an. Nach drei Jahren dort hatte ich 2018 das Glück, in der fünften Runde von den Seahawks gedraftet zu werden. Es ist schon Wahnsinn, wie schnell das alles ging. Es ist irre, aber ich liebe jede Sekunde.

SPORT1: Sie kamen aus Australien nach Austin, Texas. Das war eine andere Welt, oder?

Dickson: Auf jeden Fall! Das war ein Kulturschock für mich. Vor allem aus sportlicher Sicht: Es war mir nicht klar, wie krass und groß College Football in den USA ist. In Texas sind 100.000 Leute im Stadion - bei jedem Spiel!

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SPORT1: Sie waren 2017 bereits der beste Punter im College Football - als fünfter Australier in Folge. Warum ist Australien eine Nation der Punter?

Dickson: Das sind wir auf jeden Fall (lacht). Das liegt am Aussie Rules Football. Das ist bei Kindern sehr beliebt. Du kickst ständig den Ball rum. Es ist nicht ganz dasselbe wie beim Punt, aber man kann es vergleichen. Das ist ein bisschen so wie bei Fußballern und Kickern.

SPORT1: Der australische Football ist auch ein sehr harter Sport - sogar ohne Helm oder Pads. In der vergangenen Saison hatten Sie einen Lauf, der als "Aussie Sweep" Kultstatus bei den Fans erreichte. Gibt es Ähnlichkeiten zur NFL?

Dickson: Die Physis ist sicher ähnlich wichtig. Das Spiel ist aber ganz anders. Es hilft aber bei der Übersicht - definitiv.

Dickson: Da würde Carroll einen Herzinfarkt bekommen

SPORT1: Würden Sie gerne einmal eine andere Position ausprobieren?

Dickson: Auf keinen Fall! Die Jungs sind einfach zu schnell und tough für mich. Ich bleibe beim Punten. Coach Carroll würde wahrscheinlich einen Herzinfarkt bekommen (lacht).

SPORT1: Als Rookie wurden Sie sofort zum Pro Bowl eingeladen und waren sogar im All-Pro Team als bester Punter der Liga. Wie ist das möglich?

Dickson: Ich hatte eine gute Saison, aber ich habe auch noch Potenzial, mich zu verbessern. Diese Einstellung brauchst du auch, sonst kannst du deinen Job hier schnell los sein.

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SPORT1: Manchmal sind die "Special Teamer" in einem NFL-Team eher Außenseiter. Wie sieht das in der Kabine der Seahawks aus?

Dickson: Wir in Seattle haben ein tolles Team. Du fühlst dich immer als Teil der Jungs. Klar bist du während des Spiels in deiner eigenen Welt. Aber in der Kabine sind die Jungs alle super cool.

SPORT1: Wie muss man sich das Training vorstellen?

Dickson: Man braucht auf jeden Fall Geduld (lacht). Du wartest immer darauf, wenn das Team Kickoffs, Punts und Kicks trainiert und musst dann sofort voll da sein. Die meiste Zeit über trainierst du aber mit den Spezialisten allein. Du perfektionierst die Abstimmung mit dem Longsnapper, ich bin ja auch der Holder für die Kicks.

Dickson: Wilson ein großartiger Anführer

SPORT1: Quarterback Russell Wilson hat auch einen Multisport-Background. Er spielte früher Baseball. Ist das ein Vorteil als Profi?

Dickson: Ich glaube schon. Du lernst schon früh, dir deine Zeit richtig einzuteilen und Trainingsdisziplin. Außerdem hilft ein anderer Blickwinkel immer. Da sieht man auch an Russell. Er ist ein großartiger Teamkollege und Anführer.

SPORT1: Die Seahawks waren im vergangenen Jahr ein Überraschungsteam und zogen in die Playoffs ein. Was ist in der kommenden Saison drin?

Dickson: Wir wollen den nächsten Schritt machen. Wir sind mental bereit und haben das Talent für den Super Bowl - definitiv!

SPORT1: Die deutschen NFL-Spieler sind daheim durchaus bekannt, aber stehen natürlich im Schatten der Fußballer. Wie ist das in Australien?

Dickson: Ähnlich, ich kann auf jeden Fall unbehelligt über die Straße gehen (lacht). Die NFL wird aber immer populärer in Australien - vielleicht bekommen wir ja auch einmal ein Spiel.

SPORT1: Viele NFL-Profis mögen die internationalen Spiele in London oder Mexiko nicht. Was denken Sie über die Internationalisierung des Spiels?

Dickson: Wir waren ja im vergangenen Jahr in London - ich fand es toll. Es war eine großartige Erfahrung. Ich hoffe, diese Entwicklung geht weiter.

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