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Die San Francisco 49ers und Oakland Raiders trafen nicht oft aufeinander, daher waren die wenigen "Battle of the Bay" ein Festtag für die Fans © Getty Images
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Die San Franscico 49ers und die Oakland Raiders verbindet eine innige Abneigung. Aber trotz der geographischen Nähe kam es nur zu wenigen Spielen zwischen den Teams.

Wenn sich Rot-Gold und Silber-Schwarz in der NFL (Alle Infos zur NFL hier) auf dem Football-Feld gegenüberstehen, dann wissen die Fans: Es ist Zeit für die "Battle of the Bay"!

Jahrelang kämpften die San Francisco 49ers und die Oakland Raiders um die Vorherrschaft in der Bucht von San Francisco. Gerade einmal 43 Kilometer trennen das Levi's Stadium der 49ers vom Oakland-Alameda County Coliseum, der Heimstätte der Raiders.

Doch trotz dieser direkten Nachbarschaft kam es bisher zu lediglich 14 Duellen. Das liegt daran, dass die Teams in unterschiedlichen Divisions spielen. Während die 49ers in der NFC West beheimatet sind, duellieren sich die Raiders mit den Teams der AFC West um die Playoff-Tickets.

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Nur wenige Duelle

Dies liegt daran, dass die Raiders ihre Anfänge eben in der American Football League (AFL) haben. Diese Teams wurden nach dem Zusammenschluss zwischen NFL und AFL in eigene Divisions eingeteilt. Daher können sich die Teams, gemäß der Richtlinien der NFL für die Spielplanansetzung, lediglich alle vier Jahre gegenüberstehen.

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Selbst ein Aufeinandertreffen in der Post-Season kann erst im Super Bowl zustande kommen, da AFL- und NFC-Teams untereinander die Teilnehmer des Endspiels um die Vince Lombardi-Trophy ausspielen. Zu dieser Konstellation ist es bisher aber nie gekommen.

Rivalität trotz Umzugs?

Allerdings stellt sich auch die Frage, wie sich die Rivalität in der Zukunft entwickelt. Durch die wenigen Duelle nährte sich die Rivalität hauptsächlich durch die geographische Nähe der Teams und Fans. Mit dem Umzug der Oakland Raiders nach Las Vegas (geplant zur Saison 2020) fällt diese aber weg.

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Aber die eingefleischten Raiders-Fans werden ihrem Team wohl auch in der Ferne treu bleiben. "Das ist eine Familientradition", äußerte sich Raiders-Fan Steve Garzoli gegenüber ESPN vor dem letzten Duell der beiden vor dem Umzug im November 2018. "Die Kinder fragen mich schon ständig, ob sie trotzdem unser Team bleiben. Ja, sie sind dann in Vegas und es wird nicht leicht, zu einem Spiel zu fahren. Wir sind sehr enttäuscht und deprimiert deswegen. Aber was soll man machen? Wir sind eine Raiders-Familie."

2011: Testspielverbot nach Fanausschreitungen

Doch trotz der wenigen Aufeinandertreffen und der daraus resultierenden mangelnden sportlichen Konkurrenzsituation ist die Rvialität zwischen den Fanlagern mehr als brisant. Die Anhänger stehen sich so unversöhnlich gegenüber, dass sich die NFL sogar gezwungen sah, 2011 ein Verbot von Vorbereitungsspielen in der Preseason zwischen diesen Teams auszusprechen.

Grund dafür waren Fanausschreitungen während eines Testspiels. Auf der Tribüne brachen zahlreiche Schlägereien zwischen 49ers- und Raiders-Anhängern aus. In einer der Toiletten wurde ein Fan bewusstlos geschlagen und es kam zu zwei Schießereien im Park vor dem Stadion.

Wie richtig das Spielverbot war, zeigten die Ereignisse beim Ligaspiel drei Jahre später. Im Oakland Coliseum wurden 31 Fans verhaftet und weitere 93 Anhänger mit Stadionverbot belegt. Grund waren erneut Schlägereien auf den Tribünen.

1970: Erstes Aufeinandertreffen und 49ers-Sieg

Aber was ist der Grund für diese tiefe Abneigung der Fans? Wie bereits erwähnt, sind sportliche Gründe kaum auszumachen. Die vierzehn Begegnungen teilten sich die beiden Teams schiedlich friedlich mit je sieben Siegen. Natürlich waren darunter auch hitzige Duelle und schmerzende Niederlagen.

So verloren die Raiders das allererste Aufeinandertreffen in der Saison 1970 mit 7:38. Nachdem man nach dem ersten Viertel noch 7:3 in Führung lag, gelang der Raiders-Offense danach kein einziger Punkt mehr gegen den Konkurrenten aus San Francisco.

Auch der 44:14-Blowout in der Saison 1994 ist den Raiders-Fans in schlechter Erinnerung. Star-Receiver Jerry Rice stand vor der Partie bei 124 Touchdowns und brauchte noch zwei Läufe in die Endzone, um den NFL-Rekord von Jim Brown einzustellen. Er machte drei und trug sich ausgerechnet gegen den Erzrivalen in die NFL-Geschichtsbücher ein.

"Kein Zweifel, heute haben sie uns den Hinter versohlt", brachte es Raiders-Quarterback Jeff Hostetler auf den Punkt.

1974: Oakland startet eine Siegesserie

Aber auch die 49ers mussten bittere Niederlagen hinnehmen. Nach dem Auftaktsieg 1970 setzte es drei Niederlagen in Folge (1974, 1979, 1982). Dazu verlor man das Offensivspektakel im Oktober 2000 nach Overtime. Zusammen erzielten beide Teams 943 Yards in der Offense. Am Ende war es Tim Brown, der den entscheidenden Touchdown zum 34:28-Sieg für die Raiders erzielte.

"Das war ein wirklich großes Bay-Duell. Jetzt können wir schön angeben mit dem Sieg", freute sich Brown über den Erfolg gegen den Rivalen.

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Dennoch können diese Ergebnisse nicht als Basis für eine Erzrivalität herhalten. Auch die fünf Super Bowl-Siege der 49ers reichen dafür nicht. Immerhin können die Raiders auch drei Meisterschaften vorweisen.

Die Gründe für die Rivalität: Geographie und Wirtschaft

Aber was macht die Rivalität dann aus? Natürlich ist die geographische Situation ein Grund dafür. Es geht immer darum, welches Team die Vorherrschaft in der Bay hat. Doch das ist nicht der einzige Grund. Es geht um das Selbstverständnis der Fans.

Oakland ist mit rund 400.000 Einwohnern nach San José und San Francisco die drittgrößte Stadt in der Metropolregion San Francisco Bay Area. Trotzdem steht es immer im Schatten des bunten und lauten San Francisco. Dazu ist Oakland bis heute stark industriell geprägt, während San Francisco zum Sinnbild der New Economy wurde.

Die Raiders Nation sorgt regelmäßig für tolle Stimmung im Oakland-Alameda County Coliseum
Die Raiders Nation sorgt regelmäßig für tolle Stimmung im Oakland-Alameda County Coliseum © Getty Images

Daher ist die Situation der Bevölkerung in Oakland eine ganz andere. Durch die traditionelle Arbeiterschicht in Oakland herrscht ein generell niedrigeres Bildungsniveau als in San Francisco vor. Dazu leidet man in Oakland stärker unter den Auswirkungen der wirtschaftlichen Stagnation in den USA als in der Nachbarstadt, die mit Silicon Valley und dem Forschungsschwerpunkt Berkley eine Vorreiterrolle einnimmt.

49ers und Silicon Valley

Deswegen kommt der sportliche Zweikampf gerade recht, um den versnobten Nachbarn zu zeigen, dass auch Oakland etwas zu bieten hat. Daher sind die Oakland-Fans, die sich selbst als Raiders-Nation bezeichnen, auch so emotional, wenn es um ihr Team geht. Die 49ers Faithful (die Anhänger der 49ers) werden nur als eine Art Erfolgs-Fans angesehen.

Seattle Seahawks v San Francisco 49ers
Seattle Seahawks v San Francisco 49ers © Getty Images

Das sei eine Folge der Bevölkerungsentwicklung seit Silicon Valley und New Economy, erklärte 49ers-Fan Bill Brody bei ESPN. Bei seinem ersten Spiel 1988, "war er 20 Reihen vom Feld entfernt. Was war das für eine großartige Atmosphäre", erinnerte er sich. "Aber heute sind die wahren Fans im Candlestick (Stadion der Raiders, Anm.d.Red.)", gibt er weiter zu. "Ich war vier oder fünf Mal im Levi's und es ist nicht mehr dasselbe. Man hat das Gefühl, dass die Fans nicht mehr wegen dem Spiel hingehen, sondern wegen des Stadions. Es sind die Silicon Valley-Typen", ist er von der aktuellen Situation enttäuscht.

Aber die Rivalität lebt

Aber dass es auch anders geht, bewies die Stadt San Francisco vor einigen Jahren mit einer Werbung an ihren Bushaltestellen. "No Nation is strong enough to defeat the Faithful" war dort zu lesen. Eine eindeutige Anspielung auf die Raiders-Fans (Raiders Nation), die keine Chance gegen die 49ers-Fans (49ers Faithful) haben.

Wenn das mal nicht nach Rivalität schreit - und sie wird weitergehen. Zwar ziehen die Raiders nach Las Vegas. Aber die Raiders Nation bleibt in der Bay. Und wie Steve Garzoli bereits sagte, was soll man machen, wenn man Raiders-Fan ist. Man bleibt es.

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