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Miami - Katie Sowers schreibt als erster weiblicher und erster offen homosexueller Coach im Super Bowl Geschichte. Ihr Weg war hart, Kollegen schwärmen bei SPORT1.

Am Sonntag wird Katie Sowers Sportgeschichte schreiben.

Die Assistenztrainerin der San Francisco 49ers wird im Super Bowl LIV gegen die Kansas City Chiefs nicht nur der erste weibliche Coach im NFL-Endspiel sein, sondern auch der erste offen homosexuelle Coach. (NFL: Super Bowl zwischen Kansas City Chiefs und San Francisco 49ers am 3. Februar ab 0.30 Uhr LIVE)

Es ist kaum nachzuempfinden, wie viel Kraft und Selbstvertrauen Sowers aufbringen musste, um sich diesen Traum zu erfüllen - wie es vor allem weibliche Pioniere in Männerdomänen immer müssen.

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"Sie ist einfach ein unglaublicher starker Mensch. Sie ist sehr aktiv, kommunikativ, macht einen tollen Job und gibt jeden Tag alles", sagt San Franciscos Running-Back-Coach Robert Turner im Gespräch mit SPORT1.

Dabei musste Sowers sogar mit doppelten Vorurteilen kämpfen, so wurde ihr zum Beispiel an ihrem College untersagt, Assistentin ihres Frauen-Basketballteams zu werden, weil sich Eltern aufgrund ihrer Sexualität beschwert hatten.

Eltern wollten keinen homosexuellen Coach

Doch der Reihe nach: Sowers stammt aus Kansas und war von klein auf sehr sportbegeistert. Sie spielte Basketball, in den USA ein extrem beliebter Sport bei Mädchen und Frauen, aber ihre Liebe galt schon immer dem Football.

"Alle unsere Freunde spielten Football, meine Schwester und ich sahen uns immer als gleichberechtigt an - so wie das ein sollte", erinnerte ich Sowers im Herbst an ihre Kindheit.

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Eine Karriere stand für Mädchen im Football aber nie zur Debatte, so bekam sie ein Basketball-Stipendium am christlichen Goshen College in Indiana.

Nach dem Ende ihrer Spielerlaufbahn, wollte sie als freiwillige Assistentin bleiben. "Da rief mich der Coach ins Büro und erklärte mir, einige Eltern wollten nicht, dass ihre Töchter mit jemandem zusammen seien, der homosexuell ist. Das hat mich damals so wütend gemacht", sagte Sowers beim US-TV-Sender NBC.

Sowers ist Football-Weltmeisterin als Quarterback

Damals ahnte sie nicht, dass diese Ablehnung zu einem Glücksfall werden sollte. Zum einen entwickelte sie einen starken Glauben an sich selbst - und sie kehrte zu ihrer ersten Liebe zurück.

Sowers ging als Quarterback in die Woman's Football Alliance zu den West Michigan Mayhem, später zu den Kansas City Titans, wurde Football-Nationalspielerin und 2013 Weltmeisterin. Erst 2016 musste sie ihre Karriere wegen einer Hüftverletzung beenden.

In jenem Sommer bekam sie als Praktikantin des Receiver-Coaches bei den Atlanta Falcons eine Chance - der heutige 49ers-Cheftrainer Kyle Shanahan war dort für die Offense zuständig.

Ihm folgte sie ein Jahr später zu den Niners als Teil des nach dem legendären Coach Bill Walsh benannten Programms zur Förderung von Minderheiten im NFL-Trainergeschäft.

NFL-Legende Welker lobt Sowers bei SPORT1

Vor der abgelaufenen Saison wurde sie zum Vollzeit-Coach befördert und arbeitet seitdem als "Offensive Assistant".

"Das heißt, Kate arbeitet sehr viel am Computer, scoutet die Gegner, arbeitet mit am Gameplan, erledigt administrative Aufgaben. Sie arbeitet aber auch auf dem Feld, hauptsächlich mit den Receivern", erklärt Turner ihre täglichen Aufgaben.

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Wie hat sie sich in der häufig nicht zu Unrecht als Macho-Welt verschrienen NFL den Respekt der Spieler erarbeitet?

Arbeit mit jungen 49ers-Receivern fruchtet

"Das war sicher nicht leicht, aber sie hat es mit ihrer harten Arbeit geschafft. Kate ist sehr detailgenau. Wenn irgendwo etwas nicht passt, sieht sie es als erste. Sie ist in der Beziehung auch für Mike (LaFleur, Bruder von Green Bays Cheftrainer Matt und bei den 49ers für das Passspiel zuständig, Anm. der Red.) sehr wichtig" sagt der frühere NFL-Star und jetzige Receiver-Coach der 49ers Wes Welker bei SPORT1.

Sowers arbeitet vor allem mit den jungen Receivern wie Deebo Samuel, Dante Pettis oder Kendrick Bourne. Kaum ein Team hat so viele gute, junge Passfänger. Sowers hat ihren Beitrag geleistet, um ihr Potenzial auszuschöpfen.

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"Ich habe einfach an sie geglaubt. Bill Walsh hat immer gesagt, dass ist die wichtigste Sache, die du einem anderen Menschen sagen kannst. Das versuche ich meinen Spielern mitzugeben. Es ist großartig, wie jemand wachsen kann, wenn du ihm sagst 'ich glaube an dich'", sagte Sowers am Montag im NFL Network.

Große Zukunft in der NFL? 49ers glauben daran

Dabei fließen sicher ihre eigenen Erfahrungen ein. Ohne einen Glauben an sich selbst hätte sie ihren Weg nie beschreiten und erfolgreich sein können. Mit 33 Jahren ist sie nun ein leuchtendes Vorbild für Frauen im Football - und die Schwulen- und Lesbengemeinde.

Sowers ist aber längst noch nicht fertig. Ihr Ziel ist klar: sie will in der Coaching-Hierarchie weiter aufsteigen und damit den Weg für andere Frauen ebnen – ähnlich wie beispielsweise Fallon Sherrock im Darts.

Ist eine Stelle als Offensive Coordinator irgendwann realistisch? "Auf jeden Fall! Sie hat die Arbeitseinstellung und den Football-Verstand dafür", sagt Welker. Bourne ist sich sicher: "Ihre Rolle ist noch nicht so groß, wie sie einmal sein wird."

Sowers wird in jedem Fall weiterkämpfen. Den Kampf gegen die Kritiker, Gegner und den Rest der Welt hat sie aber jetzt schon für sich entschieden - ganz egal wie am Sonntag der Super Bowl ausgeht.

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