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München - Christian McCaffrey wird zum Rekordverdiener unter den Running Backs der NFL. Seine Vorgänger beweisen allerdings, dass dies nicht mit Erfolgen des Teams einher geht.

16 Millionen Dollar kassiert Christian McCaffrey laut ESPN künftig bei den Carolina Panthers - pro Jahr, bis 2025.

Damit steigt der 23-Jährige zum Rekordverdiener auf seiner Position auf, kein Running Back in der NFL hat jemals ein derart hohes Gehalt bekommen.

"Run CMC" verdient künftig fast achtmal so viel wie in der vergangenen Saison, in der er sich zum besten Spieler überhaupt auf seiner Position entwickelte.

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McCaffrey verdient sich Rekord-Vertrag

McCaffrey ist sowohl im Laufspiel als auch als Empfänger eine Waffe und kam als erst dritter Spieler der NFL-Geschichte in beiden Kategorien auf über 1000 Yards. Insgesamt 19 Touchdowns schaffte der Superstar in seiner dritten NFL-Saison außerdem (15 Rushing, 4 Receiving).

Der neue Vertrag bei den Panthers ist der verdiente Lohn, der Pro Bowler wird künftig auch marktgerecht bezahlt.

Bei den Panthers-Fans löste die Verlängerung große Euphorie aus. Doch der Blick auf vergangene Rekorddeals gerade bei Running Backs gibt auch Grund zur Sorge. Denn die hohen Summen waren in jüngerer Vergangenheit nur allzu oft verfluchte Zahlen - die fetten Deals brachten allzu oft überhaupt nicht den erträumten Erfolg.

Elliott nicht in den Playoffs, Gurley von Verletzung gestoppt

Der bisherige Rekordhalter Ezekiel Elliott unterschrieb vor der vergangenen Saison einen Deal über 15 Millionen Dollar pro Jahr (90 Mio. in 6 Jahren), verpasste mit den Dallas Cowboys aber trotz insgesamt 14 Touchdowns den Einzug in die Playoffs.

Ein Jahr davor wurde Todd Gurley zum Rekordverdiener. Die Los Angeles Rams belohnten den Running Back für seine überragende 2017er-Saison mit einem Vierjahresvertrag im Wert von insgesamt 57,5 Millionen Dollar (14,375 Mio. pro Jahr).

Das eingesetzte Kapital lohnte sich jedoch auch bei Gurley nicht. Im verlorenen Super Bowl LIII gegen die New England Patriots (3:13) war der Superstar aufgrund von anhaltenden Kniebeschwerden schon kaum mehr relevant und enttäuschte auf ganzer Linie.

Einige Wochen darauf wurde Arthritis diagnostiziert, in dieser Offseason wurde er bei den Rams entlassen und kassiert künftig bei den Atlanta Falcons "nur" noch sechs Millionen Dollar.

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Rekord-Running-Back kein Garant für Super Bowl

Dabei können sich die Rams zumindest auf die Fahne schreiben, dass nach dem Mega-Dal mit Gurley wenigstens einmal der Einzug ins NFL-Finale gelang.

Schon seit Jahren stand aber kein Team mehr im Super Bowl, dass sich einen absoluten Spitzenverdiener auf der Running-Back-Position gönnte - im Gegenteil: Während Gehalts-Spitzenreiter David Johnson (2019), LeSean McCoy (2018), Le'Veon Bell (2017) oder Adrian Peterson (2016) das größte Spiel des Jahres auf der Couch anschauen mussten, kämpften Teams um den Titel, die cleverer gewirtschaftet hatten.

So war kurioserweise Jonathan Stewart (ebenfalls Panthers) im Super Bowl 2016 der letzte Running Back außer Gurley, der im Gehaltsranking in den Top-13 stand und auch am Super Bowl teilnehmen durfte.

Fluch des Mega-Gehalts?

Blickt man aktuell auf die Topverdiener wie Le'Veon Bell (New York Jets, 13,125 Mio.), Melvin Gordon (Denver Broncos, 8 Mio.) oder Leonard Fournette (Jacksonville Jaguars, 6,787 Mio.), denkt man trotz hochdotierter Verträge nicht wirklich an den Super Bowl, teilweise nicht einmal an die Playoffs.

Andere Topverdiener wie David Johnson (jetzt Houston Texans, 13 Mio.) oder Devonta Freeman (zuletzt Atlanta Falvons, 8,3 Mio.) konnten ihr hohes Gehalt auch durch regelmäßige Rückschläge in Form von Verletzungen nicht rechtfertigen.

Der Fluch des Mega-Gehalts schlägt bei Running Backs besonders leicht zu, da sie schon aufgrund ihrer Position extrem verletzungsgefährdet sind und häufig schwere Blessuren erleiden, durch die sie ihren Teams monatelang fehlen. Hohe Gehälter bedeuten hier immer gleich noch viel mehr Risiko.

Natürlich zahlte sich das Investment auch bei anderen Positionen häufig nicht aus: So erreichte Quarterback Derek Carr (zwischenzeitlich bestbezahlter QB) mit den Oakland Raiders in den ersten drei Jahren seines mit 125 Millionen Dollar dotierten Fünfjahresvertrags nicht einmal die Playoffs, der aktuelle Bestverdiener Russell Wilson (35 Mio./Jahr) stand seit 2014 mit den Seattle Seahawks nicht mehr im Super Bowl.

In Sachen Running Backs zahlen NFL-Teams bei neue, großen Verträgen oft auch für vergangenen Leistungen (zu deutlich niedrigerem Preis beispielsweise im Rookie-Deal) mit, diese Kompensation lässt einen Vertrag im Nachhinein aber eben umso schlechter aussehen, wenn die Leistung nicht mehr stimmt.

Peterson noch MVP, dann Skandalprofi

Einer der letzten Running Backs, bei denen sich ein Mega-Vertrag zunächst noch auszahlte, war Adrian Peterson. Der mittlerweile 35-Jährige machte sich 2011 durch einen Sechs-Jahres-Vertrag in Höhe von 85 Mio. Dollar (14,2 Mio. pro Jahr) zum Rekordverdiener auf seiner Position und wurde in der folgenden Saison MVP bei den Minnesota Vikings.

2014 nahm Petersons Karriere wegen Misshandlung seines eigenen Sohnes einen negativen Verlauf, in gewisser Weise fiel hier der Startschuss für den Fluch der Rekordverträge. Zwar schaffte er es nach dem Aufheben der Klage 2015 noch zum Rushing Leader, anschließend bremsten ihn aber wiederkehrende Verletzungsprobleme aus.

Voll ausgezahlt hatte sich dagegen in den 90er Jahren der Rekordvertrag für Emmitt Smith, der 1993 für drei Jahre bei den Dallas Cowboys verlängerte, dafür 14 Millionen Dollar kassierte und in dieser Zeit zwei seiner drei Super-Bowl-Siege errang.

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Brady und die Saints erschweren Playoffs für McCaffrey

Solche Erfolge sind für McCaffrey nach seiner Vertragsverlängerung in Carolina aber zunächst noch ganz weit weg. In der durch Tom Brady (Tampa Bay Buccaneers), Emmanuel Sanders (New Orleans Saints) und Gurley (Atlanta Falcons) aufgemotzten NFC South geht es für "Run CMC" und die Panthers einzig darum, im Gegensatz zum vergangenen Jahr überhaupt die Playoffs zu erreichen.

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Ob die Verlängerung mit dem Running Back dafür reicht, ist fraglich. Durch den Rekordvertrag wird viel Geld für eine Position gebunden - Geld, das für Verstärkungen an anderen Stellen des Teams fehlen wird.

Klar ist: Das Rezept "Pay to win" funktioniert in der modernen NFL nicht - ob der Rekorddeal mit McCaffrey letztlich auszahlen wird oder die verfluchten Zahlen wieder zuschlagen, muss die Zukunft zeigen.

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