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Die überwältigende Mehrheit der amerikanischen Ureinwohner befürwortet den Namen Redskins
Die überwältigende Mehrheit der amerikanischen Ureinwohner befürwortet den Namen Redskins © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/iStock
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München - Erneut werden Rufe nach einer Namensänderung der Washington Redskins laut. Aber geht es wirklich um Rassismus? Nein, denn die meisten Ureinwohner sind "stolz".

Was sind schon Unterdrückung, soziale Verdrängung, Arbeitslosigkeit und Krankenversicherung?

Glaubt man einigen Interessengruppen ist der Name der Washington Redskins aktuell die größte Sorge der rund drei Millionen amerikanischen Ureinwohner.

Dabei stehen die Belange sich diskriminiert fühlender Menschen nur scheinbar im Fokus, es geht vielmehr um Politik, Populismus und sehr viel Geld.

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Redskins wieder in der Diskussion

Die Diskussion um den Namen des NFL-Traditionsteams flammt immer wieder auf, meist wenn das Team entweder erfolgreich - wie 2012 beim Divisionstitel mit Rookie des Jahres Robert Griffin III - oder ein Thema in der Öffentlichkeit ist, wie aktuell mit dem neuen Coach Ron Rivera und Star-Rookie Chase Young sowie der Stadiondiskussion.

In der trostlosen sportlichen Phase von 1993 und 2011 gab es keine Verfechter für Toleranz und Anstand, weil das Team schlicht irrelevant war.

Interessengruppen wenden sich an Sponsoren

Im Zuge des gewaltsamen Todes von George Floyd und den folgenden Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt wandten sich diverse Investment Firmen und die Oneida Indian Nation an Nike, Pepsi und FedEx (aktueller Namenssponsor des Redskins-Stadions).

Die Konzerne sollten ihre Unterstützung für die Redskins einstellen, sollte der Name nicht geändert werden. Die Firmen und das Team wollten sich bisher dazu nicht äußern.

Studien und Umfragen: Ureinwohner klar für Redskins

Tatsächlich ist die Oneida Indian Nation - ein Stamm im US-Bundesstaat New York - seit Jahren auf einem bisher erfolglosen Kreuzzug und beruft sich auf den "gemeinschaftlichen Willen unseres Volkes".

Eine Studie des "Annenberg Public Policy Centers" widerlegt diese Aussage jedoch. Demnach fühlten sich 90 Prozent der befragten Ureinwohner durch den Begriff, der früher tatsächlich als Schimpfwort benutzt wurde, nicht beleidigt. Eine Umfrage der Washington Post führte 2016 zum exakt gleichen Ergebnis - 2019 war das meistgenannte Wort von ebenfalls von der Post befragten Ureinwohnern zu den Redskins "stolz".

Viele Stämme betonen sogar, dass der dreimalige Super-Bowl-Champ dem Wort "Rothaut" eine neue Bedeutung gegeben hat.

"Viele Leute sprechen für uns, die keine Natives sind. Redskin wurde uns nicht vom weißen Mann verliehen, diese Identität wurde uns genommen. Mit dem Namen wird unsere Kultur in Ehren gehalten", sagt Häuptling Stephen Dodson vom Stamm der Aleuten aus Alaska.

Unpassender Vergleich zu Black Lives Matter

In der Hysterie um "political correctness" wird nicht nur ein völlig unpassender Vergleich zu Black Lives Matter gezogen, es werden auch Fakten ignoriert.

Das Team wurde 1932 als Boston Braves gegründet und ein Jahr später in Redskins umbenannt. Vier Spieler und Cheftrainer William "Lone Star" Dietz waren Ureinwohner.

Im Jahr 1971 entwarf der legendäre Coach George Allen gemeinsam mit dem "Red Cloud Athletic Fund" aus einem Reservat in South Dakota das heute angeblich so rassistische Helmlogo. Allen wurde für sein Engagement von der Stiftung später sogar ausgezeichnet.

"Das Team hat ein großes von Respekt geprägtes Erbe. Es ist kein bisschen herabsetzend. Diese Kampagne irritiert unser Volk", erklärt Dodson.

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Kulturelle Verdrängung und Kasinos

Die Stämme sehen den Trend zur Aufgabe indianischer Spitznamen bei Sportteams (High Schools, Colleges) mit Besorgnis und befürchten eine "endgültige Verdrängung unserer Kultur aus der Öffentlichkeit", wie Robert Green, Häuptling der Patawomeck, es ausdrückt.

"Ich bitte diejenigen, die sich beleidigt fühlen, die Meinung ihres Volkes und unser Vermächtnis als Team zu respektieren", schrieb Eigentümer Dan Snyder vor Jahren in einem offenen Brief.

Der streitbare Boss der Redskins, der mit einer Stiftung Ureinwohner unterstützt, wird den Namen ohnehin nicht ändern, weder die NFL noch die Regierung könnten ihn dazu zwingen.

Vielmehr geht es bei der Diskussion um Wählerstimmen, Spenden, Lizenzen für die lukrativen Kasinos und damit verbunden Einfluss auf die Gesetzgebung. Die Oneida streiten seit Jahrzehnten mit der Regierung um Land und Besteuerung des Glücksspiels.

Stadion wird zum Problem

Dafür werden die Redskins immer dann instrumentalisiert, wenn sie im Blickpunkt der Medien stehen. Es geht also primär um Geld und Einfluss.

Für das Team gilt das auch, denn sie gewannen zwar bisher immer vor Gericht, aber ihre gewünschte Rückkehr in den District - das aktuelle Stadion steht in Maryland - könnte in der aktuellen Stimmung problematisch werden, da die Verantwortlichen das Land auf dem das alte RFK Stadium steht und wo die Skins neu bauen wollen, aktuell nicht ohne eine Namensänderung freigeben wollen.

Dabei gäbe es mehr als genug wichtige Themen, denen sich Regierungsvertreter und Interessengruppen widmen müssten.

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"Unserem Volk sind viele schlimme Sachen angetan worden"

Die Gemeinden der Ureinwohner plagen nach wie vor Armut, Arbeitslosigkeit, schlechte medizinische Versorgung, mangelhafte Schulbildung sowie Probleme mit Alkohol und Drogen.

"Unserem Volk sind im Laufe der Geschichte viele schlimme Sachen angetan worden. Ein Footballteam Redskins zu nennen, gehört bestimmt nicht dazu. Wir haben echte Probleme", betont Green.

Damit lässt sich in den sportverrückten USA aber kein medienwirksamer Kreuzzug führen.

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