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München - Star-Quarterback Kirk Cousins, Ex-Rekordverdiener der NFL, läuft bei seinen Ansprüchen hinterher. Sein Vertrag stürzt die Minnesota Vikings ins Dilemma.

Sein Auftritt war ein Offenbarungseid - aber eines musste man Kirk Cousins lassen.

So fahrig er beim 23:40 der Minnesota Vikings gegen die zuvor sieglosen Atlanta Falcons im US Bank Stadium noch zu Werke gegangen war, so fokussiert wirkte der Star-Quarterback  hinterher in seiner Analyse.

"Die Wahrheit ist", sagte Cousins wenig beschönigend, "wenn ich mit den Interceptions so weitermache, werde ich diese Saison nicht beenden." (Hier zum NFL-Spielplan 2020/21)

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Ein bemerkenswert ehrliches Eingeständnis angesichts eines erneuten Fehler-Festivals, das bereits in der ersten Spielhälfte gekennzeichnet war von drei abgefangenen Würfen.

Cousins hat die Zeichen der Zeit offenbar erkannt: Der 32-Jährige, der seine dritte Saison bei den Vikings spielt, steht vor einer entscheidenden Weggabelung seiner bisher so erfolgreich erscheinenden Football-Karriere.

Cousins einst bestbezahlter NFL-Spieler

Mit inzwischen schon zehn Fehlpässen hält Cousins nun den Saison-Negativwert unter den NFL-Quarterbacks - und spielt damit all denjenigen unfreiwillig Argumente in die Hände, die ihn schon vor zwei Jahren als Fehlbesetzung abqualifiziert hatten, nachdem er für drei Jahre und 84 Millionen US-Dollar aus Washington nach Minneapolis gewechselt war.

Zur Erinnerung: Der Fourth Rounder des Draft 2012 wurde dadurch vorübergehend zum bestbezahlten Spieler der NFL-Geschichte, nachdem er ein Vertragsangebot über 90 Millionen Dollar von den New York Jets abgelehnt hatte.

Nun steht Cousins mehr denn je im Fokus der Kritiker. Und er weiß, dass Head Coach Mike Zimmer sich früher oder später genötigt sehen könnte, die Konsequenzen zu ziehen.

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Vertrag von Kirk Cousins sorgt für Dilemma

Der Pro Bowler der Saison 2019, als Cousins seine Franchise immerhin in die Divisional Round führte und sogar Hoffnung auf die erste Super-Bowl-Teilnahme seit der Saison 1976 nährte, droht zu einem Auslaufmodell zu mutieren -  und bittererweise ohne, dass die Vikings daraus einen Vorteil ziehen könnten.

Wegen seines in der Offseason neu ausgehandelten und 66 Millionen US-Dollar schweren Vertrags, der ihn für weitere zwei Jahre an Minnesota bindet, ist ein Trade quasi unmöglich mit Blick auf das "Dead Cap" seines Kontrakts.

Auch Cousins-Backup Mannion blass 

Auch abseits der finanziellen Zwickmühle stellt sich für die Vikings die Frage: Wer sollte denn kommen für "Captain Kirk" und die obendrein so defensivschwache Defense des Teams, für das die Chance zu einem Rebuild im Sommer leichtfertig verschenkt wurde?

Quarterback-Backup Sean Mannion jedenfalls mag kaum jemand zutrauen, anstelle von Cousins die Akzente zu setzen: Der 28-Jährige hat in seiner sportlichen Vita gerade mal 13 Einsätze für die Los Angeles Rams und die Vikings vorzuweisen, wartet noch immer auf seinen ersten Touchdown in der NFL - bei zwei Starts und drei Interceptions.

Auch dahinter drängt sich personell niemand wirklich auf. Vielleicht auch, weil Cousins gegen defensivschwächere Gegner seine Passquote bisher noch solide gestalten konnte (64,6 Prozent). Auch elf Touchdowns kaschierten die Defizite, ebenso das Laufspiel der QB bei 835 Rushing Yards, 167 Runs und acht Rushing Touchdowns.

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Und dennoch: Ein varianten- und erfolgreiches Offense-Spiel bleibt Cousins vielfach schuldig, der trotz aller Selbstkritik die Rolle des alleinigen Sündenbocks ablehnt: "Ich denke, es ist die komplette Offense-Leistung. Es ist einfach so, dass ich besser werden muss, wir besser werden müssen."

Der 32-Jährige fügt an: "Darum wird es den Rest der Saison für mich gehen - den Football so gut, wie ich es kann, zu beschützen."

Cousins wiederum beschützen dürfte ansonsten auf lange Sicht selbst sein Mega-Vertrag nicht mehr: Wenn nämlich im April der Draft ansteht und die Vikings mit dem wohl den sechsten Pick einen womöglich vielversprechenden Spielmacher ziehen könnten.

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