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In ihrem Sport sind sie Stars, im Alltag müssen sie mit Rassismus kämpfen. Die Familie St. Brown hat sowohl in den USA als auch in Deutschland ihre Erfahrungen gemacht.

Das Thema Rassismus hat nicht zuletzt durch die Bewegung Black Lives Matter auch die Sportwelt aufgerüttelt.

Über Jahre und Jahrzehnte wurden Ausfälle von Fans oder Sportlern selbst oftmals als Einzelfälle bewertet und schnell abgetan. Auch in Deutschland führten nicht etwa häufig gehörte Affenlaute zur Absage eines Bundesliga-Spiels, sondern erst die Beleidigungen gegen Milliardär Dietmar Hopp.

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Inzwischen ist sich der Sport jedoch seiner Verantwortung bewusst und geht das Problem offensiv an - wie beispielsweise die NBA-Profis in der Bubble von Orlando.

"Das Rassismus-Thema ist natürlich nicht einfach, und du kommst nicht daran vorbei. Dagegen müssen wir alle als Gesellschaft kämpfen - als Sportler haben wir ein nützliches Forum", sagt der deutsche NFL-Profi Equanimeous St. Brown im Gespräch mit SPORT1.

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Rassismus ist Alltag im Brown-Familienleben

Der Receiver der Green Bay Packers, dem in der Nacht auf Montag beim Sieg gegen die Tennessee Titans sein erster NFL-Touchdown gelang, und seine Familie wissen genau, wovon sie reden.

Schließlich mussten sie mit einem dunkelhäutigen Vater und einer deutschen Mutter schon immer mit alltäglichem Rassismus umgehen. (Ergebnisse und Spielplan der NFL)

Die Familie lebt zwar im eigentlich sehr liberalen Kalifornien, dennoch haben die Eltern und die drei Söhne schon früh hässliche Erfahrungen gemacht.

"Eine Geschichte ist mir an der Highschool passiert: Ich bin mit einem Freund, der auch halb schwarz und halb weiß ist, auf eine Party von Schulfreunden gegangen. An der Tür wurde uns dann aber gesagt: 'Blacks not allowed'. Wir sind dann wieder gegangen und haben damals kein großes Ding daraus gemacht. Es ist aber natürlich kein sonderlich angenehmes Gefühl", erzählt "EQ".

Ungleichbehandlung schon im Kindesalter

Die Eltern Miriam und John haben mit den Kindern solche Erfahrungen schon früh aufgearbeitet und ihnen Werte wie Toleranz und Sinn für Gerechtigkeit vermittelt. Dafür kämpfen sie auch in der Gesellschaft. Alle drei Söhne schafften es nicht nur wegen ihres Football-Talents auf renommierte Unis, haben also weitaus mehr als nur Sport im Kopf.

"In der Grundschule habe ich mal gemeinsam mit zwei weißen Jungs Mitschülern aus Quatsch die Hose runtergezogen. Ich sollte dafür drei Tage suspendiert werden, die weißen Jungs aber nicht", erinnert sich der jüngste Sohn Amon-Ra bei SPORT1. "Meine Mutter hat daraufhin ein intensives Gespräch mit der Direktorin und den zwei beteiligten Lehrern geführt. Die Suspendierung wurde dann aufgehoben."

Der 21-Jährige gilt als Supertalent, spielt ebenfalls als Receiver eine herausragende College-Saison für die USC Trojans und wird seinem älteren Bruder wohl im Frühjahr 2021 in die NFL folgen.

Amon-Ra mit College-Rekord

Zuletzt gelangen ihm beispielsweise vier Touchdowns in einem einzigen Viertel, neben den athletischen Fähigkeiten sticht bei dem 21-Jährigen seine mentale Stärke heraus.

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Dies war schon vor vier Jahren offensichtlich, als SPORT1 die Familie zum ersten Mal besuchen und hautnah begleiten durfte. Der reflektierte und sehr reife Umgang mit dem Rassismus-Thema zeigt, wie sehr die Familie ihre Erfahrungen geprägt, aber auch stärker gemacht haben.

"Solche Dinge passieren tagtäglich im Leben eines Afro-Amerikaners. Wir haben schon ungerechte Behandlung erlebt oder auch gesehen. Dagegen müssen wir alle kämpfen", sagt Amon.

Rassismus als weltweites Problem

Das keineswegs auf die USA beschränkte Thema haben die St. Browns auch in Deutschland am eigenen Leib erfahren.

"Das gibt es auf der ganzen Welt. Ich bin 1989 mit John durch die Kölner Innenstadt gelaufen. Er wollte mit mir zu einem Juwelier. Als die Verkäuferin uns durch die Glasscheibe sah, hat sie ganz schnell die Türe abgeschlossen", sagt Mutter Miriam zu SPORT1.

Die Dame schadete sich am Ende selbst, John Brown hätte ihr an jenem Tag als zweimaliger Mr. Universum in den 80er Jahren einen guten Umsatz beschert.

Wie ernst das Thema ist, zeigt auch eine weitere Episode der Söhne: "In Deutschland ist mal ein Bus mit Schulkindern an uns vorbeigefahren. Als sie uns sahen, haben sie alle die Hand zum Hitlergruß erhoben", sagt Amon.

Schubladendenken weit verbreitet

"Solche Aktionen erleben Schwarze jeden Tag, und es sind auch nicht nur Rechtsradikale, die so eingestellt sind. Ich habe leider festgestellt, dass Stereotype und Schubladendenken in der sogenannten gebildeten Schicht sehr verbreitet sind", sagt Miriam Brown.

Ihr Mann John hat ebenso noch heute Probleme mit alltäglichem Rassismus: "Er ist selbstständig, für ihn ist es jedoch zehnmal schwieriger, einen Geschäftskredit zu bekommen als für einen Weißen."

Die Familie bleibt dennoch optimistisch und versucht immer, ihren Teil dazu beizutragen, die Welt ein klein wenig besser zu machen - auch abseits vom Football.

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