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München - Erstmals seit Jahren verpassen die Patriots die Playoffs. Spielmacher Newton floppt, die Receiver sind schwach - droht dem einstigen Über-Team der Absturz?

Bei den New England Patriots ist es üblich, dass sich Head Coach Bill Belichick nach Ablauf einer NFL-Saison noch einmal den Fragen der Journalisten stellt.

Häufig geschah dies in den vergangenen Jahren nach dem Super Bowl, mindestens aber nach einer der späteren Playoff-Runden. In diesem Jahr ist alles anders. Bereits am 4. Januar, einen Tag nach dem Ende der Regular Season, konnten die Pressevertreter ihre Fragen stellen – so früh wie seit 2009 nicht mehr.

Hinter dem Team aus Foxborough liegt eine bittere Saison. Mit einer Bilanz von sieben Siegen und neun Niederlagen wurden die Playoffs klar und deutlich verpasst - Ernüchterung hat im Gillette Stadium Einzug gehalten.

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Doch nicht alleine der Blick auf die verkorkste Saison dürfte den Patriots-Anhängern Kopfzerbrechen bereiten - auch der Blick auf die kommende Spielzeit macht unsicher.

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Cam Newton enttäuscht

Bei den Pats lief in den vergangenen Monaten wenig zusammen. Bereits die wohl wichtigste Position auf dem Feld brachte nicht den erhofften Erfolg. (Ergebnisse und Spielplan der NFL)

Nach dem Ende der Brady-Dynastie und dessen Abgang in Richtung Tampa wurde in der Offseason die einstige "Scoring Machine" Cam Newton zu einem Minimalgehalt verpflichtet. Während der Start in die Saison noch relativ vielversprechend aussah, warf den Spielmacher eine Coronainfektion schwer zurück.

Newton zeigte sich zwar mit zwölf Rushing Touchdowns zu Fuß bärenstark, nur acht Passing Touchdowns bei zehn Interceptions zeigten aber deutlich, dass er seine eigentliche Aufgabe, das Bälle werfen, nur mäßig erfolgreich beherrschte.

Quarterback im Draft?

Laut NFL-Insider Adam Schefter ist eine Trennung quasi beschlossene Sache. Doch auch auf Backup Jarrett Stidham scheint man nicht zu setzen, anders lässt es sich nicht erklären, dass er trotz teils katastrophaler Spiele von Newton kaum aufs Feld durfte.

Cam Newton konnte in Sachen Passspiel bei den Patriots nicht überzeugen
Cam Newton konnte in Sachen Passspiel bei den Patriots nicht überzeugen © Imago

Im kommenden Draft können die Patriots an Position 15. zuschlagen. Die beiden hochgehandelten Spielmacher Trevor Lawrence (Clemson Tigers) und Justin Fields (Ohio State Buckeyes) dürften da schon lange weg sein, nicht aber Zach Wilson. Bei den BYU Cougars warf der Quarterback zuletzt 30 Touchdown-Pässe und auch ein Engagement in New England würde ihn reizen.

"Das wäre cool. Ich würde alles dafür geben, eines Tages für die Patriots spielen zu können", erklärte er kürzlich bei CBS.

Auch die Verpflichtung eines etablierten QBs käme in Frage. So geistern immer wieder Namen wie Carson Wentz, Ryan Fitzpatrick oder Philip Rivers durch die Gazetten. (SERVICE: NFL-Tabelle)

Receiver zu schwach

Doch selbst ein Ausnahme-Quarterback könnte mit dem aktuellen Receiving-Corps keine Wunder vollbringen. Schon 2019 zeigte sich Brady mit seinen Passempfängern unzufrieden, die Anspielstationen für Newton waren nicht besser.

Seit dem Abgang von Rob Gronkowski gibt es keinen vernünftigen Tight End mehr. Wide Receiver und Brady-Liebling Julian Edelman hatte nicht immer eine Verbindung mit Newton und zog sich bereits in Woche sieben eine Verletzung zu.

Die restlichen Anspielstationen sind vor allem eines: unerfahren. Keinem Receiver gelangen mehr als zwei Touchdowns über die gesamte Saison hinweg. Zumal mit Tight End Matt LaCosse und Receiver Marqise Lee zwei erfahrene Spieler auf die Saison verzichtet haben.

Viele Spieler nutzten Opt-out-Option

Ein Problem, mit dem die Patriots wie kein anderes Team zu kämpfen hatten: Wegen der Coronapandemie gab die NFL den Spielern die Möglichkeit, via Opt-out-Option auf die Saison zu verzichten. Gleich acht Akteure der Patriots machten davon Gebrauch. Darunter Leistungsträger wie Linebacker Dont'a Hightower, Offensive Tackle Marcus Cannon und Safety Patrick Chung.

Sie alle darf Head Coach Belichick zur kommenden Saison wieder begrüßen, was für den mehrmaligen Meister-Trainer eine große Erleichterung darstellen dürfte.

Auch Cornerback und Defensive Player of the Year Stephon Gilmore wird die Injured-Reserve-Liste bis dahin wieder verlassen haben. Wobei die Defensive der Patriots bis jetzt kaum Sorgen macht. Selbst 2020 gehörte diese trotz vieler Niederlagen zu den besten Formationen der NFL.

25 Spieler werden Free Agent

Dennoch ist völlig unklar, welche Spieler zum Start der neuen Saison im September im Kader stehen werden. Denn ganze 25 Profis werden nach der laufenden Saison zum Free Agent.

So buhlen beispielsweise die Running Backs James White und Rex Burkhead um einen neuen Kontrakt. Welche Verträge verlängert werden, wer gehen muss, noch gibt es keine Klarheit.

2021 könnte für New England deshalb zu einem Jahr des Umbruchs werden.

Theoretisch gäbe es dafür mehrere Möglichkeiten. So wäre Tanking und ein dementsprechend hoher Draft-Pick 2022 durchaus eine Option. Ob diese für den ehrgeizigen Belichick und Owner Robert Kraft in Frage kommt, ist eine andere Frage.

Tanking oder Investitionen

Das Team könnte aber auch durchaus investieren. Mit 70 Millionen Dollar haben die Pats in der kommenden Saison ordentlich Gehaltsspielraum, um einige richtig starke Spieler, vornehmlich für die Offensive, an Land zu ziehen.

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Zumal es auch in Sachen Konkurrenz nicht einfacher werden dürfte. Während die Patriots jahrelang die AFC East dominierten, sind sie inzwischen nur noch die dritte Kraft. Die Buffalo Bills sind bärenstark, auch die Dolphins überzeugen und selbst die Jets haben sich endlich von Trainer Adam Gase getrennt und könnten mit einem fähigeren Coach einen Aufwärtstrend starten.

Ob sich die Pats für eine Tanking-Saison oder knallharte Investitionen entscheiden, bleibt abzuwarten. Ein sanfter Umbruch ist dagegen kaum vorstellbar. Zu sehr ist die Franchise dafür auf gnadenlosen Erfolg getrimmt.

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