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München - Tom Brady sprengt mit seinem 7. Super Bowl alle Dimensionen. Das Risiko mit den Bucs nötigt höchsten Respekt ab, aber ein Makel bleibt. Der SPORT1-Kommentar.

Am Ende hatte er die Trophäe in den Händen - wieder einmal.

In der vielleicht schwierigsten Saison der Profisport-Geschichte wechselt dieser Mann mit 43 Jahren das erste Mal sein Team, kann sich während einer globalen Pandemie nur allein auf sein neues Team vorbereiten und gewinnt am Ende doch seinen siebten Super Bowl - die Pittsburgh Steelers sind mit sechs auf Rang zwei. Es ist definitiv Bradys beeindruckendster Titel.

Tom Brady kann kein Mensch sein. Nein, er muss ein ewig junger Außerirdischer sein. In einem körperlich so aufzehrenden Sport hat er nun doppelt so viele Endspiel-Teilnahmen wie der zweitbeste der langen NFL-Historie. Als erster Spieler gewann er Titel in drei Dekaden und nach Peyton Manning ist er überhaupt erst der zweite Quarterback, der Super Bowls mit zwei verschiedenen Teams gewann.

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Riskanter Weg von Patriots zu Buccaneers

Der Super-Bowl-Triumph mit den Tampa Bay Buccaneers gegen die Kansas City Chiefs ist aus vielerlei Gründen besonders bemerkenswert. Neben der sportlich außer Frage großartigen Leistung nötigt die riskante Wahl Respekt ab.

Brady hätte es sich 2020 leicht machen können, als ewige Patriots-Legende 20 Jahren, neun Super Bowls und sechs Titeln aufhören oder Verstärkungen fordern und einen neuen Anlauf im vertrauten Umfeld nehmen können.

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Stattdessen verließ er seine Komfortzone und suchte das neue Abenteuer - nicht zuletzt um der Welt und sich zu beweisen, dass die Patriots vor allem dank ihm eine Ära prägten.

Brady weist junge Generation in die Schranken

Es gab nicht wenige Experten und Romantiker, die seine Entscheidung kritisch sahen und sich nach dem verpatzten Auftakt in New Orleans bestätigt sahen: zu alt, zu schwacher Wurfarm, zu starke Gegner. Nach einer Klatsche gegen jene Chiefs standen in der spielfreien Woche sieben Siegen auch schon fünf Niederlagen gegenüber. Die Playoffs waren in Gefahr, aber seitdem trumpfte Brady mit vereinfachtem System und in alter Patriots-Manier (Saisonstart analysieren und im Dezember/Januar einfach machen, was funktioniert hat) auf.

Auf dem Weg zum Super Bowl sollte keine Niederlage mehr folgen, passenderweise wies er in Patrick Mahomes einmal mehr die junge Generation in die Schranken.

Sein Geheimnis ist einfach und extrem schwierig zugleich: Seit mehr als 20 Jahren existiert für Brady neben der Familie nur Football. Auch dank seiner selbstentwickelten Fitness-Methode arbeitet er 24 Stunden am Tag an sich, Motivationsprobleme kennt er nicht, der unstillbare Hunger nach Erfolg treibt ihn wie am ersten Tag an.

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Makel Betrug bleibt haften

Damit wären wir aber auch beim einzigen Makel des Musterathleten.

Denn während seiner Zeit in New England war er in mindestens einen Betrugsskandal verstrickt. Wie viel die fehlende Luft in den Bällen letztlich sportlich ausmachte, ist dabei unerheblich. Fakt ist: Brady gab damals kein gutes Bild ab (widersprüchliche Aussagen, ein hastig zerstörtes Handy etc.) - der schwarze Fleck des Betruges wird haftenbleiben. Als GOAT wird er trotzdem in die Geschichte eingehen.

Es ist nur konsequent, dass er nach wie vor nicht ans Aufhören denkt - und warum auch? Solange er weiter sämtliche Vorstellungen vom alternden Sportler ad absurdum führt, sollte man dem Außerirdischen alles zutrauen.

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