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Vanessa Hinz gewann bei der WM in Antholz Silber
Vanessa Hinz gewann bei der WM in Antholz Silber © Getty Images
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Vanessa Hinz beschert den Biathletinnen bei der WM in Antholz über 15 km im Einzelrennen die nächste Medaille. Die anderen Deutschen gehen leer aus.

Als die Sekunden im hochdramatischen Kampf um Gold erbarmungslos dahin rannen, verkroch sich Vanessa Hinz in der Umkleidekabine.

"Ich habe gar nicht mitgekriegt, wie knapp das ist", sagte die Bayerin. Und so musste sie nicht mitansehen, wie Lokalmatadorin Dorothea Wierer dem Ziel entgegenstürmte und ihr den WM-Titel im Einzel noch aus den Händen riss. Mickrige 2,2 Sekunden fehlten Hinz zur Goldmedaille, über den Silber-Coup und den größten Erfolg ihrer Karriere freute sich die Biathletin aber kaum weniger.

"Vize-Weltmeisterin hört sich verdammt geil an. Es ist ein unglaublich schöner Tag, ich zittere immer noch", sagte Hinz, nachdem sie einen schier endlosen Marathon aus Umarmungen und Glückwünschen absolviert hatte. Immer wieder schlug sie ungläubig die Hände vor den Mund.

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"Wahrscheinlich", sagte die 27-Jährige, sei dies das Rennen ihres Lebens gewesen. Nach Verfolgungs-Silber von Denise Herrmann bescherte sie dem Deutschen Skiverband (DSV) die zweite Medaille in Antholz.

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Hinz: Immer für einen Gin Tonic gut

Dass es nur knapp nicht Gold geworden ist - völlig egal. "Ich habe eher gezittert, dass es überhaupt für eine Medaille reicht", sagte Hinz, die 13,6 Sekunden vor der Dritten Marte Olsbu Röiseland (Norwegen) lag. "Es freut mich extrem für Vanessa", sagte Herrmann, die sich am Dienstag mit dem zwölften Rang zufriedengeben musste, und kündigte an: "Das werden wir gebührend feiern." Franziska Preuß rundete als Fünfte das starke Teamergebnis ab.

Hinz freute sich indes schon auf die verdiente Belohnung. "Ich bin immer eine, die für einen Gin Tonic gut ist", erzählte sie grinsend: "So einen Tag erlebt man vielleicht nie wieder in seinem Leben. Deswegen muss man das genießen, weil ich über zehn Jahre darauf hingearbeitet habe."

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Für Hinz, die im Weltcup schon einmal im Massenstart (2018) triumphiert hatte, war es die erste WM-Medaille in einem Einzelrennen - dreimal Gold und einmal Silber hatte sie bereits in Team-Wettbewerben gewonnen. Und nach einer durchwachsenen Saison mit vielen Rückschlägen war der Coup von Antholz ein ganz besonderer Balsam für die Seele.

Hinz überzeugt nach Kritik an DSV-Frauen

Nach dem Debakel von Hochfilzen hatten die deutschen Biathletinnen viel Kritik einstecken müssen, Hinz bewies nach den historisch schwachen Auftritten der DSV-Frauen im Dezember Galgenhumor: "Wenn die Scheiße erst einmal dranklebt, dann klebt sie so richtig dran", hatte sie gesagt: "Von uns erwartet ja im Moment ohnehin niemand was." Nach dem 64. Platz im Sprint von Annecy waren es "sehr schwierige Weihnachten", wie Hinz erzählte.

Halt fand die Zollbeamtin in diesen Momenten bei ihren Liebsten. "Die Familie ist für mich einfach das Allerwichtigste", sagte sie - und so flossen am Dienstag dann auch die Tränen, als sie ihre Schwester im Zielbereich erblickte. "Da habe ich es nicht mehr halten können", erzählte Hinz lachend.

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Schon mit Platz fünf in der WM-Verfolgung hatte sie in Antholz ein großes Ausrufezeichen gesetzt. "Für mich war das fast wie ein Sieg", hatte sie im Anschluss noch gesagt, und als Herrmann nach dem Jagdrennen Silber um den Hals gehängt bekam, habe sich Hinz gedacht: "Das muss ein verdammt geiles Gefühl sein, da oben zu stehen. Ich will das auch mal erleben." Zwei Tage später ging dieser Wunsch in Erfüllung.

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