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Johannes Kläbo verlor sein viertes Gold am Grünen Tisch
Johannes Kläbo verlor sein viertes Gold am Grünen Tisch © Imago
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Norwegens Skilanglauf-Topstar Johannes Hösflot Kläbo jubelt nicht lange über die Goldmedaille im Marathon. Er wird disualifiziert, der Protest ist erfolglos.

Norwegens Skilanglauf-Topstar Johannes Hösflot Kläbo ist eine Stunde nach dem Gewinn seiner vermeintlich vierten Gold-Medaille bei der WM in Oberstdorf disqualifiziert worden.

Der 24-Jährige hatte nach 50 km auf der Zielgeraden seinem Kontrahenten Alexander Bolschunow die Vorfahrt genommen, bei dem Zusammenstoß war der Stock des zu diesem Zeitpunkt führenden Russen gebrochen. Ein Gegenprotest der Norweger wurde nach kurzer Beratung abgelehnt. (Weltcup-Stände im Skilanglauf)

Zum Weltmeister wurde somit der zunächst zweitplatzierte Norweger Emil Iversen erklärt. Bolschunow holte Silber, Bronze ging an den Norweger Simen Hegstad Krüger. Jonas Dobler (Traunstein) rückte auf Rang 17 vor und sorgte für das beste Einzel-Ergebnis der deutschen Männer bei der Heim-WM.

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"Das ist eine seltsame Art, Weltmeister zu werden", sagte der unverhoffte Weltmeister Emil Iversen, der nie zuvor eine große Einzelmedaille gewonnen hatte: "Aber auf jeden Fall ist es ein großer Tag für mich. Für mich geht ein Traum in Erfüllung, aber für Johannes tut es mir leid und ich unterstütze die Entscheidung der Jury nicht. Ich werde ihn fest umarmen, er ist der moralische Sieger." 

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Schlickenrieder findet Aktion von Kläbo "grenzwertig"

300 Meter vor dem Ziel war es zu der Berührung zwischen dem deutlich schnelleren Kläbo und Bolschunow gekommen. "Das war grenzwertig von Kläbo. Da war einfach kein Platz mehr", sagte Bundestrainer Peter Schlickenrieder: "Wenn er meint, er muss die Spur wählen, die der vor ihm laufende Bolschunow wählt, finde ich es grenzwertig. Wenn er hintendran ist, muss er normalerweise um Bolschunow herumlaufen und die linke Spur wählen."

"Für mich fühlte es sich so an, als wollte er mich abdrängen. Auf der anderen Seite hatte er viel Platz", erklärte Kläbo.

"Mit einem Stock kann ich nicht um Gold kämpfen. Entweder gewinnt Kläbo oder ich, aber nicht Iversen", widersprach Bolschunow, der bei der Siegerehrung darauf verzichtete, sich seine Medaille um den Hals zu hängen.

In dieser Szene verschaffte sich Johannes Kläbo (l.) mit - laut Ansicht der Jury - unerlaubten Mitteln einen Vorteil
In dieser Szene verschaffte sich Johannes Kläbo (l.) mit - laut Ansicht der Jury - unerlaubten Mitteln einen Vorteil © Imago

Norwegen will erneut protestieren

Allerdings kündigten die Norweger eine weitere Berufung an. "Dass die WM so für mich endet, ist ernüchternd", sagte Kläbo.

Bolschunow beschäftigte damit wieder einmal die Regelhüter der FIS. Der 24-Jährige war erst kurz vor der WM wegen unsportlichen Verhaltens zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, nachdem er Ende Januar bei der Staffel in Lahti den Finnen Jona Mäki mit einem Bodycheck niedergestreckt hatte. Bolschunow hatte Absicht bestritten.

Der 20 Jahre alte Friedrich Moch (Isny) zeigte im ersten 50er seiner Karriere eine beherzte Leistung, verlor auf der letzten Runde aber noch an Boden und kam auf dem 20. Rang ins Ziel. "Das war ein versöhnlicher Abschluss. Die Männer haben gekämpft, Chapeau", sagte Schlickenrieder. 

Norwegen knackt eigenen WM-Rekord

Kläbo hatte zuvor im Sprint, Teamsprint und mit der Staffel Gold geholt. Dennoch durfte sich Norwegen über die Medaillen Nummer 30 und 31 der Titelkämpfe in Oberstdorf freuen. Mit insgesamt 31 Podestplätzen (13xGold, 11xSilber, 7xBronze) verbesserte das Team Norge den eigenen WM-Rekord aus dem Jahr 2019 (25 Medaillen) deutlich, 13 Titel bedeuten die Einstellung der eigenen Bestmarke von vor zwei Jahren. 43 Prozent der Medaillen gingen an die Skandinavier.

Den "Marathon" der Frauen über 30 km hatte am Samstag die Norwegerin Johaug mit dem größten Vorsprung der WM-Geschichte gewonnen. Die 32-Jährige lag nach 1:24:56,3 Stunden 2:34,2 Minuten vor ihrer Landsfrau Heidi Weng. Bronze ging an die Schwedin Frida Karlsson (+2:34,8).

Beste Deutsche war in ihrem ersten 30-km-Rennen die Oberstdorferin Laura Gimmler als Zehnte (+4:08,6). Katharina Hennig (Oberwiesenthal), die bis zur Hälfte des Rennens auf Medaillenkurs gelegen hatte, wurde noch auf Platz 18 (+5:17,0) durchgereicht.

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