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Skispringen: Matti Nykänen mit 55 Jahren gestorben Matti Nykänen ist mit 55 Jahren verstorben
Skispringen: Matti Nykänen mit 55 Jahren gestorben Matti Nykänen ist mit 55 Jahren verstorben © Getty Images
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Die finnische Skisprung-Legende Matti Nykänen ist tot. Auf große Erfolge war ein tiefer Fall gefolgt. Ex-Rivale Jens Weißflog reagiert geschockt.

Finnland und die Skisprung-Szene trauern um Matti Nykänen. Der viermalige Skisprung-Olympiasieger starb in der Nacht zum Montag, den 3. Februar 2019, im Alter von 55 Jahren.

"Matti Nykänen ist tot. Einer der größten Skispringer aller Zeiten, vielleicht der größte, ist nicht mehr da", sagte Sportdirektor Clas Brede Brathen vom finnischen Skisprungverband.

Die Todesursache wurde nicht genau benannt und nur als "krankheitsbedingt" umschrieben. Nykänen - der nach seiner erfolgreichen Karriere tief gefallen war - soll seit längerer Zeit gesundheitlich geschädigt gewesen sein.

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Der Finne hatte in den 1980er-Jahren seinen Sport dominiert. Allein bei den Winterspielen 1988 in Calgary gewann er drei Goldmedaillen, zudem triumphierte er 1984 in Sarajevo von der Großschanze.

Jens Weißflog, langjähriger Weggefährte Nykänens, zeigte sich über den unerwarteten Tod des Finnen tief bestürzt. "Ich habe die Nachricht mit Entsetzen aufgenommen.  Er war ein Mensch mit Stärken und Schwächen. Ich denke aber, dass ist auch das, was einen Menschen ausmacht. Er stand zu seinen Schwächen. Ich denke, der überwiegende Teil, der von Matti Nykänen gehört hat, weiß, was er sportlich geleistet hat. Das überwiegt", erklärte der 54-Jährige bei SPORT1.

Nykänen gewann 46 Weltcup-Springen

Nykänen war einmal der beste Skispringer der Welt. Mit 18 gewann er die WM, mit 19 die Vierschanzentournee, mit 20 Olympia-Gold in Sarajevo. Später folgte der tiefe Absturz des Überfliegers. Der Alkohol, die Frauen, das Herz. Die Hölle sei nicht so schlimm "wie mein Leben jahrelang war", sagte der gefallene Held 2012 in einem Welt-Interview: "Die Hölle muss ein besserer Ort sein."

"Nykänen hatte diese Genialität leider nur auf der Schanze, im Leben war er etwas verloren", sagte Bundestrainer Werner Schuster einmal. Da hatte der Finne gerade seinen Uralt-Rekord von 46 Weltcup-Siegen an Gregor Schlierenzauer verloren. Nykänen reiste daraufhin zum Springen nach Kuopio, um dem Österreicher persönlich zu gratulieren: "Gregor, du bist jetzt ein ganz großer Skispringer. Für mich der größte aller Zeiten."

Das war höflich, aber nicht unbedingt richtig. Vier Olympiasiege wie Nykänen hat Schlierenzauer (noch) nicht zu bieten. Vier Triumphe im Gesamtweltcup auch nicht. 

Viele Skandale im Privatleben 

Doch all die Titel, all die Medaillen, sie halfen Nykänen im richtigen Leben nicht weiter. In seinem Wikipedia-Eintrag finden sich heute mehr Zeilen über die Zeit nach der Karriere als über die Jahre als Sportler. Die meisten handeln von Skandalen. Von seinen drei Scheidungen. Von einer Vorstrafe wegen Körperverletzung, weil er seine Frau mit einem Messer attackierte. Von seiner Zeit als Stripper und als Darsteller in Erotikvideos. Von einem Herzinfarkt im Jahr 2004. Und immer wieder von Alkohol.

"Wenn du trinkst, lebst du wie in einer Blase, siehst keinen Sinn", sagte Nykänen der Welt und versuchte sich an einer Erklärung: "Ich stand viele Jahre im Mittelpunkt, alle haben sich um mich gerissen. Ich hatte es satt, es war zu viel. Ich war unglücklich und habe angefangen, in mir drinnen eine Mauer hochzuziehen. Ich war sehr jung, als ich erfolgreich geworden bin, die Medien waren die ganze Zeit um mich herum - ich hätte Hilfe gebraucht. Das war der Anfang. Ich habe später getrunken, weil ich nichts anderes zu tun hatte, weil ich vergessen wollte."

Zu seinem 50. Geburtstag im Jahr 2013 sagte Nykänen, er habe sein Leben im Griff. 

Nykänen und Weißflog hatten sich über zehn Jahre spannende Duelle geliefert. "Es ist immer schwierig, eine Rangliste zu erstellen. Aber er gehört zu den fünf Athleten, die die wichtigsten vier Bewerbe im Skispringen gewonnen haben. Zusätzlich Skifliegen. Also er gehört ganz oben hin. Er hat das Skispringen mitgeprägt und war in den 80ern bis Anfang der 90er dominierend", so Weißflog.

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