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Nach langer Leidenszeit kehrt Daniel-André Tande in dieser Saison zurück in die Weltspitze. Dabei stand sein Leben vor rund eineinhalb Jahren auf Messers Schneide.

Nach einem schwierigen letzten Jahr, in dem er um sein Leben bangte, hat sich Daniel-André Tande in diesem Winter in der Weltspitze des Skispringens zurückgemeldet.

Zwar liefen die ersten beiden Springen der Vierschanzentournee mit Platz 43 in Oberstdorf und Rang 30 in Garmisch-Partenkirchen für den Norweger alles andere als optimal, mit zwei Siegen in Wisla und Kuusamo stellte er zum Saisonauftakt aber eindrucksvoll unter Beweis, dass mit ihm wieder zu rechnen ist. (Gesamtstand der Vierschanzentournee 2019/20)

Umso beeindruckender ist das Ganze mit Blick auf die anderthalbjährige Leidenszeit des 25-Jährigen zwischen Frühjahr 2018 und Herbst 2019.

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Tande erkrankt an potenziell tödlicher Hautkrankheit

Alles begann mit einer scheinbar harmlosen Entzündung im Mund, die sich nur einen Tag später als lebensgefährliche und potenziell tödliche Hautkrankheit herausstellte. 

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"Als ich wieder aufgewacht bin, konnte ich nicht mehr atmen", beschrieb er die Situation, nach einem kurzen Mittagsschlaf im Mai 2018, nun im Gespräch mit dem Spiegel: "Für ein paar Sekunden habe ich gedacht, dass ich sterbe." 

Im Krankenhaus stellten die Ärzte kurz darauf die Diagnose "Stevens-Johnson-Syndrom", vermutlich ausgelöst durch eine allergische Reaktion auf ein Medikament.

Da ein Teil der für die Behandlung notwendigen Medikamente auf der Dopingliste stand, waren sich die Mediziner zunächst unsicher, was sie tun sollten. "Aber es gab keinen anderen Weg, um die Krankheit zu behandeln. Mein Mund war eine große Wunde, ich musste durch einen Schlauch ernährt werden", schilderte Tande die dramatisch Situation.

Comeback-Saison wird zum Desaster

Knapp zwei Wochen musste der Olympiasieger und Skiflug-Weltmeister anschließend im Krankenhaus bleiben, dachte sogar an ein Karriereende. Am Ende entschied er sich doch gegen diesen drastischen Schritt. "Ich habe mit der Motivation gekämpft, aber ich liebe diesen Sport", erklärte er.

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Was folgte, war ein langer und steiniger Weg zurück in die Weltspitze seines Sports. Er verlor Gewicht und Muskeln, bis September konnte er nicht springen. Umso überraschender kam daher - nach nicht einmal 30 Trainingssprüngen - sein Comeback zur Saison 2018. "Meine Form ist sehr gut, ich bin wieder voll im Training. Alles ist wieder normal", sagte er damals.

Ein Trugschluss, wie Tande heute selbst eingesehen hat. Er sprang nur hinterher, zog sich zwischenzeitlich sogar aus dem Weltcup zurück, verletzte sich wieder am Knie und beendete schließlich die Saison ohne eine einzige Podestplatzierung.

Tande hat Rechnung mit Vierschanzentournee offen

Das gelang ihm erst zu Saisonbeginn mit den Siegen in Polen und Finnland wieder. "Es ist für mich nicht mehr das Ende der Welt, wenn ich mal in einem Wettbewerb eine schlechte Leistung zeige. Verlieren ist für mich nicht mehr so schlimm", zog er rückblickend seine Lehren aus der schwierigsten Phase seiner Karriere.

Eine Niederlage wirkt dennoch bis heute noch schwer nach. Nach Siegen in den ersten beiden Springen stand Tande vor drei Jahren kurz vor dem Sieg der Vierschanzentournee - und verlor diesen auf dramatische Weise. Nur mit Mühe konnte er beim letzten Sprung in Bischofshofen einen Sturz aufgrund eines offenen Clips an der Bindung seines rechten Skis verhindern und fiel in der Gesamtwertung auf Platz drei zurück.

"Ich habe noch genügend Chancen in meinem Leben, die Vierschanzentournee zu gewinnen. Jetzt bin ich also nicht sauer auf mich selbst. Aber wenn ich meine Karriere irgendwann beende und ich habe diesen Sieg nicht mehr geholt? Klar, dann bleibt da ein bitterer Beigeschmack", sagte er.

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