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Die Hamburg Freezers mit Goalie Dimitrij Kotschnew ziehen sich aus der DEL zurück
Die Hamburg Freezers mit Goalie Dimitrij Kotschnew ziehen sich aus der DEL zurück © Imago

Der nächste Schock für die verhindere Olympia-Stadt: Die Freezers ziehen aus der DEL zurück. Der Eigentümer begründet dies kühl. Eine Hintertür bleibt.

Olympia abgelehnt, Handballer insolvent und jetzt noch der plötzliche K.o. für die Hamburg Freezers - nach der dritten Schockwelle binnen eines halben Jahres liegt die selbsternannte Sportstadt Hamburg in Trümmern.

Völlig überraschend kündigte Freezers-Besitzer Anschutz Entertainment Group (AEG) am Mittwoch an, den Stecker zu ziehen und keine neue Lizenz für die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) zu beantragen.

"Wir haben seit 2011 gewissenhaft daran gearbeitet, einen nationalen oder internationalen Partner zu finden, der die Freezers übernimmt - leider bis zum heutigen Tag erfolglos", begründete AEG-Boss Tom Miserendino den unerwarteten Beschluss.

Das Unternehmen bleibt weiterhin Eigentümer der Berliner Eisbären, will aber keinen zweiten Klub in der DEL mehr betreiben.

Der nächste Rückschlag für Hamburg

Der bevorstehende Rückzug des seit 14 Jahren in der Hansestadt beheimateten Klubs ist seit November vergangenen Jahres schon der vierte herbe Rückschlag für die Sport-Pluralität in der Hansestadt.

Begonnen hatte es mit der mehrheitlichen Ablehnung der Bewerbung für Olympia 2024 in Hamburg bei einem Bürgerreferendum.

Im Januar mussten die HSV-Handballer, einst deutscher Meister und Champions-League-Gewinner, Insolvenz anmelden. Sie versuchen einen Neustart in Liga drei.

Finanzielle Probleme zwangen im April auch die Volleyballerinnen vom VT Aurubis Hamburg zum freiwilligen Abstieg in die zweite Bundesliga.

Schock auch bei Eishockey-WM

Auf der Kippe steht auch das WorldTour-Radrennen Hamburg Cyclassics, nachdem der Hauptsponsor (Vattenfall) abgesprungen ist. Die Austragung des bedeutendsten deutschen Eintagesrennens ist nur noch in diesem Jahr (21. August) finanziell abgesichert.

Doch der bevorstehende K.o. der Freezers zieht Kreise weit über die norddeutsche Metropole hinaus. "Für die Region ist es eine Katastrophe, für das deutsche Eishockey ein herber Schlag", sagte Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), am Rande der WM in Russland (live im TV auf SPORT1).

Der Beschluss sei parallel zur Euphorie um die erfolgreiche deutsche Nationalmannschaft besonders bedauerlich.

Schubert twittert um Hilfe

Allerdings steht noch ein winziges Hintertürchen offen. Sollte die Anschutz-Gruppe bis zum 24. Mai doch noch einen Käufer finden, könnte der Verzicht auf eine DEL-Lizenz für die Saison 2016/2017 doch noch rückgängig gemacht werden. 

Deshalb hofft auch Freezers-Kapitän Christoph Schubert noch auf eine positive Wende in letzter Minute. "Sportstadt Hamburg, wir brauchen Hilfe. Ich bin geschockt, das kann es nicht gewesen sein", twitterte der langjährige Stammspieler. Frommhold bezifferte die Chancen auf eine Last-Minute-Rettung jedoch nur auf ein Prozent. 

Die Freezers hatten 2002 die Lizenz von den München Barons übernommen. Mittlerweile hat sich in der bayerischen Hauptstadt der EHC München zumindest sportlich etabliert und im April den ersten nationalen Titel eingefahren.

"Mit den Freezers nie Geld verdient"

Wer die frei werdende Spielerlaubnis für die DEL übernimmt, ist noch unklar. Zuletzt hatten die Hannover Scorpions 2013 ihre Lizenz an die Schwenninger Wild Wings verkauft und in der Oberliga neu begonnen. Damit vertritt zukünftig nur noch Vize-Meister Grizzly Adams Wolfsburg den Norden in der DEL.

Sportlich konnten die Freezers dem "Stallkollegen" Eisbären Berlin in den 14 gemeinsamen DEL-Jahren nicht das Wasser reichen. Zwei Halbfinal-Teilnahmen (2004 und 2014) waren die besten Resultate, im gleichen Zeitraum ging der Titel gleich siebenmal an die Spree.

Miserendino kühl: "Wir haben uns für das erfolgreichere Team entschieden. Mit den Freezers haben wir leider nie wirklich Geld verdient.

26 Termine werden frei

Ob sich der Todesstoß für die Freezers allerdings für die Anschutz-Gruppe finanziell wirklich rechnet, muss sich noch zeigen.

Denn dem Unternehmen gehört auch die Hamburger Arena - und in der werden ab September nun mindestens 26 Termine frei, die mit Shows, Konzerten und anderen Veranstaltungen erst einmal besetzt werden müssen.

Doch in diesem Punkt strahlte Uwe Frommhold, vier Jahre lang in Personalunion Geschäftsführer der Freezers und auch der Arena, Zuversicht aus: "Unsere Halle ist profitabel und wird profitabel bleiben."

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