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Ravensburg - Yasin Ehliz ist Deutschlands Top-Torjäger in der WM-Vorbereitung und trotzt der Entzweiung der Nürnberger. Bundestrainer Cortina und SPORT1-Experte Goldmann sind begeistert.

Vom DEB-Team berichtet Rainer Nachtwey

"I denk scho. " Wenn man ihn reden hört, merkt man sofort, wo er aufgewachsen ist. Der oberbayrische Dialekt ist unverkennbar. Yasin Ehliz ist in Bad Tölz geboren, hat dort das Eishockey spielen gelernt. Seine Wurzeln liegen aber ganz woanders.

Ehliz ist nach Sinan Akdag der zweite türkisch-stämmige Nationalspieler, seine Eltern wanderten in jungen Jahren aus der Türkei nach Deutschland aus.

Als Akdag 2012 sein WM-Debüt feierte, wurde er als der Eis-Özil bezeichnet. Wenn Akdag der Eis-Özil ist, ist Ehliz der Eis-Gündogan. Wie Gündogan startete er seine Profi-Karriere in Nürnberg.

Vier Tore in sechs Spielen

Aber Ehliz sorgt in der Vorbereitung auf die WM in Prag (1. bis 17. Mai LIVE im TV auf SPORT1) nicht aufgrund seiner Herkunft für Aufsehen.

Der Stürmer der Thomas Sabo Ice Tigers gehört seit über einem Jahr zum Kader der Nationalmannschaft, gab in Weißrussland sogar sein WM-Debüt.

Vielmehr lässt Ehliz sportlich aufhorchen. Er ist bisher der große Gewinner der Vorbereitung. Vier der ersten sieben deutschen Tore (insgesamt zehn) erzielte der Nürnberger Angreifer, sorgte mit seinem Doppelpack in Füssen fast im Alleingang für den 3:0-Sieg gegen Frankreich.

Traumtor gegen Frankreich

Ein wundervoller Alleingang war vor allem sein zweiter Treffer, der zum 2:0. Drei Franzosen aussteigen lassen und dann überlegt über die Stockhand des Keepers eingenetzt.

Sein schönstes Tor in seiner noch jungen Karriere? "I denk scho", sagt Ehliz. "Wir haben einen guten Forecheck gefahren, dann ist die Scheibe zu mir, ich habe versucht durchzukommen, habe den Mitspieler noch auf der anderen Seite gesehen, aber dann stand ich auf einmal alleine und habe ihn einfach reingehauen."

Einer der Kleinsten

Es hört sich so einfach an, ist es aber nicht. Ehliz ist ein Kämpfer. Das war er schon immer. Das musste er auch sein.

"Iggy " ist mit seinem mächtigen Oberkörper zwar ein Baumstamm von einem Mann, mit seinen 1,77 Metern gehört er unter den Eishockeyspielern aber zu den kleineren.

"In der Jugend war ich immer der Kleinste. Ich musste mir den Respekt erarbeiten. Das hat mich stark gemacht ", sagt Ehliz. Die fehlende Größe macht er durch Einsatzwille und Können wett.

"Ihn zeichnet seine Schnelligkeit aus", sagt auch SPORT1-Experte Rick Goldmann. "Dazu ist er technisch versiert und hat auch bei hohem Tempo eine gute Scheibenkontrolle."

Cortina: "Er weiß, wie er spielen muss"

Alles Qualitäten, die er bei seinem Traumtor im ersten Frankreich-Spiel vereinte. Qualitäten, die auch Bundestrainer Pat Cortina an dem 22 Jahre alten Stürmer schätzt. "Er weiß, wie er auf diesem Niveau spielen muss ", sagt der Auswahlcoach.

Sechs Spiele, vier Tore, Ehliz trifft und trifft. Und es sind nicht irgendwelche Tore, es sind die wichtigen.

Das allererste deutsche Tor in der Vorbereitung zum 1:2 nach fünf Dritteln ohne Torerfolg gegen Russland. Die Tore zum 1:0 und 2:0 gegen die Franzosen im ersten Spiel und beim 4:3 in der zweiten Frankreich-Partie nach 70 Sekunden erneut zum 1:0.

Dank dieser Treffer erarbeitet sich der Linksschütze das Prädikat unverzichtbar. Dabei lief Ehliz bei den Frankreich-Spielen nicht mehr Seite an Seite mit seinem kongenialen Nürnberger Sturmpartner Patrick Reimer auf. "Ich habe etwas anderes probiert und seine Antwort war sehr gut. Das freut mich", sagt Cortina.

Von den Routiniers profitiert

Eigentlich ist es gerade das Zusammenspiel in Nürnbergs Top-Reihe mit Reimer und dem kanadischen Stanley-Cup-Sieger Steven Reinprecht (2001 mit der Colorado Avalanche), von dem er profitiert. "Ich konnte mir viel von den beiden abschauen", sagt Ehliz.

So sieht es auch Goldmann: "Mit seiner Schnelligkeit komplettiert er perfekt die offensivstärkste Angriffsreihe der DEL." 52 Scorerpunkte in 56 Saisonspielen sind die Folge, die drittbeste Ausbeute aller deutschen Spieler in der DEL.

Seite an Seite mit dem Eis-Özil?

Dieses Selbstvertrauen, das er in Nürnberg aufgebaut hat, nimmt er nun in die WM-Vorbereitung mit, die mit Partien gegen Dänemark am Freitag und am Samstag (19.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) weitergeht. Und es hat ihn bisher unverzichtbar gemacht. Über die WM-Nominierung dürfte es eigentlich keine Debatte geben.

Nun fehlt nur noch Sinan Akdag, der noch mit den Adler Mannheim in den DEL-Finals gegen Ingolstadt um den Titel kämpft, und der Eis-Özil und der Eis-Gündogan wären bei der WM vereint.

Was meint Ehliz? "Des is am Trainer sei Entscheidung ", sagt Ehliz dann wieder in seinem bayrischen Dialekt und lacht. Seine Herkunft kann er einfach nicht verleugnen.

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