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Schalkes Chef-Trainer Patrick Funke muss viel aufarbeiten © Riot Games

Am Ende seines ersten EU LCS-Splits stieg der FC Schalke 04 bereits in die zweite Liga ab. Grund zur Kritik?

Mitte Mai wurde es offiziell: Schalke verpflichtete ein League of Legends-Team und stieg somit direkt in der europäischen eSports-Königsklasse, der EU LCS, ein.

Am vergangenen Sonntag, knapp drei Monate später, folgte der Abstieg

Die Königsblauen müssen den kommenden Spring Split somit in der Challenger Series ausharren, bis man im Frühling wieder die Chance zum Aufstieg hat.

Raketenstart und Absturz

Dabei ging es eigentlich sehr gut los: In den ersten Wochen der Sommersaison kratzte Schalke unermüdlich an der Top 4, man war zwischenzeitlich ein Top-Team.

Das Lineup bestehend aus Spielern, die zuvor um den Abstieg bangten, wirkte wie ausgewechselt.

Auf Schalkes guten Saisonstart folgte jedoch große Ernüchterung: In der Rückrunde brachte das Team kaum etwas zustande. Man verlor sogar eindeutig gegen den Tabellenletzten ROCCAT.

Die Spiele waren nicht schön anzuschauen und geprägt von spielerischen Fehlern. 

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Wo lagen die Fehlerquellen?

Es handelt sich um ein großes Ärgernis für die Gelsenkirchener, doch davon lässt man sich nicht beirren. Schalke verkündete bereits, dass man das League of Legends-Projekt wegen dieses Rückschlages nicht aufgeben werde. 

Im Gegenteil: Man wolle die Professionalisierung nun umso mehr vorantreiben, so Moritz Beckers-Schwarz, der Vorsitzende Geschäftsführer.

Es bleibt jedoch die Frage, inwieweit man das nicht bereits im vergangenen Split hätte umsetzen können.

Im SPORT1-Interview sprach Teammanager Jacob Toft-Andersen im Mai beispielsweise davon, dass man zeitnah Ersatzspieler rekrutieren wolle, die zusammen mit der Start-Fünf trainieren sollten. Dies geschah nicht.

Keine Transfers - Stärke oder Schwäche?

Einige Fans sind auch der Meinung, man hätte Transfers in Betracht ziehen sollen - andere Top-Teams wie G2 und Fnatic wechselten Spieler und das sogar trotz ihres Erfolges. 

Doch Schalke ließ sich davon nicht beirren - Toft-Andersens Devise: Auf Synergie zwischen den Spielern setzen. 

Steve, Schalkes Top-Laner, ist absoluter Publikumsliebling © Riot Games

Und das ist gut so! Wie oft hat man es in der eSports-Szene schon gesehen, dass Kader zum Saisonende gar nicht mehr der anfänglichen Aufstellung ähnlich sahen? Das beste Beispiel ist das Team Elements Anfang 2015.

Schalke wählte eben nicht diesen einfachen Weg, bei dem man mit Geld um sich wirft und einen Platz an der Tabellenspitze kauft. Stattdessen vertraute man in die Akteure und gab ihnen Zeit zur Entwicklung.

Fans gab man dabei auch Zeit - Zeit, um sich mit den Spielern zu identifizieren und sie kennenzulernen.

Mit Gilius und Steve verfügt Schalke nun zum Saisonende über zwei Publikumslieblinge, die von vielen Zuschauern geliebt und von einigen vielleicht auch kontrovers gesehen werden. 

Genau das braucht eSports: Protagonisten! Und genau das erreicht man nicht, wenn man alle paar Wochen einen Spieler austauscht.

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Engagement statt Einkauf

Wenn ein traditioneller Sport-Verein in den eSports vordringt, gehört viel mehr dazu, als nur Geld für ein Team auszugeben. 

Plötzlich gerät man in eine ganz neue Szene, die ernst genommen werden möchte und mit der man richtig umgehen muss. Das hat Schalke brillant gemeistert.

Wer hätte gedacht, dass sich der Fußballverein auf Anhieb so gut mit den eSports-Fans auf Twitter und Facebook verstehen würde? Die Social Media-Posts der Knappen greifen stets die aktuellen Geschehnisse auf und setzen sich mit den Stimmen aus der Community auseinander.

Ebenso gut ist die Presse-Arbeit. Jede Woche erhält SPORT1 Presse-Kits vergleichbar mit dem, was der Verein auch im Fußball umsetzt. Stets zeigt sich das Management hilfsbereit, wenn es um die Organisation von Interviews geht - hier ist Professionalität zu finden, die den eSports-Teams meist fehlt.

Was hält die Zukunft bereit?

Nichtsdestotrotz: Auch im eSports muss man das Ziel haben, der Beste zu sein.

Was nun nicht passieren darf ist, dass Schalke die Challenger Series auf die leichte Schulter nimmt und ein ebenbürtiges oder gar abgespecktes Programm fährt. Es muss sich spielerisch etwas tun!

Man wünscht sich einen erweiterten Kader - Ersatzspieler, damit auch intern ein Konkurrenzgeist aufkommt, den man aus anderen Sportarten, wie beispielsweise dem Fußball, kennt. 

Man wünscht sich ein größeres Trainer-Team, damit die essenziellen Probleme des Kaders strukturiert in Angriff genommen werden. 

Gilius, Jungler bei Schalke, ist für sein Selbstbewusstsein bekannt, beliebt und oft im Zentrum der Kritik © Karina Ziminaite - GameSports.de

All das werden wir vielleicht bekommen. Schalke versprach bereits, dass man die Knappenschmiede auch für eSports umsetzen wolle und ein so großes Unterfangen benötigt nun mal seine Zeit.

Im Fußball sind die Königsblauen und ihre Nachwuchsarbeit nicht ohne Grund so renommiert. Man darf gespannt sein, wie es im eSports aussehen wird.

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