München und Dortmund - Die Freude nach dem 3:0-Sieg beim SC Freiburg hielt sich bei Borussia Dortmund in Grenzen. Zu schwach war der Gegner, auch die Experten bleiben skeptisch.

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Jürgen Klopp hat ein Problem.

Er kann aus seiner Laune kein Geheimnis machen.

Und so sah man ihn nach dem überraschend deutlichen 3:0-Sieg in Freiburg da sitzen, auf diesem Podium. Pressekonferenz nach dem Spiel. "Wir waren die einzige Fußballmannschaft der Welt, die sich überhaupt nicht mehr gefreut hat, sondern immer nur erleichtert war", sagte Klopp irgendwie mehr erleichtert als erfreut.

Zu oft saß er dort zuletzt, natürlich meist in Dortmund, aber auch in Gelsenkirchen, Berlin, München oder Bremen. Und musste immer Fragen nach dem Warum beantworten. Antworten, die er selbst nicht hatte.

In Freiburg nun reichte eine ordentliche Leistung gegen einen erschreckend schwachen Gegner. Klopp weiß das. Nichts, was zu ekstatischen Zuständen verleiten würde. Ohne Frage, die sportliche Lage hat bei den Verantwortlichen einem ausgeprägten Pragmatismus den Weg geebnet.  Bloß nichts überstürzen, bloß keine voreiligen Schlüsse. Ein gebranntes Kind scheut eben das Feuer.

Experten zweifeln

Denn schon einige Male war sie da, die Hoffnung nach dem Jetzt-aber-Moment. Nach den Siegen gegen Hoffenheim (1:0) oder Mönchengladbach (1:0), zum Beispiel. Sie erfüllte sich nicht.  

"Bei Borussia Dortmund nach dem Sieg in Freiburg jetzt schon von einer Wende zu sprechen, wäre hanebüchen", stellte auch SPORT1-Experte Thomas Berthold in seiner Kolumne fest: "Von einer Wende kann man erst sprechen, wenn man eine Serie hingelegt hat oder in der Lage war, gegen andere Gegner auch mal einen Rückstand aufzuholen."

Die Statistik stützt die Worte Bertholds: Zwölf Mal ging der BVB in Rückstand, elf Mal verlor er anschließend. Eine Frage der Qualität oder des Selbstbewusstseins? In Freiburg erleichterte die frühe Führung durch Marco Reus den Auftritt, nahm die Nervosität, erlaubte die Überfalltaktik nach Freiburger Ballverlusten. Hin und wieder war es in der Folge wieder zu sehen, das Umschaltspiel dieser Mannschaft, die den Begriff in die Fußballsprache einführte, zumindest jedoch neu definierte.

Kevin Kampl (2.v.l.) im Zweikampf gegen den SC Freiburg
© Getty Images

Zweikampfwerte (51% gewonnen) und Spielanteile (47%) lagen in Freiburg unter dem Dortmunder Schnitt und sind auch im Ligavergleich eher bescheiden, drei Tore in einem Ligaspiel schießt die Mannschaft auch nicht in der Regelmäßigkeit früherer Jahre.

Mainz als Wendepunkt

Erstmals seit dem Champions-League-Finale 2013 in London standen in der Viererkette Schmelzer, Hummels, Subotic und Pizczek vor Torhüter Weidenfeller. Ein Aha-Effekt für schwarz-gelbe Romantiker oder ein Indiz, dass das bisweilen überstrapazierte Klagen ob der vielen Verletzten doch nicht ganz von der Hand zu weisen ist?

Immerhin: Der BVB kassierte in drei Rückrundenspielen erst ein Gegentor - wenngleich ein selten dämliches gegen Augsburg - zudem spielte die Offensive mit dem starken Aubameyang und Reus zielstrebig und lauffreudig. Sie sind da, die Ansätze.

Das letzte und bis dato einzige Mal, als Dortmund zwei Spiele hintereinander gewann, war Mitte September vergangenes Jahres. Nach Siegen gegen Augsburg (3:2) und Freiburg (3:1) lag der Klub auf Rang vier, das Selbstverständliche ging scheinbar seinen Weg.

Danach ging es steil bergab und begann mit einer Niederlage - gegen Mainz. Die Frage, ob der Sieg in Freiburg ein Strohfeuer oder die Trendwende war, wird am kommenden Freitag beantwortet - gegen Mainz.

Vielleicht reicht dann auch ein Blick in Jürgen Klopps Gesicht.

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