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Pierre-Emerick Aubamayang und Marco Reus
Pierre-Emerick Aubamayang und Marco Reus feiern das 1:0 gegen Schalke 04 © Imago

Dortmund - Der BVB demütigt Schalke im Derby und lässt die Fans wieder träumen. Aubameyang bekommt für seinen Batman-Jubel einen Seitenhieb von Klopp. Heldt spricht von "Versagen".

Als Batman und Robin ihren Torjubel vor der tobenden Südtribüne zelebrierten, war der BVB im 146. Revierderby erlöst.

So schnell, wie Pierre-Emerick Aubameyang in den Strafraum gesprintet war und den Ball zum befreienden 1:0 von Borussia Dortmund ins Tor gespitzelt hatte, so blitzartig hatten sich der Gabuner und sein Kumpel Marco Reus die Masken der beiden Comic-Helden über den Kopf gestreift (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER).

Der bühnenreife Auftritt der beiden bisher besten Dortmunder Torschützen in der 78. Minute passte zur spektakulären Glanzvorstellung der Schwarz-Gelben beim hochverdienten 3:0 (0:0) gegen den Erzrivalen Schalke 04.

"In der Hinrunde hatten wir nicht so viel Spaß. Wir waren vor zwei Tagen zusammen essen, das ist dabei herausgekommen", berichtete Reus. Aubameyangs Dolmetscher Massimo Mariotti hatte für den Fall der Fälle eine kleine Tasche mit den Batman-Utensilien in der Nähe des Tores deponiert.

"Spiel, Spaß und Spannung"

"Spiel, Spaß und Spannung, das ist Borussia Dortmund", fasste BVB-Coach Jürgen Klopp den Tag zusammen. Den Gag von Aubameyang und Reus wollte er nur teilweise gutheißen. "Das Negative ist, das Auba sich dafür eine Gelbe Karte abholt, das ist unangenehm. Das Positive ist, dass er offensichtlich so selbstbewusst ist, dass er glaubt, dass er sein Tor macht."

Der Torschütze selber sprach von einer "Gänsehaut". Nebenbei hatte Aubameyang mit seinem zehnten Saisontreffer spät den Grundstein zum höchsten Derbysieg des BVB seit dem 14. November 1998 (3:0) gelegt.

Henrikh Mkhitaryan nur 108 Sekunden später und Reus (86.) machten den Dortmunder Festtag perfekt. Schalkes Torhüter-Greenhorn Timon Wellenreuther hatte das 3:0 durch einen dilettantischen Patzer verursacht, vorher gehörte der 19-Jährige aber zu den stärksten Schalkern.

31:3-Torschüsse

Eine noch höhere Niederlage wäre angesichts von 3:31 Torschüssen möglich gewesen. Besonders in der ersten Halbzeit zeigten sich die Borussen gnädig.

Über den Chancenwucher wollten sie beim Gastgeber später aber nicht mehr reden. "Das war das Spiel des Jahres. Ein schöneres Gefühl kann es in der Saison nicht geben", sagte der gebürtige Dortmunder Reus: "So haben wir uns das vorgestellt."

Nach dem vierten Sieg in Folge haben sich die Borussen mit nunmehr 28 Punkten aus der Abstiegszone verabschiedet, obwohl Trainer Jürgen Klopp nach "einem perfekten Spiel meiner Mannschaft von der ersten bis zur letzten Minute" relativierte: "Es sind nur fünf Punkte nach hinten. Noch ist nichts passiert. Aber wir sind auf einem guten Weg und werden ihn so weitergehen."

Heldt: "Kollektives Versagen"

Vor vier Wochen habe man noch vom Abstiegskampf geredet, das dürfe man nicht vergessen, daran erinnerte Reus. "Es kommen noch harte Spiele. Aber wenn die anderen oben in der Tabelle Punkte lassen, werden wir versuchen, da noch reinzukommen." Zum Champions-League-Anwärter Schalke sind es nur noch sieben Zähler (Datencenter: Tabelle).

Bei den Königsblauen war nach der höchsten Niederlage unter Roberto Di Matteo mit ungewohnt wackliger Abwehr und nicht einer einzigen Torchance der Frust groß. Der Trainer stellte sogar seine Mauer-Taktik infrage: "Wir müssen sehen, ob wir nicht grundsätzlich etwas ändern müssen."

Sportvorstand Horst Heldt sprach von einem "sehr schlimmen Auftritt" und "kollektivem Versagen - es war ein Wunder, dass es so lange 0:0 stand".

Während die Königsblauen nach dem Abpfiff von ihren Fans ob der desolaten Vorstellung ohne Gegenwehr wüst beschimpft wurden, feierten die Anhänger des BVB den erst dritten Derby-Heimsieg seit der Jahrtausendwende.

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