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Andre Schürrle unterschreibt beim VfL Wolfsburg einen Vertrag bis 2019
Andre Schürrle unterschreibt beim VfL Wolfsburg einen Vertrag bis 2019 © imago

München und Wolfsburg - Andre Schürrle verlässt den FC Chelsea in Richtung VfL Wolfsburg. Sportlich nachvollziehbar, ist der Wechsel für den Weltmeister dennoch ein Schritt zurück.

Von David Schmidt

Mittags noch Metropole, abends niedersächsische Provinz. Mittags noch der charismatische Startrainer Jose Mourinho, abends der Pragmatiker Dieter Hecking.

Andre Schürrle ist beim VfL Wolfsburg angekommen, hat die Weltstadt London und den Weltklub FC Chelsea verlassen. Der Poker um den Nationalspieler ist vorbei.

Nach tagelangem Hin und Her wechselt Schürrle vom FC Chelsea zum VfL Wolfsburg und unterschreibt bei den Niedersachen einen Vertrag bis Sommer 2019.   

Schürrle war der absolute Wunschspieler des VfL.

"Wir fühlen uns mit Andre Schürrle noch besser aufgestellt", zeigte sich dann auch Geschäftsführer Klaus Allofs bei SPORT1 erleichtert, nachdem der Deal endlich über die Bühne gegangen war.

Neue Flügelzange mit Perisic

Schürrle soll bei den "Wölfen" künftig zusammen mit Ivan Perisic die Flügelzange in der offensiven Dreierreihe bilden.

Der Neuzugang greift gewöhnlich über links an, Perisic wird wohl auf die rechte Seite ausweichen müssen. Der Belgier Kevin De Bruyne ist auf der Zehnerposition ohnehin gesetzt.

Mit dem schnellen und schussstarken Schürrle will Hecking das überfallartige Angriffsspiel des VfL noch weiter forcieren, das auch den FC Bayern beim 4:1 im Eröffnungsspiel zur Rückrunde kalt erwischt hat.

Am Dienstagvormittag wird der Nationalspieler seine erste Trainingseinheit für die "Wölfe" absolvieren. Geplant ist ein Lauftraining. Der Rest der Mannschaft befindet sich schon in Frankfurt, wo der VfL am Abend bei der Eintracht spielt  (ab 19.45 Uhr im LIVE-TICKER)

Strunz: "Schritt in die richtige Richtung"

Schürrle will nach seiner Flucht aus London vor allem eines - endlich wieder spielen. Und in Wolfsburg winken dem 24-Jährigen deutlich mehr Einsatzzeiten als zuletzt.

"Für ihn ist es auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Er spielt bei einem Verein, der große Ambitionen hat und mit den handelnden Personen auch auf Jahre gut aufgestellt ist", kommentierte SPORT1-Experte Thomas Strunz den Transfer in Bundesliga Aktuell.

Bei Chelsea war der Linksaußen nur selten über die Rolle des Jokers hinausgekommen.

Chelsea-Coach Jose Mourinho mit Andre Schürrle
Andre Schürrle (l.) blieb bei Jose Mourinho meist nur die Jokerrolle © Getty Images

Obwohl der Spielertyp Schürrle durchaus in das Anforderungsprofil von Mourinhos gefürchtetem Umschaltspiel passte, musste er zu Beginn meistens auf der Bank Platz nehmen. Die Offensivabteilung war in Eden Hazard, Oscar und Willian zu breit und zu stark besetzt.

Zum ersten Mal in seiner nach wie vor jungen Karriere ist der pfeilschnelle Schürrle nicht einfach im Vollsprint an seinen Konkurrenten vorbeigezogen. Für den Senkrechtstarter von einst eine völlig neue Situation.

Mainz als Sprungbrett

Sein Sprungbrett in den Profifußball war der 1. FSV Mainz 05, für den Schürrle 2009 in der Bundesliga debütierte und nur ein Jahr später den Durchbruch schaffte. Als Gitarrist der "Bruchweg Boys" rockte er mit Adam Szalai und Lewis Holtby die Liga und führte die Rheinhessen auf einen sensationellen 5. Platz.

2011 wechselte der gebürtige Ludwigshafener dann zu Bayer Leverkusen. "Leverkusen ist mein Traumverein", flötete er damals. Schürrle  imponierte im Bayer-Trikot mit Toren und Tempofußball. Nur ein Jahr später klopfte der FC Chelsea an, mit einem millionenschweren Angebot in der Tasche.

Schürrle wollte weg, aber Bayer stellte sich quer. 2013 klappte der Deal dann endlich, der neue Trainer Mourinho lotste Schürrle an die Stamford Bridge. "Ich bin so glücklich", freute er sich damals. So richtig glücklich wurde er dort aber nie.

Durchbruch bleibt aus

Schürrle kam in seiner Premierensaison in der Premiere League 30 Mal zum Einsatz und schoss acht Tore. Nicht überragend, aber für eine erste Saison auf neuem Terrain schon sehr ordentlich.

Diese insgesamt gelungene Spielzeit krönte Schürrle im vergangenen Sommer dann mit dem Weltmeistertitel in Brasilien, wo er im Achtelfinale gegen Algerien und im Halbfinale gegen Brasilien als Torschütze glänzte und im Finale gegen Argentinien schließlich das entscheidende Tor von Mario Götze vorlegte.

Danach hoffte er auch bei Chelsea auf den endgültigen Durchbruch. Doch vergeblich. Schürrle bestritt in der laufenden Saison lediglich 14 Partien -  keine einzige davon über 90 Minuten - und traf nur drei Mal.

Viel Theater um den Wechsel        

Nun macht der Weltmeister erst einmal einen Schritt zurück, um weiter voranzukommen. Wolfsburg ist eben nicht Chelsea und wird es so schnell auch nicht sein. Trotz der Perspektive Champions League und des systematischen Aufrüstens mit Spielern wie Kevin De Bruyne, Luiz Gustavo, Ivan Perisic - und jetzt eben Schürrle.

Noch am Sonntag drohte der Wechsel plötzlich zu platzen, nachdem er am vergangenen Freitag eigentlich schon nahezu perfekt gewesen war.

Es ging ums Geld, 30 Millionen Euro war dem FC Chelsea offenbar immer noch zu wenig.

So legten die Wolfsburger am Montag Nachmittag noch einmal eine Schippe drauf.

Zuvor hatte der VfL Schürrle vorsorglich auf die Transferliste der DFL setzen lassen. Am Montagmittag tauchte der Name des Weltmeisters darauf auf..

Neuer Rekordtransfer   

Kurz vor Transferschluss um 18 Uhr kam das zähe Ringen zu einem erfolgreichen Abschluss. Der VfL meldete Vollzug. Schürrle landete noch am Abend in Braunschweig und unterzeichnete wenig später in der Autostadt den Vertrag.

Der von Volkswagen finanzierte Werksklub lässt sich den Deal dem Vernehmen nach um die 32 Millionen Euro Ablöse kosten.

Schürrle löst damit den erst vor einem Jahr verpflichteten De Bruyne als Bundesliga-Rekordtransfer der Niedersachsen ab (Die letzten Wechsel im Transfer-Ticker).

Schon gegen 1899 Hoffenheim am Samstag könnte Schürrle, der sich selbst noch nicht zu seinem Wechsel geäußert hat, zu seinem Debüt für den VfL kommen.

Dann geht es endlich nicht mehr um millionenschwere Transferverhandlungen, sondern nur noch um Tore. Und die werden in der niedersächsischen Provinz genauso gefeiert wie in der Weltstadt London.

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